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Dossier Höngg - Quo vadis?

Harte Zeiten zwingen Fawer Radio TV zur Schliessung

24. Mai 2012 von

Foto: Malini Gloor

Hans Fawer mit Relikten aus alten Zeiten: Eine Musiktruhe samt Plattenspieler sowie das Natel C waren technische Errungenschaften, die er an vorderster Front miterlebt hat.

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24. Mai 2012

Printausgabe vom
24. Mai 2012
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Und wieder schliesst ein alteingesessenes Geschäft seine Tore: Fawer Radio TV hat noch bis Ende Mai geöffnet, dann wird das Ladenlokal im Hönggermarkt leer sein.

Betritt man das Geschäft, so fällt auf, dass nur noch wenige Geräte zum Kauf bereitstehen. «Wir verkaufen alles, was noch hier ist, mit fünfzig Prozent Rabatt. Dies lockt die Kunden, noch einen letzten Einkauf bei uns zu machen», so Beat Sidler, der Fawer Radio TV vor vier Jahren gekauft hat. Hans Fawer, der ehemalige Inhaber, arbeitete weiterhin in «seinem» Geschäft, wenn auch nur einzelne Tage, da er mit seinen siebzig Jahren eigentlich schon pensioniert ist. «Aber ich mag den Kundenkontakt, zudem ‹schrüüble› ich gerne an Apparaten herum», so der sympathische Radio-Fachmann mit fünfzigjähriger Erfahrung.

Von Wiedikon über Wipkingen nach Höngg

1963 führte er zusammen mit einem Kollegen sein erstes Radio- und Fernsehgeschäft in Wiedikon. Dann zügelte er nach Wipkingen, wo er fünf Jahre lang an der Hönggerstrasse das Quartier mit den «neuen technischen Errungenschaften» versorgte. Die Zeiten damals waren spannend: Die ersten Radios und Schwarzweiss-Fernseher sowie vereinzelt Plattenspieler kamen auf den Markt. Wer etwas auf sich hielt, hatte ein Radio daheim, einen Plattenspieler konnte sich noch nicht jeder Haushalt leisten. 1973 eröffnete Hans Fawer sein Geschäft in Höngg, und zwar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Konsums an der Limmattalstrasse 204. Bis 1989, als das Hönggermarkt-Zentrum gebaut wurde, beriet er dort seine Kundschaft – mit einem kleinen Abstecher an den Meierhofplatz in einem Provisorium. Er konnte auf viele Stammkunden zählen, denn wenn man ein Problem mit dem Fernseher oder dem Plattenspieler hatte, so war es ganz klar, dass man «zum Fawer» ging – und zwar die ganze Familie, vom Teen ager bis zum Vater. Als Walkman und CD-Player aufkamen, begann eine neue Ära. Sass man in den Sechzigerjahren daheim vor der sogenannten «Musiktruhe», einem Möbelstück, in welchem das Radio und der Fernseher ihren festen Platz hatten, so konnte man später dem Musikgenuss auch unterwegs fröhnen.

Service wurde viel genutzt

«Ich bildete in all den Jahrzehnten sicher um die 35 Lehrlinge aus», erinnert sich Hans Fawer. Er hat das Gefühl, dass die Fernseher früher öfters kaputtgingen als heute: «Reparaturen machten einen grossen Teil des Geschäftes aus, zeitweise reparierten wir zwanzig Fernseher an einem Tag.» Ein Boom waren zudem Autoradios: «Einst fuhren wir zu dritt nach Genf, um Dutzende Autoradios einzubauen. Nachts um 22 Uhr kamen wir dann wieder in Zürich an», so Hans Fawer. 2008 verkaufte er sein Geschäft dann an Beat Sidler, welcher zusammen mit Urs Hirsbrunner bereits mehrere Quartiergeschäfte in Zürich im Radio-TV-Bereich übernommen hatte. «Der Grund dafür war, dass wir die Geschäfte weiterhin an ihrem angestammten Platz lassen wollten, und so den Kunden die Möglichkeit gaben, weiterhin zu ‹ihrem› Fachgeschäft gehen zu können», so Beat Sidler. Die Rechnung ging jedoch nicht überall auf, so auch in Höngg: «Heutzutage kaufen viele Leute beim Discounter oder im Internet ein. Darunter leidet das lokale Gewerbe empfindlich.» Er rechnet vor, dass ein Einkauf bei Fawer Radio TV höchstens fünf bis zehn Prozent teurer ist. «Dafür hat der Kunde aber die Möglichkeit, jederzeit vorbeizukommen, um Probleme mit dem Gerät direkt im Geschäft lösen zu lassen. Zudem sind Ersatzgeräte im Fachhandel eine Selbstverständlichkeit – bei grossen Ketten kann man davon meist nur träumen.» RTV Hirsbrunner wird in Zukunft alle Dienstleistungen für Höngger Kunden ausführen, so Beat Sidler. Hans Fawer wird seine Freizeit sportlich nutzen: «Anstatt zu ‹schrüüblen› gehe ich jetzt mehr walken», verrät er.

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