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Unterwegs mit Höwi: Hasta la vista, Baby!

17. Mai 2016 von

Foto: Desperado

Fajita, Slow Food auf mexikanisch: Röllele, röllele, röllele.

Foto: Höwi

Andy de Jong, Geschäftsführer im «Desperado» Höngg.

Von

Online seit
17. Mai 2016

Printausgabe vom
19. Mai 2016
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Ja, ja, ich weiss, Höwis Kolumne Nummer zwei hätte schon vor einer Woche erscheinen sollen. Aber die Hierarchien in den Restaurants sind bisweilen so faltenreich wie die Schweizer Alpen. Und dann kam der Böögg, die Auffahrt, der Muttertag, die Pfingsten und überhaupt dazwischen. Aber jetzt: Desesperado? Nein: Desperado!

Ich esse NIE Hamburger! Schon gar nicht in dieser Fastfood-Kette, wo sie diese dünnen Rindfleischhackbrettchen in diese extrem pampigen Brötchen klemmen. Hab vor Jahren den Produzenten dieser Sesambrötchen kennengelernt, der mir verriet, dass er dafür einen Rappen pro Stück kriege. Doch viele Mistkörnchen geben irgendwann auch einen Haufen. Er kurvt jedenfalls in einem Tesla rum.
Sind Gastrokritiker lernfähig? Um dies zu testen, bestellt Höwi im «Desperado» – nicht zu verwechseln mit desesperado (= spanisch «verzweifelt») – dann doch einen Hamburger, und zwar die «Barbecue»-Version. Das Fleisch war saftig und gefühlte drei Mal so dick wie das der vermäckten Donaldianer. Das Brötchen? Knusprig, aus Maismehl gebacken mit roten Chili-Körnern. Die Sauce? So substanzvoll wie Nietzsches Zarathustra und gut gewürzt. Muchas gracias! Denn das Übel der hiesigen Gastronomie ist, dass sie den Gästen kein Capsaicin zumuten. Das Desperado schon. Das beweist die Flasche mit dem Chilisaft der Sorte «Habanero», die für die Junkies noch auf dem Tisch steht. Mein Tipp: Man nehme genug davon! Ein Forscherteam hat herausgefunden, dass scharfer Chili die Fettzellen in den Selbstmord treibt.
Fazit nach Jahrmillionen Hamburger-Widerstand: So gerne wieder! Und mit der gleichen Bedienung, die in regelmässigen Abständen fragt, ob alles in Ordnung sei, und beim zweiten Mojito – auf Höwis Wunsch – das Glas nicht mehr so randvoll mit Eis gefüllt hat.

Schlimme Finger

Im «Desperado» wird man mit «Hola» begrüsst und danach konsequent geduzt. Dies gehöre zum Stil des Hauses, erklärt Geschäftsführer Andy de Jong, den Höwi eine Woche nach erfolgreich gebrochenem Hamburger-Widerstand zur Fragestunde trifft. Drei Herren, so erzählt der Zwei-Meter-Mann, haben im Jahr 2000 das erste «Desperado» in Wiedikon eröffnet, das zweite kam 2002 in die «Mülihalde» in Höngg, heute sind es acht in der Schweiz. Egal in welchem man einen «Burrito» oder eine «Fajita» bestellt, die Gerichte kommen genau gleich auf den Tisch. Systemgastronomie nennt sich das. Und die will das «Desperado» offenbar vor allem dem jüngeren Publikum schmackhaft machen. So liest man beim Menü betitelt mit «Schlimme Finger»: «Die verrückten Party-Hühner bretzeln sich für die Disco auf, parfümieren sich mit scharfem Chili und ziehen sich ihr knusprigstes Kleid an. Und dann wird die Party erst richtig heiss, denn jetzt gesellen sich noch ein paar tolle Knollen dazu und knackiges Gemüse tanzt um sie herum.»

Röllele, röllele, röllele

Bestseller des Hauses sind die Fajitas, die – nachzulesen auf Wikipedia – vor Urzeiten von den Cowboys am Rio Grande erfunden wurden. Sie bestehen aus Weizen-Tortillas und einem in einer Gusspfanne servierten Gemüsemix. Dazu kommen drei Saucen und ein Zutaten-Baukasten aus Fleisch, Poulet und Crevetten. Und dann heisst es, die Fladen belegen und röllele! Da man selber Hand anlegen muss, verlangsamt sich das Esstempo. Sitzen noch Freunde am Tisch, kann das «Geröll» sehr schnell sehr gemütlich werden. Slow Food. Interaktiv. Und das kommt an: Am Freitag- oder Samstagabend ist die «Mülihalde» oft bis auf den letzten Platz besetzt. Da Geburtstagskinder den Hauptgang gratis bekommen, wird garantiert immer jemand mit einer lautstarken Musikeinlage hochgejubelt. Neun Leute stehen an den Wochenenden im Service, zwei hinter der Bar, wo auch 50 Tequila-Marken auf die Kenner warten. Dazu hat Andy einen ellenlangen Exkurs im Ärmel, den wir aus Platzgründen nur reduziert wiedergeben: «Oft schütten die Leute Tequila wie Wasser hinter die Binde, dabei ist dieser Agaven-Brand wie ein Cognac oder Single Malt: Man sollte ihn geniessen.»
Höwis Fazit: Die namentlich nirgends genannten «Desperado»-Erfinder hatten einen guten Riecher. Das «Don Weber» hatte den Tex-Mex-Trend zwar bereits 1989 erkannt. Das «Tres Kilos» hängte sogar noch ein paar Jahre früher Sombreros an die Wand. Aber Höngg gehört mit zu den Pionieren.

Kritik?

Muss sein, Höwi macht keine Publireportagen! Vamos: Dieser Herz-Schmerz-Batchata-Merengue-Mix weckert. Wie wär’s zur Abwechslung mit Latin-Jazz? Und dann die Fotografien auf der Dessertkarte! Am schlimmsten ist diese braune Masse namens «Crepa con cajeta». Annähernd gelungen das Bild der «Churros» (Spritzgebäck mit Zucker und Zimt), die übrigens extrem lecker sind. Und warum gibt’s Rauchverbot auf der Terrassentreppe? Hola, Lukas und Andy? Hoffe, ihr trinkt euch wegen dieser Moskitostichelchen nicht Tequila-mässig ins Elend, denn der Höwi kommt wieder! Ist sein Standardspruch, aber wahr…

Desperado
Limmattalstrasse 215, 8049 Zürich-Höngg
044 341 70 40
www.desperado.chÖffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 11 bis 14 Uhr und 17 bis 24 Uhr
Freitag 11 bis 02 Uhr
Samstag 16 bis 02 Uhr
Sonntag 17 bis 24 Uhr

Zum Autor
*Er nennt sich Höwi, ist ein stadtbekannter Gastrokritiker und Buchautor und hat sich vorgenommen, den kochlöffelschwingenden Profis im Kreis 10 in die Töpfe zu schauen. Das Ergebnis wird monatlich im «Höngger» beziehungsweise alle drei Monate in der Wipkinger Zeitung präsentiert. Viel Spass – oder besser: «Guten Appetit»!

Kommentare

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500
22. Mai 2016 um 16:35 Uhr von Maarten

Genau so ist meine Erfahrung, tip-top und erlebnissvoll !