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«Frauenverein? Ich? Bestimmt nicht!»

26. Mai 2015 von

Foto: Fredy Haffner

(v.l.n.r.) Der Vorstand des Frauenvereins nach der Wahl: Vreni Noli (zurückgetretenes Vorstandsmitglied), Domenica Frehner (Vorstand, Mittagstisch), die zurückgetretene Präsidentin Tosca Lattmann, die neue Präsidentin Maja Graf, Marie-Louise Schmid (Vorstand, Aktuarin), Brigitte Jägerhofer (zurückgetretenes Vorstandsmitglied).

Foto: Fredy Haffner

Die Bebop-Cadillacs boten vor dem Apéro eine beschwingte Show.

Von

Online seit
26. Mai 2015

Printausgabe vom
28. Mai 2015
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Der Schreibende erlaubt sich zur Einleitung ausnahmsweise einen persönlichen Absatz, denn als einer von drei Männern unter 39 Frauen an der Generalversammlung des Frauenvereins Höngg (FVH) zu weilen, ist ja auch etwas Besonderes. Das Schicksal aber wollte es, dass er tags zuvor anlässlich eines Kindergeburtstages als einer von zwei Quotenmännern an der Nachmittagsvorstellung des Filmes «Ostwind 2» im Kino quasi Generalprobe hatte. Im Saal sonst: 39 Mädchen und deren weiblichen Begleitpersonen. Der Film handelt von der Liebe zu Pferden (Mädchenreaktion: «Jöööö-bibberbibber-uff!), einer Teenagerliebe (Mädchenreaktion zur Kussszene: «wähhh») und von Traditionen und Werten, die sich in einer neuen Zeit behaupten müssen. Und darum ging es im Kern vergangenen Donnerstagabend im Saal des Reformierten Kirchgemeindehauses auch, als der Frauenverein zurück und in die Zukunft blickte. Das wurde bereits nach der Begrüssung durch die zurücktretende Präsidentin, Tosca Lattmann, und den allgemeinen Vereinsgeschäften klar, als in den Kurzberichten der Ressorts Mittagstisch, Babysitterdienst und Veranstaltungen deren aktueller Bedarf kritisch hinterfragt wurde.

Grosse Wechsel im Vorstand

Doch bevor man nach Antworten suchte, ging es um die Wechsel im Vorstand. Tosca Lattmann würdigte den grossen Einsatz der zurücktretenden Vreni Noli, die unter anderem seit 23 Jahren die Veranstaltungen des FVH organisierte, und merkte schmunzelnd an, dass Vreni Noli fünf Präsidentinnen, diverse Vorstandsfrauen und mehrere Teambildungsprozesse «überlebt» hätte,  wie Vreni Noli lachend bestätigte. Der Applaus für diese Zeit war nicht nur gross, sondern auch anhaltend – ob sich Vreni Noli allerdings im geschenkten Butterflystuhl auch wirklich ausruhen wird, daran zweifelten die Frauen allgemein. Ebenfalls mit Applaus verabschiedet wurden Brigitte Jägerhofer, die ein Jahr die Finanzen besorgt hatte, und die abwesende Revisorin Heidi Guhl.
Die letzte auf der Liste der Zurücktretenden war dann Präsidentin Tosca Lattmann selbst. Sie bedankte sich für all die Erfahrungen, welche sie seit 2009, als sie das Ressort Babysitterdienst übernahm, und 2012, als sie Präsidentin wurde, sammeln durfte. Auch die persönlichen Kontakte und Begegnungen wusste sie zu loben, doch nun wolle sie sich wieder verstärkt ihrem Beruf widmen. Vreni Noli blickte würdigend auf Tosca Lattmanns Amtszeit zurück und erzählte dabei offen auch über die Schwierigkeiten und Enttäuschungen, denen sich die Präsidentin zu stellen hatte – bis hin zu jenem Moment, als sie sich letztes Jahr, als diverse Vorständinnen ihren Rücktritt ankündigten, direkt zu fragen getraute, ob es den Verein überhaupt noch brauche? Doch, wie Noli sagte und was mit Gelächter quittiert wurde, wollte «ein Fähnlein der sieben Aufrechten» nicht aufgeben und so fand dann eben Marie-Louise Schmid eine neue «Frontfrau» für den FVH, Maja Graf.

