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Kultur

In Öl gebanntes, pures Licht

10. April 2018 von

Foto: Fredy Haffner

Heiner Fierz in seinem Höngger Atelier.

Foto: zvg

«Boot und Werdinsel», 458, 2009, Öl, 50 x 60 cm

Von

Online seit
10. April 2018

Printausgabe vom
12. April 2018
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Heiner Fierz fängt in seinen Bildern das Licht Südfrankreichs ein, und das sogar in Zürich so treffend, dass jedes Grau verschwindet. Nun stellt er exklusiv dort aus, wo er sich zu Hause fühlt: in Höngg.

«Ich bin kein lauter Maler und kann mich selbst nicht gut verkaufen.» Das ist etwas vom Ersten, was Heiner Fierz sagt, als ihn der «Höngger» in seinem Atelier unterhalb der Hohenklingenallee besucht, wo er seit 20 Jahren zu Hause ist. Klein ist hier alles und wohl verstaut, doch Fierz malt ohnehin meistens draussen, vor Ort, mitten im Licht, das er so treffend einzufangen weiss. Vielleicht eine Reminiszenz an seine Jugend in Au-Wädenswil, wo er 1957 als Sohn einer Bauernfamilie zur Welt kam und aufwuchs? Das Zeichnen entdeckte er dort in der Sekundarschule und blieb ihm auch in der Mittelschule und später als Elektroingenieur ETH treu. Diese erste Berufswahl war jedoch ein Vernunftsentscheid, der ihn nie glücklich machte. Also entwickelte er sich weiter, fand in den grafischen Bereich und später über seine Liebe zur Sprache zur Arbeit als Korrektor, seinem heutigen «Brotjob», wie er es nennt, der ihm aber auch ein guter Ausgleich zur Malerei sei.
Erste Gehversuche als Kunstmaler machte Fierz mit der Airbrush-Technik. Dann wechselte er zu Öl und Pinsel, was er viel persönlicher fand. Das liegt rund 30 Jahre zurück. Seither malt er in Öl. Immer mehr. Und intensiver. Landschaftsmotive prägen sein umfangreiches Werk, zwischendurch auch Porträts. Fierz malt in dezenten, nicht aufdringlichen Farben, mit denen er das Licht Südfrankreichs einfängt, sogar auf Motiven aus Zürich. Er schmunzelt über diese Beschreibung: «Ich bin tatsächlich oft in Südfrankreich, das Licht dort ist wirklich fantastisch. Wenn man mit Licht und Schatten in einem Bild etwas übertreibt und ‹in die Farben› geht, dann weicht auch in Zürich das Grau, alles wird hell und leicht.»

Zürich liegt in Frankreich

Das zeigt vielleicht am besten ein Bild, das im kleinen Atelier ins Auge sticht. Es zeigt eine Szene in einer französischen Stadt am Meer: Lichtdurchflutet leicht, imposante Gründerzeitbauten im Hintergrund, ein Strassencafé mit Sonnenschirmen, spielende Kinder, und im Vordergrund wiegen sich sanft angedeutete Wellen an einen flachen, warmen Sandstrand – bis Fierz nebenbei bemerkt, das sei der Sechseläutenplatz. Himmel, natürlich: Da ist tatsächlich das Opernhaus, und da, das ist der Pavillon des Parkhauslifts, und das ist kein Strand, sondern der freie Platz. Plötzlich liegt Zürich in Frankreich.
Natürlich spricht man bald über den Impressionismus. Fierz sagt, «impressionistisch» sei ihm stets ein Kompliment gewesen, doch heute finde er seine Bilder in diesem Begriff nicht so richtig wieder. Ja, Fierz malt nicht naturalistisch, aber sehr wohl gegenständlich. Er vereinfacht Formen eher mit Flächen als mit Strichen, Verläufe fehlen völlig, alles ist zoniert, und so entstehen mit einfachsten Pinselstrichen Eindrücke von Räumen und Gegenständen.
Eindrücke, die den Betrachtenden binden. Auch nach Jahren. «Manchmal kommen Leute an meine Ausstellungen, die früher schon ein Bild gekauft hatten», erzählt der Künstler, «sie erzählen mir, wie viel Freude sie noch immer daran haben.» Das sei ihm die schönste Anerkennung. Eine, die ihm sonst als «60-jähriges Jungtalent», wie er sich selbst nennt, bis heute versagt blieb. Doch Fierz weiss, dass Kunst und Kunstmarkt «zwei Paar Schuhe» sind. Doch er müsse ja nicht, sondern dürfe malen, sagt er zum Schluss bescheiden – und erwähnt ganz nebenbei, dass er auf der Liste der Porträtmaler für Regierungsratsmitglieder sei, bisher aber noch nicht von einem zurücktretenden Mitglied ausgewählt worden sei. Eine Anerkennung, die er bestimmt nicht ablehnen würde.

Heiner Fierz, Ölbilder, «Stadtsichten – Stadtfluchten – Stadtleben»
Donnerstag, 19. April, bis Donnerstag, 30. August, im Infozentrum und den Redaktionsräumen des «Hönggers» am Meierhofplatz 2. Öffnungszeiten Montag bis Freitag während Bürozeiten oder auf Anfrage.
Vernissage: Donnerstag, 19. April, 17 bis 20 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.

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