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Heinz de Specht sang von Kriegsmunition und Wattestäbchen

27. Oktober 2015 von

Foto: Malini Gloor

Zum Schluss wurde dann noch so richtig auf Rockstars gemacht – mit aufblasbaren Gitarren.

Foto: Malini Gloor

Heinz de Specht singt von Alltäglichem so skurril, dass man einfach begeistert sein muss.

Foto: Malini Gloor

Roman Riklin zeigt Konzert-Sponsor Daniel Zimmermann, wie er die Melodica spielen muss.

Foto: Malini Gloor

Roman Riklin an seiner «Rack-Ulele», einer Mischung aus Racket und Ukulele.

Foto: Malini Gloor

Die Multiinstrumentalisten von Heinz de Specht in Aktion.

Foto: Malini Gloor

Zum Schluss wurde dann noch so richtig auf Rockstars gemacht – mit aufblasbaren Gitarren.

Von

Online seit
27. Oktober 2015

Printausgabe vom
29. Oktober 2015
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Der sechste Anlass von «Höngger Kultur» war das Konzert der Band Heinz de Specht – von der zwei Mitglieder in Höngg leben. Demnach standen echte Lokalgrössen, die schweizweit bekannt und beliebt sind, auf der Bühne. Die Band bot einen Abend voller Ohrengenüsse und gefühlten Tritten in die Magengegend.

Heinz de Specht darf auf eine grosse Fangemeinde – nicht nur in Höngg – zählen, und so füllten am letzten Freitag fast 300 Leute den grossen Saal des reformierten Kirchgemeindehauses. Das neue Programm «Party» zog ein altersmässig bunt gemischtes Publikum an, denn der skurrilen Poesie der drei «Spechte» kann man sich kaum entziehen.

Mitgesungen, geklatscht und gestampft

Es stimmte, was «Höngger»-Verlagsleiter Fredy Haffner zur Begrüssung sagte: «Als Publikum kann Ihnen hier drinnen so ziemlich alles passieren.» So klatschte, sang und stampfte das Publikum nicht nur frenetisch mit, sondern wusste am Ende auch, wieviele Männer mit Namen «Dani» es im Publikum hatte und dass das Kinderlied «Alli mini Äntli» eigentlich «Alli mini Alimäntli» heisst und davon handelt, dass man sich lieber vorsieht, an wen man sich bindet – da je nachdem eben alle Alimente fröhlich im See schwimmen und «es paar Köpfli über Wasser halted».
Daniela und Daniel Zimmermann vom Creativa Bettencenter in Affoltern ermöglichten den Konzertabend, indem sie sich als Sponsoren engagierten. Auch die von ihnen eingeladenen Kundinnen und Kunden genossen den Abend, nicht zuletzt, weil Daniel Zimmermann von den «Spechten» gleich als Mitmusiker engagiert wurde: «Spielst du ein Instrument?» «Nein, bis jetzt nicht.» Also wurde ihm eine Melodica in die Hand gedrückt, bei der er eine einzige Taste drücken sollte: «Ganz wichtig: Egal was passiert, du spielst einfach weiter», so Musiker Roman Riklin. Brav presste Daniel Zimmermann also während des ganzen Stückes seinen Daumen auf die alles bedeutende Taste und untermalte das Lied so mit einem durchdringenden Ton – und erhielt dafür von Band und Publikum herzlichen Applaus.

Begabte Multi-Instrumentalisten und Vollblut-Musiker

Die drei Multi-Instrumentalisten, welche nebst Gitarre und Cello, Ukulele, Mandoline, Lapsteel-Gitarre, E-Bass, Rhodes-Piano, Melodica, Glockenspiel, Handorgel, Mundharmonika, Bassdrum, Hi-Hat, Organetta und zu guter Letzt Spieldose und Kinder-Tröte sowie Rack-Ulele, eine Ukulele aus einem Racket-Schläger, spielten, sind brillante Musiker. So spielte etwa Dani Schaub Gitarre, sang und bediente gleichzeitig mit dem Fuss das Pedal für den Schläger der Bassdrum.
Nicht nur durch ihr musikalisches Können begeisterten die drei Männer, sondern auch durch ihren Ideenschwall, der in den absurdesten und doch so realistischen Stücken verarbeitet wird: «S’Bankgheimnis ide Schwiiz – spurlos verschwunde, die Frau won ich ghüratet han – spurlos verschwunde, Haar ide Bikinizone – spurlos verschwunde, de Rägewald uf Borneo – spurlos verschwunde – aber mir sind no da, mir sind no da, hipp hipp hurraaa», so der Refrain eines Stückes, bei dem einem Ironie, Tiefgründigkeit und Oberflächlichkeit in einer specht-eigenen Mischung entgegentraten.
Während man beim Stück «Spring nöd!» dachte, wie lieb und schön es sei, dass sich hier einer um einen Selbstmordkandidaten kümmere, wurde man im Endeffekt böse überrascht: Der Song galt nur der Sorge um den neuen Audi, der direkt unter dem Fenster parkiert war, und der beim Sprung sicher Schaden davon getragen hätte.

Zwischen Delphin und Schleppnetz ist etwas falsch gelaufen

Gegensätzliches zu vereinen ist das Konzept von Heinz de Specht – wie etwa im Stück «Immer Summer», in dem Musiker Christian Weiss auch dann noch am «sünnele» ist, wenn es ihm «auf die Glatze hagelt», wie er selbstironisch singt.
Während man bei vielen Stücken herzhaft lachen konnte, so blieb einem bei einigen dasselbe im Hals stecken, weil der Text einfach so wahr ist, dass es weh tut. Nach mehreren Zugaben – das Publikum wollte die drei Musiker kaum in den Feierabend entlassen – wurde bei einem Gläschen an der Bar im Foyer über das «geniale Konzert» diskutiert und befunden, dass aus Höngg schon viel Gutes komme.

Konzerte von Heinz de Specht
27. Januar bis 7. Februar 2016, Mittwoch bis Samstag jeweils um 20 Uhr, Sonntag um 18 Uhr. Theater am Hechtplatz, Hechtplatz 7, 8001 Zürich.
Alle anderen daten unter www.heinzdespecht.ch

 

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