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Dorfleben

«Freude herrscht»

17. Mai 2017 von

Foto: Patricia Senn

Architekt Marcel Knörr und Vorstandspräsident Peter Aisslinger überreichen dem Institutionsleiter Ueli Zolliker den Schlüssel zum neuen Haus 414.

Foto: Gabi Grond

Gelebte Inklusion im Wohnzentrum Frankental.

Foto: Patricia Senn

Peter Aisslinger (links) und Marcel Knörr sind sichtlich zufrieden.

Foto: Gabi Grond

Ein Jubeltag im Wohnzentrum Frankental

Foto: Patricia Senn

Performance von drei Mitarbeiterinnen zum Thema Inklusion

Foto: Knörr Architekten

Der Deckenlift verbindet zwei Zimmern mit einer Nasszelle.

Foto: Knörr Architekten

3 grosszügige Terrassen umgeben das Attikageschoss

Foto: Knörr Architekten

Jedes Stockwerk hat sein eigenes Farbkonzept.

Von

Online seit
17. Mai 2017

Printausgabe vom
18. Mai 2017
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Am vergangenen Samstag wurden die neuen Räumlichkeiten im Wohnzentrum Frankental nach einem Jahr des Um- und Erweiterungsbaus mit einem grossen Fest eingeweiht. Am Vortag fand die offizielle Schlüsselübergabe statt.

«Heute ist ein Jubeltag», mit diesen Worten begrüsste der Vorstandspräsident Peter Aisslinger, erkennbar an seiner eleganten Fliege, die zahlreich erschienenen Gäste. Neben Gemeinderätinnen und Gemeinderäten und Planern, Gönnerinnen und Gönnern war auch der Vorstand «in corpore» anwesend, was den Präsidenten besonders freute. Auch Friedrich Hoyer, der Ehrenpräsident des Vereins Wohnzentrum Frankental war zu Gast. 2012 hatte eine Delegation des Vereinsvorstandes nach Möglichkeiten für einen Ausbau des Hauses an der Limmattalstrasse 414 gesucht. Bei Stadtrat Martin Vollenwyder stiessen sie auf offene Türen, damit war der Grundstein für das Projekt gelegt. 13 Monate haben die Bauarbeiten gedauert, und die 13 erwies sich als Glückszahl: Kein einziger Unfall ist zu vermelden, die budgetierten Kosten konnten eingehalten, und auch die 133 Auflagen konnten allesamt erfüllt werden. Umbau und Erweiterung seien bei laufendem Betrieb durchgeführt worden, eine wahre Meisterleistung, lobte Aisslinger. Auch Marcel Knörr vom Höngger Büro Knörr Architekten, der für die Planungs- und Ausführungsarbeiten verantwortlich war, bedankte sich bei allen beteiligten Personen, allen voran den Handwerkern und dem Team unter Institutionsleiter Ueli Zolliker. Auch den unermüdlichen Einsatz seiner engsten Mitarbeiter, dem Projektleiter Peter Kraft, Bauleiter Martin Puppel und Chefzeichner Andreas Wagner liess Knörr nicht unerwähnt. Schliesslich überreichte er Peter Aisslinger den grossen Schlüssel, den Bewohnende zusammen mit einem Mitarbeiter des Bereichs Beschäftigung und Aktivierung des Wohnzentrums eigens für diesen Anlass angefertigt hatten. Dieser gab ihn an Ueli Zolliker weiter, der poetische Worte dafür fand, was man mit Schlüsseln alles anstellen kann: «Man kann sich einschliessen, ausschliessen und vor allem kann man etwas abschliessen – in unserem Fall das Bauprojekt», meinte der sichtlich gerührte Institutionsleiter. Erst am Vortag sei die gute Nachricht eingetroffen, dass das Haus 414 dank der Renovation nun offiziell als Pflegeheim anerkannt sei. Besonderer Dank gebühre auch dem Pflegezentrum Bombach, mit Blick auf den anwesenden Betriebsleiter Urs Leu. In der Bauphase habe man immer wieder auf die Beschäftigungs- und Sitzungsräume des Nachbarn ausweichen dürfen. «Wir hoffen, diese schöne Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter pflegen zu dürfen». Damit entliess er die Gäste zum reichhaltigen «Bauherrenzmorgen».

