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«Jeder Tag ist anders»

12. April 2017 von

Foto: Patricia Senn

Men at Work: Andreas Zweifel und Semere platzieren die Eibe im vorgesehenen Loch.

Foto: Patricia Senn

Ruedi Zweifel und Nico (nicht im Bild) befestigen eine Eibe nach der anderen an einem Seil.

Nico Bruder wässert die frisch angepflanzten Sträucher und Bäume.

Andreas Bruder und sein Team sprechen sich ab.

Alex Kuhn gräbt die Rosen aus um sie umzusetzen.

Semere arbeitet seit ein paar Monaten bei Bruder&Zweifel.

Hier stand früher die Villa Sumatra.

Der Heckkrahn ist da.

Präzise Arbeit.

Elegant hievt der Kran die Steine aus dem Boden.

Gespräch unter Gartenbau-Profis.

Von

Online seit
12. April 2017

Printausgabe vom
13. April 2017
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Im letzten Jahr feierte die Bruder&Zweifel Gartenbau GmbH ihren 25. Geburtstag. Die Begeisterung für ihren Beruf ist auch nach Jahren noch gross. Der «Höngger» durfte die Gartenbauer einen Morgen lang begleiten.

Um acht Uhr morgens hat Andreas Bruder bereits einen Baum gepflanzt. «Es ist ein Mirabellen-Bäumchen, das musste langsam in die Erde», meint der Gartenbauer. Seit 26 Jahren führt er den Betrieb bereits zusammen mit Ruedi Zweifel. Die beiden haben ihre Lehre im gleichen Betrieb absolviert und beschlossen nach einigen Jahren, sich selbständig zu machen. Aktuell haben sie sechs Mitarbeiter. Was braucht es eigentlich, um diesen Beruf ausüben zu können? «Nun», meint Bruder, während er die Abdeckung der Ladefläche festzurrt, «es braucht bestimmt eine grosse Portion Idealismus. Man muss wetterfest sein und Freude an der Natur haben». Auch die Theorie ist anspruchsvoll: «Es gibt über 1000 Pflanzen, deren Namen man lernen muss, auf Deutsch und Lateinisch. Man muss an einem Ästchen oder Laubblatt erkennen können, um welchen Baum, Strauch oder Blütenstaude es sich handelt». Der Aufgabenbereich der Landschaftsgärtner ist gross: Von Gartenpflege, Bäume und Staudengärten pflanzen, über den Bau von Zäunen, Wegen, Mauern und Treppen bis hin zur Gestaltung von ganzen Gärten können sie alles. «Diese Vielseitigkeit ist, was mir so an diesem Beruf gefällt», verrät Bruder, während er den Laster rückwärts in einen Parkplatz zirkelt. Heute arbeitet er zusammen mit Ruedi Zweifel und drei seiner Angestellten an der Weinbergstrasse, wo früher die Villa Sumatra stand. Die Besitzerin der neuen Häuser möchte den Garten wieder ähnlich herrichten lassen, wie er früher war. Dazu sollen grosse, in Form geschnittene Eiben so auf dem zur Strasse abfallenden Gelände angeordnet werden, dass sie grosse Dreiecke bilden, verbunden durch kleine Buchshecken und aufgefüllt mit Rosen und fein riechendem Lavendel. Bereits in der Vorwoche haben die Gartenbauer mit den Vorbereitungen begonnen, Löcher für die Bäume ausgehoben und Rosen verpflanzt. Ein erstes Dreieck ist sogar schon fertig.

