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Leitartikel

Ist in Höngg der KITA-Bedarf gestillt?

24. Januar 2018 von

Foto: Fredy Haffner

In der KITA hat es für jedes Kind und seine Mitbringsel ein Plätzchen.

Foto: Fredy Haffner

Alessandra Di Roma mit Kindern am Mittagstisch der Kinderkrippe Wallaby.

Foto: Fredy Haffner

Brigitte Mutter (oben), Geschäftsführerin und Krippenleiterin der Kinderkrippen Schiguna, im Spiel mit Kindern und Mitarbeiterinnen.

Von

Online seit
24. Januar 2018

Printausgabe vom
25. Januar 2018
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In Höngg sind Kindertagesstätten in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Nicht von ungefähr, denn auch die Anzahl Kinder im Vorschulalter ist merklich gestiegen. Wie gut ist Höngg nun mit KITA-Plätzen versorgt? Zahlen und Meinungen ergeben kein klares Bild.

Auch in Höngg ist von blossem Auge sichtbar, dass es heute mehr Kindertagesstätten gibt als früher. Seit der Frauenverein Höngg 1947 die erste eröffnete, hat sich einiges getan. 1992 gesellte sich die Krippe Heizenholz, als ergänzendes Angebot des Wohn- und Tagesheimes Heizenholz dazu. 1995 folgte an der Regensdorferstrasse das Montessori-Kinderhaus Quelle, keine eigentliche KITA, aber ein Tageskindergarten für Kinder ab zweieinhalb Jahren. 1996 folgte die erste von heute zwei KITAS für Studierende und Mitarbeitende der ETH Hönggerberg. Unter dem Namen «Tabaluga», heute «Minido», eröffnete im Jahr 2000 die KITA im Rütihof, 2006 und 2007 je ein «Chrabelschloss», 2011 die erste «Schiguna», 2013 «Wallaby» im Heizenholz und 2016 die zweite «Schiguna».
Die letzten zwei Jahre ging es dann Schlag auf Schlag. Alleine 2017 eröffneten drei KITAs: Im Obergeschoss der ZKB-Filiale die KITA «Fugu» und dann, dort wo vorher nahe beim Zwielplatz die Büros einer Baufirma waren, zog «Kiddi4nature» ein und im ehemaligen Lebensmittelgeschäft direkt am Zwielplatz eine «Globegarden»-KITA. Und kommenden April wird im Neubau der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg im Frankental die Kinderkrippe «Bambi» weitere 44 Plätze anbieten.

Mehr Kinder, mehr KITAS – aber auch genug?

Natürlich hat sich die Anzahl Krippenplätze in Höngg entsprechend mitentwickelt: von rund 77 im Jahr 1992 auf 443 im 2018 – sofern nicht noch weitere hinzukommen (Abb. 2).
Diese Entwicklung spiegelt nicht nur das gesellschaftliche Bedürfnis nach mehr Betreuungsplätzen, sondern auch die generelle Zunahme von Kindern in Höngg: Lebten gemäss Statistik der Stadt Zürich 1993 nur 836 Kinder der Altersgruppe 0 bis 4 in Höngg, waren es 2016 bereits 1324 – ein Plus von fast 60 Prozent.
Das heisst, dass heute für gegen 1400 Kinder rund 440 Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Oder mit anderen Worten: Fast 63 Prozent aller Höngger Kinder im Vorschulalter könnten an zwei Tagen pro Woche im Quartier eine KITA besuchen. Nur noch knapp 32 Prozent sind es, wäre jeder KITA-Platz jeweils die ganze Woche von nur einem Kind belegt. Die Stadt Zürich weist in ihrem «Report Kinderbetreuung 2016» für Höngg noch 388 KITA-Plätze für 1364 Kinder und damit eine Versorgungsquote von 50 Prozent auf. Ab 70 Prozent Versorgungsquote betrachtet die Stadt Zürich den Bedarf als gedeckt (siehe Artikel auf Seite XY). Ist Höngg also trotz dem deutlich gestiegenen Angebot noch unterversorgt? Schwer zu sagen, denn die Stadt erhebt ihren 70-Prozent-Anspruch über das ganze Stadtgebiet betrachtet und nicht auf einzelne Quartiere. So gleicht es sich aus, wenn zum Beispiel eben in Höngg statistisch nur eine viel tiefere Quote erreicht wird, denn in der Innenstatt ist bezogen auf die dort tatsächlich lebenden Kinder ein Überangebot vorhanden: 2016 zum Beispiel im Gebiet Hochschule mit 804 Prozent und in der City mit sogar 1079 Prozent. Und die dortigen KITAs werden von jenen Eltern – darunter sicher auch aus Höngg – genutzt, welche ihre Kinder nahe dem eigenen Arbeitsort betreuen lassen wollen.

