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Kinder & Jugend

Erstens: Ruhe bewahren

13. September 2017 von

Foto: Patricia Senn

Beim abschliessenden Postenlauf wird das Gelernte noch einmal repetiert.

Konzentriert lernen die Jugendlichen, welche möglichen Gefahren beim Kinderhüten auftauchen können.

Von

Online seit
13. September 2017

Printausgabe vom
14. September 2017
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In Kooperation mit dem Frauenverein Höngg und dem SRK (Schweizerisches Rotes Kreuz) organisierte die Jugendarbeit des GZ Höngg/Rütihof am vergangenen Wochenende einen Babysitter-Kurs.

Am Sonntagnachmittag hat die Gruppe Jugendlicher zwischen 13 und 16 Jahren – etwa ein Dutzend Mädchen und zwei Jungs – bereits acht Lehrstunden in Babysitting hinter sich. «Es ist eine sehr dynamische und motivierte Gruppe, aber man muss auch berücksichtigen, dass sie Teenager sind. Sie brauchen immer wieder Pausen, um sich zu bewegen und neu zu fokussieren», sagt die Leiterin Karin Schmid vom Schweizerischen Roten Kreuz. Gerade lesen sie konzentriert über mögliche Gefahren und Verletzungen, die im Zusammenhang mit Kindern vorkommen können. Die meisten haben bereits Erfahrungen im Babysitten, einige haben jüngere Geschwister, auf die sie manchmal aufpassen müssen, wieder andere möchten mit dem Kursbesuch ihr Bewerbungsdossier für eine FaBe-Lehrstelle aufbessern.

Sicherheit gewinnen

Am Samstag haben sie gelernt, wie man einen Brei anrührt und Shoppen vorbereitet, an Puppen wird das Wickeln und Füttern geübt. «Auch die psychologische Entwicklung von Kleinkindern zwischen 0 und sechs Jahren haben wir behandelt», erzählt Schmid, während die Jugendlichen in Gruppen potentielle Gefahrenquellen in Haus und Garten benennen. «Früher oder später werden die meisten von ihnen zum Beispiel einmal mit einem Kind in der Trotzphase zu tun haben, dann ist es gut, wenn sie ungefähr wissen, wie sie darauf reagieren können». Als sie schliesslich aufzählen, welche Gegenstände einem Kleinkind gefährlich werden könnten – Messer, Scheren, herumliegende Kabel, Wasser, Chemikalien und vieles mehr – entsteht der Eindruck, dass potentiell überall Gefahren lauern. Schreckt das nicht auch ab? Im Gegenteil, meint einer der beiden Jungs: Zu wissen, worauf man achten muss und vor allem, wie man im Notfall reagieren kann, macht einen sicherer im Umgang mit den Kindern. Ob sie denn Mut gebraucht hätten, diesen Kurs zu besuchen, der meist immer noch überwiegend eine Mädchendomäne ist? «Nein», sagt sein Kollege, «wir sind ja zu zweit und fühlen uns wohl hier». Ein grosses Mädchen, das schon einige Erfahrung im Kinderhüten sammeln konnte, hat besonders die allererste Massnahme verinnerlicht: Ruhig bleiben! Sich das in Erinnerung zu rufen, werde ihr bestimmt auch in Zukunft helfen.

Kurs mit Auszeichnung

Zum Abschluss sammeln die Teenager nochmals ihre ganze Energie und repetieren in einem Postenlauf, was sie in den vergangenen zwei Tagen gelernt haben. Eine Prüfung gibt es nicht, aber die Leiterin Schmid verteilt allen ein Blatt mit Fragen, mit deren Hilfe sie ihr Wissen selbständig testen können. Für ihren Einsatz und den absolvierten Kurs überreicht sie schliesslich allen den sogenannten Babysitter-Pass und erinnert die Jugendlichen daran, dass sie sich über die Vermittlungsstelle des Frauenvereins registrieren können, wenn sie einen Babysitter-Job suchen wollen. Teilnehmende, die nicht in Höngg wohnen, können sich über die Homepage des Schweizerischen Roten Kreuzes melden. Karin Schmid, die diese Kurse schon seit mehreren Jahren anbietet, beobachtet, dass immer mehr Eltern von ihren Babysittern erwarten, dass sie einen solchen absolviert haben. Auch auf die Lehrstellensuche kann sich dieser Ausweis positiv auswirken, davon ist sie überzeugt. Die zuständige Babysitter-Vermittlerin des Frauenvereins Höngg möchte mit diesem Angebot gerne die Eltern im Quartier unterstützen. Sie betrachtet das Babysitten als sinnvolle Tätigkeit, bei der die Jugendlichen in einem klar abgesteckten Rahmen vielleicht zum ersten Mal ausserhalb ihres Familien- und Freundeskreis und ausserhalb der Schule Verantwortung übernehmen können. In der Schule haben die Jugendlichen kaum Gelegenheit für Erfahrungen in der praktischen Arbeit. Sie sieht das Babysitten in diesem Sinn ähnlich wie die Jugendlichen selbst, als Vorbereitung auf das Berufsleben.

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