Sehen, was man gemacht hat

Alex Kuhn arbeitet seit zwei Jahren bei Bruder&Zweifel Gartenbau GmbH, seine Lehre hat er in Dietikon gemacht. Während er den Spaten in den Boden stösst, um die Rosenstöcke mitsamt der Wurzel auszugraben, erzählt er, dass er lange in der Pfadi gewesen sei und schon früh wusste, dass er einmal «draussen» arbeiten wolle. Für die Försterschule habe er nicht die richtige körperliche Konstitution und sich deshalb für den Gartenbau entschieden. «Heute würde ich nichts mehr anderes machen wollen», meint der junge Mann. «Die Arbeit ist gut, und der Betrieb wird sehr familiär geführt». Die Stimmung unter den jungen Männern ist bestens, es wird viel gefrotzelt und gelacht. Semere arbeitet seit ein paar Monaten im Team und überlegt sich, vielleicht eine Lehre anzufangen. Auch er kam schon als Kind mit der Landwirtschaft in Berührung. Gerade legt er Holzbretter auf den schmalen Gehweg und hebt nochmals etwas Erde aus den Löchern, in welche die Bäume später hinein gepflanzt werden. Frisch gepflanzte Sträucher und Bäume müssen gut bewässert werden, diese Aufgabe hat Nico übernommen. Der Sohn von Andreas Bruder hat ursprünglich Architekturmodellbauer gelernt, dann aber keine Lust mehr auf den Bürobetrieb gehabt. «Ich wollte in der Natur arbeiten. Als Landschaftsgärtner sieht man abends, was man getan hat. Als Modellbauer gibt man sich auch viel Mühe, aber am Ende landen die meisten Modelle wieder im Abfall», erzählt er. Die Zusammenarbeit mit dem eigenen Vater sei super, sie verstünden sich ohne Worte.

Ein eingespieltes Team

Inzwischen ist ein Lastwagen mit Heckkran vorgefahren, und Alex hat das Trottoir gesichert. Seine Aufgabe ist es nun, die Fussgänger sicher am Gefährt vorbei zu lotsen. «Manchmal realisieren die Menschen wirklich nicht, in welche Gefahr sie sich begeben, wenn sie beispielsweise unter einer Last, die am Kran hängt, hindurchgehen. Dann muss ich auch schon mal laut werden», sagt er, ohne die Strasse aus den Augen zu lassen. Wenn man die grossen Steinbrocken betrachtet, die der Kranfahrer Jürg elegant mit dem Steingreifer aus der Erde pflückt und in den bereitgestellten Anhänger hievt, will man sich lieber nicht vorstellen, was geschieht, wenn einer davon runterfällt. Gerade fährt Ruedi Zweifel mit einem Lastwagen voller Eiben heran. «Sie stammen von einem Betrieb in Dielsdorf, wir legen grossen Wert darauf, möglichst Schweizer Baumschulen und Staudengärtnereien zu berücksichtigen», erklärt er. Und dann wird erst einmal nicht mehr mit der Redaktorin geplaudert, sondern gearbeitet. Wie am Schnürchen läuft das: Ruedi Zweifel und Nico befestigen eine Eibe nach der anderen an einem Seil, der Kran hebt den Baum zielgenau über das ausgehobene Loch, wo Andreas Bruder und Semere ihn entgegennehmen, ausrichten und die Gurte lösen, damit der Kran sich die nächste Pflanze schnappen kann. Innert Kürze sind alle fünf Bäume dort, wo sie hingehören. Die ganze Zeit über behält Andreas Bruder den Überblick. «Nein, nervös bin ich nicht, schliesslich mache ich das schon viele Jahre. Und wir sind gut vorbereitet, jeder weiss, was er zu tun hat. Deshalb läuft es auch so gut». Schliesslich werden die Jutesäcke, in denen die Wurzelballen der Bäume eingepackt sind, leicht geöffnet. Nico und Alex, die gerade einen Baumkletterkurs als Weiterbildung absolviert haben, unterhalten sich über den richtigen Umgang mit dem Draht, der den Jutesack umfasst. «Wir fördern unsere Mitarbeitenden und begegnen ihnen auf Augenhöhe, das ist unsere Philosophie», sagt Zweifel noch, bevor er zum nächsten Auftrag losfährt. Jeder Tag ist anders und bringt andere Herausforderungen, und am Ende hat man etwas gemacht, das bleibt. Das macht diesen Beruf so spannend, findet auch er. Und die Begeisterung für ihren Beruf ist den beiden Chefs Bruder & Zweifel auch nach 26 Jahren noch immer anzusehen.

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