Mit frischer Kraft innovativ voraus

Vor der Wahl stellte sich die designierte Präsidentin, von der man bislang nur Lebenslauf und Portraitfoto kannte, gleich selbst vor. Das Bild, das die Anwesenden dabei von ihr gewannen, war das einer initiativen, motivierten Frau mit Durchhaltewillen. Seit 25 Jahren wohnt die bald 63-Jährige in Höngg, doch sie «kenne niemanden», sagte sie, und wies sich die «Schuld» dafür gleich selbst zu: An der Bäulistrasse wohnend und immer voll berufstätig sei sie eben mehr Richtung Stadt denn hoch zum «Dorf» orientiert gewesen. Offen redete sie auch darüber, was ihr durch den Kopf gegangen sei, als sie von ihrer Nachbarin und Vorständin Marie-Louise Schmid angefragt wurde, sich als Präsidentin zur Wahl zu stellen: «Frauenverein? Ich? Bestimmt nicht!» − doch bald habe sie festgestellt, dass sie als studierte Germanistin und Historikerin in ihrem Beruf in den letzten Jahren viele Projekte zu den Themen Nachbarschaft, Freiwilligenarbeit und Frauenförderung betreut habe. Früher in verschiedenen leitenden Funktionen bei der Migros, in den letzten 20 Jahren als selbständige Bildungsfachfrau. Seit 2010 ist sie auch Bildungsverantwortliche von Vitamin B, einer Fachstelle, die Vereine mit Informationen, Beratung und Weiterbildungen unterstützt. Als sich die Historikerin in ihr dann auch noch auf die gesellschaftliche Vorreiterrolle der Frauenvereine besann, war ihr Entscheid gefallen: Ja, wenn man bedenke, dass die Frauenvereine viele Dinge wie zum Beispiel alkoholfreie Restaurants, Bildungsmöglichkeiten für Frauen, Kinderkrippen oder Mittagstische realisierten, lange bevor solche Themen auf den politischen Agenden landeten, und dass es nun darum gehe, dass der Frauenverein Höngg neue Themen aufgreife und vorantreibe, dann wolle sie prägend dabei sein und sich der Wahl stellen. 
Es war für alle Anwesenden ein Leichtes, sich von dieser Motivation begeistern zu lassen und so erfolgte die Wahl einstimmig und mit viel Vorschussapplaus.
Doch den Worten folgten sogleich Taten: Zu den Fragen «Was macht es aus, dass ich gerne in Höngg wohne/lebe?» und «Was kann der Beitrag des FVH zu einem guten Zusammenleben hier sein?» setzten sich die Anwesenden in kleinen Gruppen zusammen und trugen danach die Ergebnisse ins Plenum. Diese sollen die Basis für eine für ganz Höngg offene Abendveranstaltung im kommenden September zum Thema «Aufbruch − Information, Brainstorming, Vernetzung» sein.
Um zum Schluss und damit metaphorisch zurück an den Anfang dieses Berichtes, also ins Kino zu gelangen: Unter diesen Vorzeichen ist dem Frauenverein eine Fortsetzung zu wünschen, die hoffentlich von der Innovationskraft handelt, welche es braucht, um Traditionen und Werte mit neuen Angeboten in eine neue Zeit zu transformieren.

Vergabungen:
Da der Frauenverein Höngg nicht gewinnorientiert ist, spendet er regelmässig für wohltätige Zwecke. Letztes Jahr gingen 2000 Franken an die Stiftung Juntos, welche in Ecuador die Fundación Aliñambi unterstützt. Diese betreibt dort ein Kinderheim, das Geld ist für die Renovation des Speisesaals vorgesehen. Weitere Informationen unter www.juntos.ch und unter www.frauenverein-hoengg.ch

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