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Historische Fahrt mit Halt in Höngg

24. August 2016 von

Foto: Mike Broom

Stadträtin Corine Mauch mit Zunftmeister Daniel Fontolliet beim Umtrunk.

Foto: Mike Broom

Ankunft des Weidlings vor dem Höngger Wehr.

Von

Online seit
24. August 2016

Printausgabe vom
25. August 2016
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Jogger und Hündeler fühlten sich für einmal wie Komparsen bei Dreharbeiten zu einem Historienfilm: Am 13. Juli legte ein Tross mit vier Holzbooten des Limmat-Club Zürich am Höngger Wehr an. In den Booten sassen mittelalterlich kostümierte Menschen. Mitten drin der fast komplette Stadtrat mit einer trotz nasskaltem Wetter strahlenden Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Der River-Movie mit Drehort Höngg heisst Hirsebreifahrt, mit Start in Zürich und Ziel im elsässischen Strassburg. Der Höngger Zunftmeister Daniel Fontolliet und ein paar seiner Getreuen hiessen die Reisenden in Höngg willkommen und reichten allen zur Stärkung ein Glas Zürcher Stadtwein vom Höngger Chillesteig. Die nur alle zehn Jahre stattfindende Hirsebreifahrt hat eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Am 13. Juli 1254 schlossen sich sechzig Städte zum Rheinischen Städtebund zusammen. Ihr Ziel war die Aufhebung der Rheinzölle und die Sicherung des Landfriedens. Zwischen den Städten Zürich und Strassburg waren die Bande besonders eng. Nebst wirtschaftlicher Zusammenarbeit sicherte man sich gegenseitig militärische Unterstützung zu. Die Hirsebreifahrt ist Ausdruck und Symbol dieser Städte-Freundschaft.

Die Zürcher bewiesen den Elsässern 1456 ihre Bündnistreue mit einer Wette: Sie behaupteten, einen Topf Hirsebrei mit einem Boot so schnell nach Strassburg bringen zu können, dass der Brei bei der Ankunft immer noch warm sei. Die Zürcher gewannen die Wette und erreichten ihr Ziel nach rund zwanzig stündiger Flussfahrt. Heute dauert die auf vier Tage verteilte Fahrzeit für die 250 Kilometer lange Vergnügungsreise wegen der vielen Schleusen und Wehre ein paar Stunden länger. Auch der von Sprüngli zubereitete Hirsebrei wird nicht mehr in Zürich, sondern erst in Kehl, nahe Strassburg, verladen. So ist sichergestellt, dass der Brei noch dampft, wenn ihn die Zürcher am Strassburger Fischmarkt unter die Bevölkerung verteilen.
Den Rheinischen Städtebund gibt es nicht mehr. Die Hirsebreifahrt hat sich als historisch-politisches Spektakel aber bis heute erhalten. Erst 2026 fährt man wieder durch Höngg nach Strassburg.

Eingesandt von Bruno Dohner, Zunftschreiber Zunft Höngg

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