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Indianerleben auf dem Bauspielplatz

25. Oktober 2017 von

Foto: Dagmar Schräder

Die Bogenschützen üben das Schiessen.

Foto: Dagmar Schräder

Aaron präsentiert Pfeil und Bogen.

Von

Online seit
25. Oktober 2017

Printausgabe vom
26. Oktober 2017
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In der ersten Woche der Herbstferien führten das GZ Höngg/ Rütihof und der Bauspielplatz Rütihütten gemeinsam ein viertägiges Ferienangebot für Primarschülerinnen und -schüler durch. Ein Besuch vor Ort.

Der Pfeil ist eingelegt, die Sehne angespannt, das Ziel fixiert. Aaron atmet tief durch, dann lässt er den Pfeil los. Fast lautlos fliegt dieser davon und schraubt sich sicher 30 Meter durch die Luft, bevor er am anderen Ende der grossen Fussballwiese mit der Spitze im Boden stecken bleibt. Sichtlich erfreut jubelt der elfjährige Schütze: «Das ist neuer Rekord!» Gleich darauf ist das nächste Kind dran und versucht, den Rekord zu überbieten. In einer Reihe haben sich die vier Kinder auf dem Fussballplatz neben dem Bauspielplatz zum Bogenweitschuss aufgestellt und präsentieren stolz nicht nur ihre selbstgefertigten Bögen und Pfeile, sondern auch die neu erlangten Fertigkeiten im Bogenschiessen. Nach jedem Schuss vergleichen sie die Reichweite und geben sich Tipps zur richtigen Schusstechnik.

Lernen, wie die Indianer lebten

Dies ist der letzte Tag ihres viertägigen Ferienangebots zum Thema Indianer. Von Montag bis Donnerstag der ersten Woche der Herbstferien haben sich zehn Kinder zwischen sechs und elf Jahren jeweils morgens um 9 Uhr im Gemeinschaftszentrum im Rütihof mit dem Leiterteam des GZs getroffen und sind dann gemeinsam zum Bauspielplatz spaziert, um sich hier ganz in die Welt der Indianer zu versetzen. Zu diesem Zweck haben sie gleich an ihrem ersten Kurstag Besuch von einer Fachperson erhalten. Veronika Ederer, eine Kulturpädagogin und Expertin auf dem Gebiet der Geschichte der indigenen Einwohner Nord- und Südamerikas hat ihnen in ihren anschaulichen Ausführungen erklärt, wie die Kinder der Indianer in den verschiedenen Klimazonen und Stämmen gelebt haben. Anschliessend haben sie sich dann selbst darin versucht, Jagdwerkzeug, Gebrauchs- und Kultgegenstände auf möglichst authentische Art und Weise herzustellen. Haselnussäste wurden gesammelt, abgeschliffen und bespannt, Pfeile zugeschnitten und mit Federn versehen, Köcher gebastelt und mit buntem Filz und flauschigen Zotteln versehen. Ein Tipi wurde aufgestellt und bemalt, Totemtiere getöpfert und im Feuer gebrannt, Traumfänger gebastelt und kleine Taschen zusammengenäht. Unterstützt wurden die Kinder dabei vom Leiterteam des Gemeinschaftszentrums, bestehend aus Dorothea Rios-Hofmann, Sonja Greuter, Dominique Grob und Madlaina Meili sowie dem Spielplatzleiter Martin Laub. Und nun, am letzten Tag des intensiven Lagers, werden schnell noch die letzten Köcher und Bögen fertiggestellt – und probegeschossen – damit auch jedes Kind seine eigenen Fabrikate nach Hause nehmen kann.

Ferienangebot in Ergänzung zur Herbstbauwoche

Die Stimmung ist entspannt, gelöst und fast ein wenig wehmütig, weil der Abschied bevorsteht. Erst zum zweiten Mal hat ein derartiges Angebot auf dem Bauspielplatz als Kooperation zwischen dem Spielplatz und dem GZ stattgefunden. «Der Bauspielplatz hat bis anhin jeweils in den Ferien eine Herbstbauwoche angeboten, in der der Spielplatz nachmittags von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet war. Wir vom GZ haben uns dann überlegt, dass wir gemeinsam ein Ganztagsangebot schaffen könnten, so dass berufstätige Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder von morgens bis abends zu uns zu schicken», erklärt Dorothea Rios-Hofmann, zuständig für Quartierarbeit beim GZ. In der Kursgebühr von 180 Franken ist nicht nur die Betreuung während der vier Tage, sondern auch das gemeinsame Mittagessen und Zvieri enthalten. Gekocht wird dabei entweder auf dem offenen Feuer auf dem Bauspielplatz oder in der Küche des Gemeinschaftszentrums. Zum Zvieri ist dann jeweils Schlangenbrot und Lagerfeuer garantiert. «Mit diesem Angebot möchten wir auch Kinder für den Bauspielplatz begeistern, die ihn bisher vielleicht noch gar nicht kannten», ergänzt sie. So zählen viele Kinder zu den Teilnehmenden, die gar nicht in Höngg wohnen. Doch die alteingesessenen Bauspielplatzbesucherinnen und -besucher sollen in den Herbstferien natürlich ebenso auf ihre Rechnung kommen. An drei der vier Kurstagen hat Bauspielplatz daher nachmittags seine Tore zusätzlich für alle sonstigen Gäste geöffnet. So tummelten sich an den drei Nachmittagen bis zu 30 Kinder auf dem Platz – eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Betreuerinnen und den Spielplatzleiter. «Manchmal gab es nachmittags Diskussionen, weil die Kurskinder sich Hütten zum Spielen ausgesucht hatten, die von den Kindern erbaut worden waren, die nachmittags auf den Spielplatz kamen. Das führte zu gewissen Nutzungskonflikten», erzählen die Leiterinnen mit einem Schmunzeln. Doch dieser Streit sei nie von langer Dauer gewesen – spätestens beim Zvieri seien ohnehin alle Differenzen vergessen gewesen. Für Aaron und seine neugewonnenen Freundinnen und Freunde ist jedenfalls nun, zum Abschluss ihres Lagers, sonnenklar, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen – wenn sie nicht schon vorher mal auf dem Bauspielplatz vorbeischauen und sich vielleicht doch schon eine eigene Hütte zimmern.

 

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