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Frank Frei

Hochnotpeinlich

28. März 2018 von

Von

Online seit
28. März 2018

Printausgabe vom
29. März 2018
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Mutti sei Dank, ich war ein Migros-Kind, konvertierte aber später zu einem Coop-Erwachsenen. Ich glaube mich dunkel zu erinnern, dass daran der Umbau der örtlichen Filiale verantwortlich war, in der ich mich danach nicht mehr zurechtfand. Ich war halt schon immer ein Gewohnheitstier. Und so kam ich damals unverhofft in den Genuss, auch Bioprodukte im Supermarkt kaufen zu können. Ein Trend, den die Migros und ihre Kinder die ersten paar Jahre komplett verschlafen hatten. Und ich kam in den letzten Jahren ebenfalls in den Genuss, Ende Jahr im Coop ein Geschenkpaket abholen zu dürfen. Das bestand aus allerlei Leckereien. Ich hatte Coop zwar schwer im Verdacht, diese von den Herstellern gesponsert bekommen zu haben, doch auf den Mundgeruch des geschenkten Gauls war ich ja nun auch wieder nicht scharf. Doch Ende 2017 blieb das Geschenk aus. Da war ich wohl unter eine geforderte Mindestumsatzmenge gerutscht. Meine Buchhaltung widersprach dem ebenso wie die fehlenden Geschenkpackungstürme, die sonst jeweils den Eingangsbereich der Coop-Filiale im Dezember zusätzlich verstopften. Kürzlich kam dann doch noch ein netter Brief mit einem Gutschein: Das Geschenk könne ich, als geschätzter, treuer Kunde, nun im Coop abholen. Was ich neulich freudig tat. Was es wohl Leckeres geben würde?
Ich kann es Ihnen verraten, als Warnung für alle, die den Gutschein noch nicht eingelöst haben: Nichts! In der Packung ist nur Werbematerial für Fooby, dieses mir als Hobbykoch äusserts unsympathische Marketingvehikel von Coop. Eine leere Blechdose, ein Kochlöffel, ein Kochbuch und Menü-Karteikarten. Lieber Coop, wollt ihr mich, wie soll ich das nun sagen? Komplett verarschen? Also sowas von hochnotpeinlich ist mir als Kundengeschenk noch nie untergekommen. Selbst von meinem Hausklempner nicht. Der schenkt mir wenigstens Klobürsten. Doch es reiht sich nahtlos ein in all die anderen Aktionen, die ihr in euren Läden so unternehmt, um treue Kunden zu vergraulen. Zum Beispiel das bei euch beliebte «In-welches-Regal-stellen-wir-den-Artikel-denn-heute»-Spiel, oder die chronisch unterbesetzten Kassen kurz vor Mittag. Gaaaaanz prima. Zwischen den Regalen treibt es mich in den Wahnsinn und an der Kasse keimen Mordgelüste auf.
Aber zurück zum Fooby-Geschenk: Lieber Coop, wenn ihr eines eurer depperten «Geschenkpakete» wieder vor eurer Türe findet, ja, das ist von mir. Entsorgt euren Müll doch selbst. Es reicht: ich regrediere zum Migros-Kind.

Es grüsst enttäuscht, Frank Frei

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