Wie sehen das die Höngger KITA-Betreiber?

Trotz statistisch tiefer Versorgungsquote ist man sich bei den Höngger KITA-Betreibern mehrheitlich einig, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigte: Ja, der Bedarf scheint gedeckt, wenn auch nicht in allen Regionen von Höngg gleichermassen. Jedenfalls werden kaum mehr Wartelisten geführt und die meisten KITAs haben für einzelne Wochentage je nach Altersgruppe noch Plätze frei. Gerade jene KITAs, die erst eröffnet haben, spüren, dass der Markt momentan gesättigter ist als auch schon. Brigitte Mutter, Inhaberin und Krippenleiterin der Kinderkrippen Schiguna, die 2011 nach Höngg gezogen sind, findet die Zunahme in den letzten Jahren markant und sagt, sie merke dies entsprechend: «Die Plätze an allen Tagen voll zu besetzen ist heute schwieriger geworden». Gerade Neugründungen von grossen KITA-Ketten sieht sie mit gemischten Gefühlen zu, denn diese haben, wenn es eng wird im Markt, den längeren finanziellen Atem. Doch mit höheren Ansprüchen der Eltern aufgrund der grösseren Auswahlmöglichkeiten sei sie nicht konfrontiert, sagt Brigitte Mutter: «Das Wichtigste für die Eltern ist und bleibt, dass ihre Kinder liebevoll betreut werden. Die grösste Angst aller Eltern ist es, dass ihr Kind in einer KITA auf Unverständnis für seine Bedürfnisse trifft oder man lieblos an ihm vorbei arbeitet».
Eine Beziehung zu jedem einzelnen Kind aufzubauen sei denn auch das «A» und «O», das eine Krippe zu leisten hat, sagt sie: «und Kinder sollen Kinder sein dürfen, sie müssen nicht auf Biegen und Brechen nach Plan gefördert werden, sondern die Betreuenden müssen mit ihnen bedürfnisorientiert umgehen und sie dort fördern, wo Bedarf besteht». Das brauche eben auch eine Liebe zum Beruf, die ein Verständnis für die Kinder miteinschliesse und das habe für Eltern noch immer den viel höheren Wert als zum Beispiel, dass eine KITA zweisprachig nach Stundenplan arbeite, fügt die erfahrene Krippenleiterin und Mutter an.
Auch Alessandra Di Roma, Leiterin der Kinderkrippe «Wallaby» im Heizenholz, sagt, sie spüre eine Sättigung im Markt, der Bedarf an KITA-Plätzen sei in Höngg derzeit gestillt: «Früher führten wir eher noch Wartelisten, was sich nun merklich reduziert hat und sich auf einzelne Tage beschränkt». Auch bei ihr macht sich bislang nicht bemerkbar, dass Eltern vermehrt die Wahl haben, von gestiegenen Ansprüchen merke sie nichts: «Welche Krippe Eltern wählen, hat auch viel mit Sympathie zu tun: Die einen finden es hier, in diesem Häuschen mit vielen Räumen und der Treppe ˂heimelig˃, andere haben gerade wegen den Treppen Bedenken. Eltern achten natürlich auch auf das Personal, wie das Haus eingerichtet ist und wie das Konzept aussieht, alles ganz individuelle Kriterien». Für Alessandra Di Roma selbst ist es am wichtigsten, dass es in ihrer Krippe genug Personal hat und die Stimmung im Team gut ist, denn: «das sehen und merken auch die Eltern – und vor allem die Kinder».

Gemäss Erhebung des «Hönggers» sind die Höngger KITAs auch gewichtige Arbeitgeber: Rund 130 Personen arbeiten allein in der direkten Kinderbetreuung, davon 70 Ausgebildete, 35 in Ausbildung und 25 in einem Praktikum. Weitere, vom «Höngger» nicht erfasste Stellen sind in Küchen, Verwaltung usw. entstanden.

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