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Kultur

Interaktiv in den Wahnsinn

7. Februar 2018 von

Foto: Fredy Haffner

Zum Schluss noch etwas «analog surfen» mit Lapsus.

Foto: Fredy Haffner

Die Standing Ovations waren in den AGBs vorgegeben. Das Publikum hätte es wohl auch freiwillig gemacht.

Foto: Fredy Haffner

Daniela und Daniel Zimmermann vom Creativa Schlafcenter waren die Sponsoren des Abends.

Von

Online seit
7. Februar 2018

Printausgabe vom
08. Februar 2018
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In ihrem neuen Abendprogramm «On/Off» brachte das Komikerduo Lapsus die digitale Welt 4.0 auch dem Höngger Publikum näher, inklusive Abstürzen und leeren Akkus.

Seit über zwanzig Jahren sind sie zusammen unterwegs: Christian Höhener und Peter Winkler, alias Bruno Gschwind und Theo Hitzig, sind «Lapsus». Die beiden Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein. Der grosse Hitzig macht seinem Namen alle Ehre: Der Ritalin-Manager redet ohne Unterbruch, ist dabei ständig armerudernd in Bewegung und will alles unter Kontrolle haben, während sein Assistent Bruno sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und hervorragend vorführt, wie man sich mit Dummstellen eine Menge Arbeit ersparen kann. Ihr Stand-up-Talent zeigte sich am vergangenen Donnerstag bereits vor der eigentlichen Show, als Hitzig den Gastgeber und Verlagsleiter, Fredy Haffner, mit der Bezeichnung «Präsident» des Höngger Kulturabends auf die Bühne bat, um das Publikum zu begrüssen. Die Freude über das «Upgrade» dürfte nur kurz gewährt haben. Denn während Haffner noch Luft holte, um seine Rede zu beginnen, wurde er unter einem Schwall an Anweisungen und «Tipps» begraben. Mit den Worten «na, das war jetzt doch eine schöne Rede» wurde er unverrichteter Dinge wieder von der Bühne geschickt. Das Publikum war sehr amüsiert. Vielleicht fast schon etwas zu amüsiert? Der sonst um keinen Spruch verlegene Haffner nahm es sportlich.

Wortspiele, Seitenhiebe und Akrobatik

Nach einer Einführung durch die Grundeinstellungen des Interaktionsprogramms – das Publikum sollte angeblich die Show mitbestimmen können – und der Annahme der «Allgemeinen Geschäftsbedingungen» – man verpflichtete sich zu «Standing Ovations» am Schluss und sollte 10’000 Franken Busse zahlen, wenn man schlecht über den Abend sprach – lotsten die beiden «Humoroiden», wie die Komikerklone heissen, das Publikum in die Welt 4.0. Das Stück «On/Off» ist ein technisch anspruchsvolles Stück: Video, Ton, Licht und die Schauspieler müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit es funktioniert. Aber das richtige Timing beherrschen die beiden nach über zwanzig Jahren Erfahrungen wahrscheinlich schon im Schlafmodus. Ein bisschen «Splattermovie», viel Deklarationswahnsinn und eine Happy-Day-Parodie später war der erste Höhepunkt erreicht: Das Autokorrekturprogramm hielt erfahrungsgemäss viele Absurditäten bereit, wobei das Publikum mit den Nazi-Witzen – «das finde ich den Hit-ler» – wohl nicht so viel anzufangen wusste. Wirklich beeindruckend waren jedoch die Tanzeinlagen: Auf den sogenannten «Smart Wheels» schwebten die beiden Männer synchron und im Takt der Musik wie filigrane Ballerinas über die Bühne, Pirouetten inklusive. Zumindest was die Fitness angeht, war dem Assistenten Bruno die sonst zelebrierte Faulheit nicht anzusehen. Nach zwei Stunden rasanter Comedy erinnerte sich das Publikum sogar an die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und stand gehorsam von den Stühlen auf, um langanhaltend zu applaudieren. Das hätte es aber wahrscheinlich auch ohne Vertrag getan.

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