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Einsprachen mit geringem Erfolg

16. August 2012 von

Foto: Fredy Haffner

Ab der Wartau stadtauswärts wird der Autoverkehr künftig auf der Tram- und Busspur geführt.

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16. August 2012

Printausgabe vom
16. August 2012
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An der Limmattalstrasse werden derzeit zwischen Meierhof- und Zwielplatz sowie bei der Endstation im Frankental die Tramgeleise ersetzt. Weitere Abschnitte folgen, jener zwischen Zwielplatz und Winzerstrasse ist bereits in Planung – und Kritik ausgesetzt

Wie der «Höngger» vom 22. März berichtete, ist geplant, dass im Zuge der Gleis- und Werkleitungssanierung zwischen Zwielplatz und Winzerstrasse auch der Strassenraum für eine stärkere Velobevorzugung neu aufgeteilt wird und zusätzliche Bäume gepfl anzt werden. Als Folge davon soll der motorisierte Privatverkehr stadtauswärts auf die Tramgleise verlegt werden. Gegen diese und andere Massnahmen hatten Anwohner Einsprache erhoben: «Wie unbefriedigend das für beide Verkehrsmittel ist, ist heute zwischen Wipkingerplatz und Wartau fast durchgehend zu beobachten», gaben René Steiner und die anderen Verfasser zu bedenken, die sich auch gegen den Parkplatzabbau am Zwielplatz wehrten. Seit dem 18. Juni ist nun bekannt, wie das Tiefbauamt auf die Einwände antwortete: Die meisten wurden abgelehnt.

Privater und öffentlicher Verkehr auf selber Spur

Auf die Zusammenlegung der Fahrbahnen für den öffentlichen und privaten Verkehr könne nicht verzichtet werden, schreibt das Tiefbauamt. Begründung: «Der betroffene Abschnitt ist im regionalen Richtplan als geplante Veloroute klassiert. Ebenso ist in diesem Abschnitt im Alleenkonzept der Stadt Zürich eine geplante Baumreihe eingetragen. Sofern technisch sinnvoll und umsetzbar, müssen bei baulichen Massnahmen sowohl die Veloroute als auch die Baumreihe durch die zuständigen Ämter umgesetzt werden.» Und diese Planungsvorhaben könnten – ohne zusätzliche Landbeanspruchung durch Landerwerb – nur mit der neuen Strassenraumaufteilung realisiert werden, schreibt das Tiefbauamt. Angst vor mehr Verkehr brauche man nicht zu haben, da am übergeordneten Verkehrsregime keine Änderungen vorgenommen würden: «Die Verkehrsmenge wird an den Knoten Meierhofplatz und Winzerhalde bestimmt. Tram und Bus werden in diesem Abschnitt neu als sogenannte «Pulkführer» auftreten, wie das in anderen Abschnitten der Limmattalstrasse bereits heute der Fall ist.» Der «Führer» ist folglich das Tram oder der Bus, der wartende «Pulk» dahinter der Autoverkehr.

Teilweise berücksichtigt

Wegen Schattenwurf, Behinderung der Sicht bei Ein- und Ausfahrten und weiteren Gründen solle auf die geplante Baumallee, stadtauswärts rechts der Fahrbahn, verzichtet werden, hatten die Einsprechenden gefordert. Mit Verweis auf das Alleenkonzept wurde auch dieses Begehren abgelehnt. Lediglich einzelne Baumstandorte werden noch angepasst. Auch der Parkplatzabbau am Zwielplatz wird mit demselben Verweis begründet. Überdies könnten die neuen Bäume, so das Tiefbauamt, wegen bestehenden Werkleitungen sowie aus Verkehrssicherheitsgründen nicht anders angeordnet werden.

