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Kinder & Jugend

Kinder und neue Medien

13. Juni 2017 von

Foto: Dagmar Schräder

Myriam Rutschmann

Von

Online seit
13. Juni 2017

Printausgabe vom
15. Juni 2017
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Unter dem Titel «What’s Up auf WhatsApp» organisierte der Elternrat der Schule Rütihof am 17. Mai eine Informationsveranstaltung zum Thema Mediennutzung.

Der Umgang ihrer Kinder mit neuen Medien ist wohl für die meisten Eltern ein wichtiges und stets präsentes Thema und bietet oft Anlass zu Diskussionen und Streit innerhalb der Familie. Die Erziehungswissenschaftlerin Myriam Rutschmann, Dozentin an der Höheren Fachschule für Soziale Berufe «agogis», nahm sich deshalb auf Einladung des Elternrats der Schule Rütihof des Themas an und erläuterte in ihrem umfassenden Referat, welche Risiken, aber auch welches Potential die neuen Medien bieten und wie man seinen Kindern zu einem kompetenten Umgang mit diesen verhelfen kann.

Medienkonsum nicht nur negativ sehen

Zunächst präsentierte sie einige Zahlen aus einer aktuellen Studie mit dem Schwerpunkt «Kindheit, Internet, Medien (KIM)», die die Mediennutzung von sechs- bis 13-jährigen Kindern illustrierten. Danach besitzen 51 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe ein eigenes Handy, wobei der Anteil der Kinder mit eigenem Handy von 12 Prozent bei den sechs- bis siebenjährigen und auf 80 Prozent bei den zwölf- bis 13-jährigen ansteigt. Hinsichtlich der Mediennutzung gaben 75 Prozent der Befragten an, regelmässig einen Computer zu nutzen, 66 Prozent nutzen zudem auch das Internet. Rund ein Drittel aller Befragten sieht sich regelmässig Youtube-Videos an, und zirka 30 Prozent der Jungen (gegenüber 12 Prozent der Mädchen) bezeichnen «Gamen» als ihre liebste Freizeitbeschäftigung. Obwohl diese Zahlen durchweg einen hohen Medienkonsum und eine umfassende Nutzung der neuen Medien schon durch Sechsjährige aufzeigen, gab Rutschmann zu bedenken, dass diese Fakten nicht per se als negativ angesehen werden sollten. Es liege in der Natur der Sache, so Rutschmann, dass neue Medien bei den älteren Generationen auf Kritik stiessen und zahlreiche diffuse Ängste auslösten – auch das Buch sei dereinst ein solches neues Medium gewesen, das sich erst durchsetzen musste. Für die Eltern gehe es, so Rutschmann weiter, ihrer Meinung nach weniger darum, Verbote zu erteilen, sondern vielmehr darum, aufgeschlossen zu sein und ihren Kindern zu einer möglichst grossen Medienkompetenz zu verhelfen.

Verschiedene Aspekte von Kompetenz

Der Begriff der Medienkompetenz hat nach Rutschmann dabei verschiedene Aspekte, die unterschiedliche Hilfestellungen der Erwachsenen erfordern. Während die technische Seite der Kompetenz, also der Umgang mit den Geräten, von den Kindern und Jugendlichen sehr gut selbst bewältigt werden kann – sie sind hierbei ihren Eltern in der Regel ja sogar überlegen – stellt die Nutzungskompetenz ein etwas schwierigeres Feld dar, das aber von den Kindern mit etwas Coaching durch Erwachsene ebenfalls sehr schnell erworben werden kann. Hierbei handelt es sich beispielsweise um die Gestaltung von digitalen Medien, etwa in der Bildbearbeitung, oder um das Erschaffen von neuen Kulturräumen durch das Erstellen eigener Videos. Zwingende Unterstützung durch die Eltern wird hingegen bei der Rezeptions- und Reflexionskompetenz benötigt, die unter anderem eine kritische Herangehensweise an mediale Informationsquellen und das Erkennen von Gefahren im Internet beinhaltet. Diese Kompetenz können sich die Kinder nur mithilfe von Erwachsenen erarbeiten. Die letzte der Kompetenzen stellt schliesslich die soziale und ethische Kompetenz dar, die ebenfalls nur mit Unterstützung der Erwachsenen erworben werden kann. Dabei geht es nicht nur um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien, sondern auch um das richtige Zeitmanagement – ein Punkt, den selbst viele Erwachsene nicht wirklich im Griff haben und bei dem sich Eltern ihrer Vorbildfunktion bewusst sein sollten.

