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Höngg ist statistisch betrachtet multikulti

28. Februar 2018 von

Foto: zvg

Der aktuelle Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich – einige seiner Mitglieder suchen Nachfolgerinnen oder Nachfolger. Ist bald jemand aus Höngg mit dabei?

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Online seit
28. Februar 2018

Printausgabe vom
01. März 2018
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Jede zehnte aus dem Ausland in die Schweiz migrierende Person zieht in die Stadt Zürich. So lebten im Jahr 2016 auch in Höngg 120 Nationen zusammen. Auf Stadtebene wird einiges unternommen, um dieses Zusammenleben zu fördern. Zum Beispiel mit dem Ausländerbeirat und einem Ausbildungsprogramm.

Als 2016 die letzte Volkszählung durchgeführt wurde, zeigten die Zahlen, dass von den total 23’423 in Höngg lebenden Personen 5’785 ausländischer Herkunft waren und diese aus 120 verschiedenen Nationen hierher gezogen sind. Das war knapp ein Viertel (24,7 %), während der Anteil über die ganze Stadt betrachtet knapp ein Drittel betrug (32,1 %). Die Zahlen dürften sich seither nur unwesentlich verändert haben.
Anders sieht das aus, wenn man den Zeitraum 1993 bis 2016 betrachtet. In diesen 23 Jahren hat die Bevölkerung in Höngg um total 4305 Personen zugenommen. Die meisten Neuzuzüger waren deutscher Nationalität (1522 Personen), gefolgt von Schweizerinnen und Schweizern (1234) und, mit grossem Abstand, den österreichischen Staatsangehörigen (153). Auf Rang vier folgt bereits China mit 150 Personen, und erst dahinter tauchen «traditionelle» Einwanderungsländer wie Italien, Frankreich und Portugal auf (siehe Abbildung 1). Betrachtet man die elf Nationen mit den meisten Zunahmen in Höngg nach Prozenten, so staunt man im ersten Moment nicht schlecht: Obenauf schwingt mit einer Zunahme von 577% China, gefolgt von Deutschland (plus 310%) und Polen (plus 261%). Auf dem letzten der elf Plätze erst folgt die Schweiz mit einem Plus von 8 Prozent (Abbildung 2).
In absoluten Zahlen betrachtet relativiert sich der Eindruck natürlich, dass Höngg – wie es in früheren Zeiten ja für die ganze Welt heraufbeschworen wurde – von Chinesischen Staatsbürgern überschwemmt werde: lebten 1993 noch 26 Personen aus China in Höngg, waren es 2016 auch erst deren 150. Für «die Dütsche» gelten die Zahlen 491 (1993) und 2’013 (siehe Abbildung 3 und 4) und die Schweizer selbst bleiben in der Mehrheit, 1993 mit 16’404 Personen und 2016 mit deren 17’638. Aus allen anderen Nationen fielen die Veränderungen moderat aus. Nicht miteinberechnet ist die Zunahme an Schweizerinnen und Schweizern durch Einbürgerung, doch diese fällt kaum ins Gewicht: Für das Jahr 2014 liegen Zahlen vor, die besagen, dass sich in Höngg nur 119 Personen einbürgern liessen.

Jede zehnte Person zieht in die Stadt Zürich

Dass Zürich, und somit auch Höngg, für ausländische Zuwandernde besonders attraktiv ist, zeigt auch das «Factsheet Zuwanderung» des Präsidialdepartements, dem die Stadtentwicklung und auch die Integrationsförderung unterstellt ist: «Knapp jede fünfte ausländische Person, die aus dem Ausland in die Schweiz migriert, zieht in den Kanton Zürich – mehr als die Hälfte davon in die Stadt Zürich. Jede zehnte ausländische Person, die in die Schweiz einwandert, kommt damit in die Stadt Zürich», heisst es dort. In Zahlen für das Jahr 2016 ausgedrückt: Von den total 244’859 Personen (ständige und nichtständige Wohnbevölkerung), die in die Schweiz zogen, zogen 9,37 % in den Kanton Zürich und 10,01% in die Stadt. «Die Bedeutung der Stadt Zürich als Eintrittsportal ist seit Jahren ein Fakt – und damit auch die Bedeutung der Stadtzürcher Willkommenskultur in der schweizerischen Integrationslandschaft», konstatiert das Factsheet. Zu dieser «Willkommenskultur» gehört eine Vielzahl an integrationsfördernden Massnahmen.