Eine Heimat für Menschen mit Beeinträchtigungen

Auf den anschliessenden Rundgängen durfte man sich die Früchte des gemeinsamen Kraftaktes genauer ansehen. Vier Wohngruppen für insgesamt 22 Bewohnende verteilen sich auf die vier Stockwerke, jedes hat sein eigenes Farbkonzept, während das Gebäude äusserlich in derselben Farbe wie das Haus 410 gehalten wurde, damit das ganze Wohnzentrum «wie aus einem Guss» erscheint. In nur zwei Tagen ist auf dem ehemaligen Flachdach das neue Attikageschoss – eine Leichtkonstruktion aus Holz – entstanden, erzählt Architekt Knörr. Im lichtdurchfluteten Stockwerk finden vier Zimmer – jeweils zwei teilen sich eine Nasszelle – eine Wohnküche und ein Aktivierungsraum Platz. Ein besonderes Highlight sind die drei grossen Terrassen mit traumhafter Aussicht, einmal gegen die Alpen und einmal ins Grüne der umliegenden Baumgruppen. Eindrücklich ist der Deckenlift, der über eine Schiene vom Zimmer in die Nasszellen geführt wird und es den Betreuungs- und Pflegefachpersonen erlaubt, rückenschonend zu arbeiten. Iris Huber, Pflegefachfrau HF, absolviert gerade ihre Praxisausbildung im Wohnzentrum und hat die Projektskizze für die Attika-Wohngruppe ausgearbeitet. Kompetent informiert sie über die verschiedenen Funktionen und Eigenarten der verschiedenen Stockwerke und Wohngruppen. Ziel sei es, Bewohnerinnen und Bewohnern, die aufgrund ihrer besonderen und sich verändernden Bedürfnisse nicht in der Lage sind, sich in den üblichen Ablauf der bereits bestehenden Wohngruppen zu integrieren, in der Attika eine ruhige Umgebung zu bieten. «Wir orientieren uns am Normalisierungsprinzip», erklärt Ueli Zolliker, «und bieten Angebote an, die den individuellen Bedürfnissen und den persönlichen Interessen Rechnung tragen». Es werden Ausflüge und Gruppenferien organisiert, interessierte Bewohnerinnen und Bewohner können unter anderem die vom Insieme-Treff organisierten Tanzanlässe besuchen. Daneben finden Kinoabende statt, regelmässig richten die verschiedenen Gruppen einen Brunch für das ganze Haus aus, es gibt eine Kulturgruppe, die grössere Anlässe wie die Fasnacht oder Weihnachtsfeiern organisiert. Im April erschien sogar die erste Ausgabe des «Frankentaler Blatts», eine Zeitung für und von den Bewohnenden des Wohnzentrums. Auch die Lage inmitten des Frankentals entspricht dem Inklusionsgedanken: «Mit dieser Aussicht auf die Stadt und die Berge einerseits und der Nähe zur Gewobag und anderen Frankentaler Siedlungen andererseits befinden wir uns mitten in der Gesellschaft, so soll es sein», schwärmt der engagierte Institutionsleiter.

Musik und Tanz

Bevor sich das Team des Wohnzentrums Frankental sich von den Gästen verabschiedet, um die Vorkehrungen für den nächsten Tag und den Tag der offenen Tür zu treffen, führen drei Mitarbeiterinnen der Sozialen Arbeit eine Performance zum Thema Inklusion auf. In Ganzkörperanzügen bewegen sich die drei Figuren zum Takt der Musik, tanzen mal alleine, mal zusammen, die Bewegungen durch die sackartigen Hüllen eingeschränkt und dennoch irgendwie anmutig. Zum Schluss präsentiert der «Jazz Circle», der die Anwesenden bereits mit ein paar Stücken unterhalten hatte, ihren eigens für diesen Anlass komponierten Song «That’s my Home». Und ein Zuhause wird auch das neue Haus 414 des Wohnzentrums sein.

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