«Gamen» richtig begleiten

Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen ging Rutschmann genauer auf die einzelnen Medien ein. Wie schon die Studienzahlen, die Rutschmann eingangs präsentiert hatte, beweisen, ist unter anderem das «Gamen» für viele Heranwachsende ein wichtiger Zeitvertreib. Dabei ist die Palette der möglichen Spiele gross, wobei längst nicht alle der verfügbaren Spiele auch in Kinderhände gehören. Angst macht vielen Eltern in diesem Zusammenhang nicht nur das vermutete Suchtpotential, sondern auch die Brutalität vieler Spiele und die möglichen Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder. Auch hier konnte Rutschmann die Eltern insofern beruhigen, als dass das Gamen an sich durchaus positive Auswirkungen auf die Entwicklungen der Kinder haben kann: Obwohl das Spiel in einer digitalen Welt stattfindet, werden Phantasie und Kreativität gefördert und – zumindest in einigen Spielen – Sozialkompetenzen erlernt. Die allermeisten Kinder seien zwar von den digitalen Spielen sehr fasziniert, wirklich abhängig, beziehungsweise süchtig seien jedoch nur die allerwenigsten. Auch in Bezug auf aggressives Verhalten sei kein direkter Zusammenhang zu den von den Kindern genutzten Spielen zu erkennen. Selbst bei Spielen, in denen Gewalthandlungen vorkommen, sei zumindest in Kurzzeitstudien bis anhin nicht nachweisbar, dass diese die Gewaltbereitschaft der Spielenden erhöhen. Zwar existierten bis anhin noch keine Langzeitstudien zu dieser Fragestellung, doch lasse sich mit Sicherheit sagen, dass es stets ein Zusammenwirken verschiedenster Faktoren und nicht das Gamen alleine ist, welches Auswirkungen auf das Aggressionspotential von Heranwachsenden hat. Die Aufgabe der Eltern sei es, sich für die Spiele ihrer Kinder zu interessieren, gemeinsam mit dem Nachwuchs sinnvolle und dem Alter entsprechende Spiele auszuwählen und zeitliche Beschränkungen auszuhandeln.

Individuelle Medienkompetenz berücksichtigen

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Eltern kam Rutschmann hinsichtlich der Nutzung von Smartphones und des Zugangs zum Internet. Ganz allgemein gelte es, die Kompetenzen des eigenen Kindes richtig einzuschätzen und dementsprechend verbindliche Regeln zu vereinbaren. So liessen sich etwa Nutzungszeiten für Handy, Computer und Spielkonsolen nicht einfach verallgemeinern, sondern müssten von den Eltern individuell auf ihre Kinder abgestimmt werden. Als Faustregel könne aber die 3-6-9-12-Regel gelten, die bedeute, dass Kinder erst ab 3 Jahren fernsehen sollten, keine eigene Spielkonsole vor dem Alter von 6 Jahren, kein eigenes Handy vor 9 Jahren besitzen sollten und erst ab 12 Jahren in sozialen Netzwerken aktiv werden sollten. Das A und O, so wiederholte Rutschmann zum Abschluss ihres Vortrags, sei bei allen Bereichen die Begleitung der Eltern und die Auseinandersetzung mit den medialen Aktivitäten der Kinder. Verbieten und Kontrollieren seien im Hinblick auf Medien kontraproduktiv, weil sie zu einer geringeren Medienkompetenz der Kinder und damit zu mehr negativen Medienerlebnissen führten. Mit einer guten Grundhaltung der Eltern und einer kompetenten Unterstützung könnten die Kinder das weite und aufregende Feld der neuen Medien sinnvoll für sich entdecken und seien für die Zukunft gut gerüstet.

Wer sich intensiver damit auseinandersetzen möchte, inwiefern Eltern ihre Kinder durch den Mediendschungel begleiten können, dem seien folgende Adressen empfohlen:
www.safersurfing.ch
www.cybersmart.ch
www.elternet.ch
www.jugendundmedien.ch
www.klicksafe.ch
www.schau-hin.info
ww.usk.de
www.pegi.info
www.suchtschweiz.ch

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