Veloverkehr nur teilweise besser

Auch die Situation für den Veloverkehr solle beidseitig durchgehend verbessert werden, war gefordert worden. Stadteinwärts werden Velofahrende, aus der Winzerstrasse kommend, nur gerade zum Einbiegen auf die Limmattalstrasse auf dem Gehweg geführt und noch vor der Bushaltestelle Winzerstrasse wieder auf den Radstreifen auf der Fahrbahn geleitet. Besonders stadtauswärts bleibt es stellenweise prekär, denn zwischen Zwielplatz und Wartau ist aus Platzgründen weder ein Radstreifen noch ein Radweg möglich. Der Balanceakt zwischen Randstein, Tramgeleisen und Kanalisationsabfl üssen geht also weiter. Erst im Bereich der Haltestelle «Wartau» werden die Velofahrenden wie bisher hinter der Wartehalle durchgeführt. Dass die Sollbreite für solche Durchgangswege an dieser Stelle nicht erfüllt sei, wird zwar bestätigt, geändert könne dies aber «aufgrund der engen Platzverhältnisse» nicht werden. Die projektierte Situation entspreche dem heutigen Zustand und der Einwand werde nicht berücksichtigt. Und nach der Wartau sei – «wegen der Konflikte mit den vielen Garagenzufahrten», wie es in der Begründung heisst − eine Veloführung mit Radstreifen auf der Fahrbahn weiterhin optimaler als auf dem Trottoir.

Verschobene Fussgängerstreifen

Das Projekt sieht auch vor, den Fussgängerübergang zwischen Widumweg und In der Schüpf zu verschieben. Dies sei zu gefährlich und mache keinen Sinn, wurde moniert. Auch dem widerspricht das Tiefbauamt: Gerade aus Sicherheitsgründen soll er versetzt werden, um zu verhindern, dass zum Beispiel rennende Kinder ohne Blick auf die Strasse vom Widumweg auf die Limmattalstrasse gelangen. Auch sei die heutige Lage des Fussgängerübergangs ungünstig, da der Widumweg für Zubringerdienst befahrbar sei, was zu Konfl ikten mit Fahrzeugen führen könne. Dass diese Konfl ikte mit Automobilisten, die via Widumweg einfach den Meierhofplatz umfahren, bereits täglich statt- fi nden, stand offenbar nirgends zur Debatte. Einzig der Einwand, der Fussgängerübergang beim Bombachsteig sei an alter Lage und weiterhin mit einer Lichtsignalanlage gesichert zu belassen, wurde berücksichtigt.

Konsternierung bei den Anwohnern

René Steiner zeigt sich konsterniert: «Die sogenannte ‹Mitwirkung der Bevölkerung› zeigt hier einmal mehr auf, dass wohl mit Bevölkerung die Beamten oder deren eigenen Vorgaben gemeint sind. Bäume bleiben, weil hier ein Alleenkonzept besteht. Auf die Idee, die Bäume auf der anderen Strassenseite zu pflanzen, wo sie nur den öffentlichen Raum und nicht die privaten Grundstücke beschatten würden, ist niemand gekommen oder es ist wegen der Werkleitungen nicht möglich.» Steiner bedauert auch, dass der vorgeschlagene Versuch, die neue Verkehrsführung mittels einer befristeten Ausschilderung vor Ort zu testen, abgelehnt wurde. Lieber verlässt man sich auf eine externe Verkehrsstudie, die im Rahmen der Projektierung erstellt worden war. «Wichtig scheint mir aber, gerade auch in Bezug auf die Gesamtkonzeption ‹Verkehr Höngg›, dass hier bereits viele Rahmenbedingungen festgelegt wurden, die eine andere Planung verunmöglichen.» Der Bericht zu den nichtberücksichtigten Einwänden liegt noch bis zum 27. August beim Tiefbauamt der Stadt Zürich, Werdmühleplatz 3, Amtshaus V, 4. Stock (Empfang), jeweils von Montag bis Donnerstag, 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr zur öffentlichen Einsichtnahme auf.

Gemäss Tiefbauamt werden die Sanierungsarbeiten in zwei Etappen ausgeführt: vom Zwielplatz bis vor die Haltestelle Wartau bereits 2013. Für den zweiten Teil ab Wartau bis Winzerstrasse folgt vom 24. August bis 23. September die Bauausschreibung, mit der Realisierung kann frühestens 2015 gerechnet werden.

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