Höngg im Ölberg-Schwinget-Fieber

Schon aus mancher Bieridee wurde etwas mit Händen und Füssen. Die Rede ist nicht von Nachwuchs, sondern dass in diesem Fall vielleicht bald Füsse in Sägemehl stehen und Hände an Schwingerhosen greifen werden.

Immer in den geraden Jahren wird die Allmend Hönggerberg zum ersten richtigen Festplatz und Treffpunkt der Schwingergemeinde auf Stadtzürcher Heimatboden.

Die hier exklusiv öffentlich präsentierte Idee ist tatsächlich eine Bieridee, entstanden vor Jahresfrist an einer privaten Bartheke. Dort sass eine Gruppe Hönggerinnen und Höngger wie jede Woche zusammen, Rauch hing unter der Decke und aus den Nebenräumen wehte ein Duft der dort verarbeiteten Klebefolien und deren Klebstoffen. Letzteren schreibt man ja gewisse psychedelische Wirkungen zu, doch hier dürften sie keinen Einfluss gehabt haben und auch das Bier war noch nicht in Strömen geflossen, als jemand plötzlich sagte: «Warum machen wir eigentlich auf dem <Hönggi> kein Schwingfest?» Einen kurzen Moment stockte allen der Atem, dann fielen die üblichen faulen Sprüche, doch danach wurde tatsächlich darüber diskutiert, dass das doch mal wieder eine gute Idee sei.

Perfekt geeignet: Die Höngger Allmend

Tatsache ist, dass Schwingen, dieser urtümliche Schweizer Sport, in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen hat. Die alpenländlichen Sägemehlringe haben längst die urbanen Gebiete erobert. Das zeigt sich nicht nur an den Besucherzahlen der Eidgenössischen, sondern auch daran, dass sogar ein Beat Schlatter in einem Schwinger-Film mitspielt (siehe «Höngger» vom 29. November 2012).
Doch was tut sich im Kanton Zürich 2015? Da ist das Eschenberg-Schwinget, natürlich in Eschenberg, oder das 105. Zürcher Kantonalschwingfest in Wädenswil, das Pfannenstiel-Schwinget auf der Hochwacht ob Meilen, das Brueder-Schwinget in Bachenbülach und natürlich das 120. Nordostschweizer Schwingfest in Wald. In Zürich selbst aber findet nur das Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle – in der Halle! – statt und als Nächstes am 18. April, ohne Scherz, das Seebacher Buebe-Schwinget.
Höchste Zeit also, sagte man sich an der Bar, für ein echtes, grosses Schwingfest auf Höngger Boden. Über das Wo brauchte man sich keine weiteren Gedanken zu machen, denn die Höngger Allmend bietet sich geradezu an: Die Plätze des Sport- und des Turnvereins lassen sich nutzen und die daran angrenzenden Hänge eignen sich bestens für temporäre Tribünenbauten. Die restliche Allmend, in Richtung ETH, würde für Festzelte, Umkleideräume und Trainingsringe genutzt. Die Verkehrserschliessung lässt sich über die Parkhäuser und Busstationen der ETH abwickeln und auch die dortige Gastronomie, ausgerichtet auf 11 000 Studierende, ist der perfekte Festpartner. Nicht zu vergessen die Angebote des Restaurants Schützenstube und jene der SVH- und TVH-Vereinshäuser.

Der Siegermuni wird sich wohl fühlen

So nahm an jenem Abend die Idee immer mehr Gestalt an, doch als man sich auf den Heimweg machte, hatte noch niemand gewagt, die Verwirklichung ernsthaft zu prüfen.
Dies erfolgte einige Monate später, als sich zwei aus jener geselligen Runde zufällig am Zugerberg-Schwinget trafen. Erneut beeindruckt von der Stimmung, rückten sie sich die «Krummen» in die Mundwinkel und beschlossen, nun die Hände aus den Taschen zu nehmen. Unterdessen, so berichten sie dem «Höngger», habe man bereits mit der Stadt Zürich, der ETH und den anderen potentiell Involvierten Kontakt aufgenommen. Auch mit einem professionellen Organisator steht man bereits in Kontakt, denn von einem Anlass dieser Grösse sind die lokalen Organisationen überfordert. «Schliesslich», so einer der beiden Schwingbegeisterten, «geht es auch schnell mal um ein Budget in Millionenhöhe, das erfordert eine professionelle Organisation.» Und Zeit, darüber macht sich niemand Illusionen: Das erste Ölberg-Schwinget wird frühestens 2018 stattfinden, denn bis alle Bewilligungen vorliegen, Sponsoren gefunden und alle anderen Verträge abgeschlossen sind, ist noch viel zu tun. Danach aber, so die Planung, soll das Ölberg-Schwinget alle zwei Jahre – immer dann, wenn kein Wümmetfäscht stattfindet – zum festen Anlass in den Agenden der Schwingergemeinde werden.
Ein Problem dürfte die Terminwahl werden: Das Ölberg-Schwinget müsste sich nicht bloss irgendwo in den dichten Spielplan des SV Höngg hineinpassen, sondern auch noch in jenen des Eidgenössischen Schwingerverbandes (esv). Letzteres ist besonders wichtig, um auch bekannte Grössen der Szene und somit publikumswirksame Namen auf den Hönggerberg zu locken.
Sicher ist bis heute jedenfalls, dass sich der Siegermuni auf der Höngger Allmend wohlfühlen wird. So wohl wie jene Munis vor ihm, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf der «Muniwies» weideten und warteten, bis ihnen die Kühe der Dorfgemeinschaft zugeführt wurden: Zwecks Nachwuchsproduktion. Und diese war auch ohne Bier von einem Erfolg gesegnet, der auch dem Ölberg-Schwinget zu wünschen ist.

Weitere Informationen unter www.zksv.ch und www.esv.ch.

Dieser Artikel erschien am 1. April 2015. Alle darin gemachten Aussagen und festgehaltenen Zitate sind den genannten Personen angedichtet und sollten in der Realität nicht mit diesen in Verbindung gebracht werden. Die behandelten Themen sind reine Hirn- oder andere Gespinste der Redaktion der Quartierzeitung «Höngger» – vor einer realen Adaption wird in gewissen Fällen ausdrücklich nicht gewarnt.

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