Der Ausländerbeirat des Stadtrates

Eine davon ist der Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich (ABR), mit dem seit 2010 ein Gremium aus aktuell 23 Personen mit Migrationshintergrund, derzeit aus 17 Ländern, besteht, das den Stadtrat beraten soll. Der ABR nimmt für die ausländische Bevölkerung eine «Sprachrohrfunktion» wahr, damit diese ihre Bedürfnisse gegenüber Politik und Verwaltung formulieren kann. Der ABR kann gegenüber der Stadt Empfehlungen abgeben und direkt bei der Stadtpräsidentin – oder dem Stadtpräsidenten – Anträge einreichen sowie eigene Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Im Jahresbericht 2017, der bereits eine Bilanz der Legislatur 2015 bis 2018 zieht, ist zum Beispiel erwähnt, dass Zürich dank dem ABR der Städtekoalition gegen Rassismus beigetreten ist und dass Rassismus zumindest unterschwellig noch immer ein Thema sei. In diesem Zusammenhang stand auch die Polizei im Fokus, der vorgeworfen worden war, Personenkontrollen nach rassistischen Kriterien, einem «Racial Profiling», vorzunehmen. Der ABR lobt jedoch die Polizei dafür, unterdessen reagiert zu haben. Die Arbeitsgruppen des ABR engagieren sich ferner zu den Themen «Sans-Papiers», «Gesundheit und Alter», und vehement für ein Mitbestimmungs- beziehungsweise Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer auf Gemeindeebene.

Das ausgezeichnete Vorzeigeprojekt

Das Vorzeigeprojekt des ABR heisst jedoch «Gemeinsam ausbilden». 2009 als Projekt «Migration = Chance» lanciert und 2011 umbenannt, hat es zum Ziel, Ressourcen, die sich aus einem Migrationshintergrund ergeben, nutzbar zu machen und bisher nicht genutzte Arbeits- und Ausbildungsoptionen für Jugendliche bei Unternehmern zu schaffen, die selbst einen Migrationshintergrund mitbringen. So sollen vom Kurzpraktikum bis zu normalen Lehrstellen dort neue Angebote geschaffen werden, wo ein Migrationshintergrund auf besonders viel Verständnis stösst. Seit 2012 arbeitet man dafür mit der «Stiftung Berufslehr-Verbund Zürich» (bvz) zusammen. Diese tritt für die Lehrlinge in 22 Berufen (Stand Juni 2017) als verantwortlicher Lehrbetrieb auf, schickt seine 180 Lernenden für die praktische Ausbildung aber in einer der 150 Partnerbetriebe, für die er die ganze Administration übernimmt, die Verantwortlichen im Betrieb schult und sie und die Lernenden gleichermassen begleitet. 840 Lernende haben so bis Mitte 2017 erfolgreich eine Berufslehre abgeschlossen – der Arbeitsweg steht offen, wohl einer der besten Wege zur Integration. Das fand auch die Menschenrechtskommission des Europarates, welche das Projekt als «Good practice example» auszeichnete.

Der Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich wird per 1. September 2018 neu gewählt. Die Ausschreibung für die Amtsperiode 2018 bis 2022 läuft noch bis zum 31. März 2018. Als Mitglied bewerben können sich in der Stadt Zürich wohnende Ausländerinnen und Ausländer.
Weitere Informationen und Bewerbungsformulare unter: www.stadt-zuerich.ch/auslaenderbeirat
Telefon 044 412 37 73

Infobox zu Abb. 3
Weitere Nationalitäten 2016 in Höngg:
51 bis 100 Personen: Brasilien, Indien, Kosovo, Niederlande, Russland, Schweden, Serbien, Ungarn, USA.
21 bis 50 Personen: Belgien, Bosnien und Herzegowina, Dominikanische Republik, Eritrea, Finnland, Iran, Japan, Kolumbien, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, Rumänien, Slowakei, Slovenien, Sri Lanka, Thailand, Tschechische Republik.
11 bis 20 Personen: Afghanistan, Algerien, Australien, Chinesisch Taipei, Dänemark, Indonesien, Irland, Kamerun, Kanada, Marokko, Mexiko, Peru, Philippinen, Somalia, Südkorea, Tunesien, Ukraine.
1 bis 10 Personen: Ägypten, Albanien, Angola, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, Belarus, Chile, Costa Rica, Côte d’Ivoire, Ecuador, Estland, Gambia, Georgien, Ghana, Guatemala, Guinea, Haiti, Honduras, Irak, Island, Israel, Jamaika, Kambodscha, Kenia, Kirgisistan, Kongo (Brazzaville), Kongo (Kinshasa), Kuba, Lettland, Litauen, Malawi, Malaysia, Moldova, Montenegro, Mosambik, Myanmar, Nepal, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Ruanda, San Marino, Senegal, Seychellen, Simbabwe, Singapur, Staat unbekannt, staatenlos, Südafrika, Sudan, Syrien, Tansania, Togo, Turkmenistan, Uganda, Usbekistan, Venezuela, Vietnam, Zypern.

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