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Frank Frei

Fehl- und ausgelagert

11. April 2018 von

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Online seit
11. April 2018

Printausgabe vom
12. April 2018
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Nach meinem letzten Beitrag wurde ich gefragt, was ich denn daran auszusetzen habe, wenn Coop die Artikel jeweils in andere Regale sortiert, und ob ich nicht Verständnis habe, dass auch das Kassenpersonal eben am Mittag Mittag machen wolle?

Also zur ersten Frage: Ich sagte doch, ich sei ein Gewohnheitstier. Ein effizientes obendrein. Ich weiss, was wo in den Regalen steht und so ist schon mein Einkaufszettel so verfasst, dass ich nur so durch die Regalreihen flitzen kann. Also flitzen könnte, wenn man bei Coop nicht mal eben wieder beschlossen hätte, die Artikel ganz neu zu verteilen. Wenn man da nicht aufpasst, hat man plötzlich anstatt Zucker Waschpulver im Einkaufswagen und später in der Konfitüre. Natürlich meint es Coop nur gut: Wie denn sonst soll man Kunden dazu bringen, gewohnte Pfade zu verlassen und auch mal neue Artikel zu entdecken? Das nennt sich Marketingstrategie, erzeugt «Spontankäufe» und bringt ergo Knete.
Und das Kassenpersonal? Fragen Sie dort mal jemanden nach den Arbeitszeiten. Es wird in Schichten gearbeitet, da müsste es doch möglich sein, dass nicht alle gleichzeitig um den Mittag herum die Kassen dichtmachen? Oder ist das tägliche Teamessen vielleicht Pflicht? Sind die Kunden, die eiligst noch etwas einkaufen wollen, Störfaktoren? Ja, da wünsche selbst ich mir jeweils Selfscanning-Kassen. Obwohl ich diese Dinger abgrundtief hasse. Weil sie mir als Konsument Arbeit aufbürden, ohne dass ein einziger Artikel im Laden dadurch günstiger würde. Noch kann man wählen, doch bald wird das vorbei sein. Ein Trend, den sich die Grossverteiler wohl bei den Banken abgeschaut haben. Die erziehen – oder soll ich «nötigen» sagen? – die Kunden ja längst zum «E-Banking» und lassen sie allerlei Geschäfte selbst tätigen. Unter dem Werbeslogan «Erledigen Sie ihre Bankgeschäfte unabhängig von unseren Öffnungszeiten, selbst dort, wo wir gar keine Filiale mehr haben. (Wir sparen uns die Kosten)».
Klar, Arbeiten an Kunden auszulagern ist günstig. Und man kann ihnen ja soooo leicht weismachen, sie seien dadurch flexibler und es würde auch gaaaaanz sicher keine einzige Arbeitsstelle verloren gehen, weder an der Coop-Kasse noch im Backoffice der Grossbank. Da bleibt mir nur die Faust im Sack. Oder der Faust im Kopf, wie ihn Goethe vor 210 Jahren sagen liess: «Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube».

Es dankt für die Fragen, Frank Frei

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