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Vereine

Eine denkwürdige Bergturnfahrt

13. September 2017 von

Foto: zvg

Wandergruppe vor der Leglerhütte.

Foto: zvg

Am Ziel: Die wasserdichte Kleidung trotzte dem misslichen Wetter.

Zum Winter gehören Schneebälle.

Von

Online seit
13. September 2017

Printausgabe vom
14. September 2017
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Jedes Jahr am ersten September-Wochenende führt die Damen- und Frauenriege Höngg eine zweitägige Wanderung durch. Dieses Jahr war eine echte Bergtour geplant, wollten die Turnerinnen doch in der SAC-Hütte am Kärpf im Glarnerland übernachten: in der Leglerhütte auf 2273 Metern über Meer.

Bereits in der Woche davor meldete der Wetterbericht einen extremen Temperatursturz, an den man – noch in der Badehose am See oder an der Limmat – nicht so recht glauben wollte. Als dann sogar Schnee unter 2000 Meter prognostiziert wurde, runzelten die angemeldeten Frauen der Damen- und Frauenriege des Turnvereins Höngg langsam die Stirn. Am Vortag der Wanderung kam die Meldung der Hauptverantwortlichen Marta Knecht, dass nur die kurze Wandervariante ausgeführt werde, da Dauerregen vorausgesagt wurde. Ein weiser Entscheid. Am Samstagmorgen trafen sich 19 wandertüchtige Frauen am Hauptbahnhof in aller Morgenfrühe. Die Reise führte über Ziegelbrücke ins Glarnerland nach Schwanden, wo eine kleine Gondelbahn für die Wandergruppe den Höhenunterschied bis 1600 Meter überwand. Auf der Mettmenalp genossen die Turnerinnen ein warmes Getränk und Gipfeli, bevor alle sich in wasserdichte Überkleider stürzten. Es regnete in Strömen, und bald mischten sich immer mehr Schneeflocken in den Niederschlag. An ein Picknick war nicht zu denken und nach kurzer Trinkpause bei der Niderenalp begann der Weg steiler und schmaler zu werden. Die Wanderwege waren zu Bächlein geworden. Der flockig fallende Schnee setzte auf dem Grund an und verdeckte auch die weiss-rot-weissen Wegmarkierungen. Was hat das zu bedeuten, wenn plötzlich eine riesige Rinderherde mit lautem Glockengeläut bergabwärts rennt? Es war ein Fliehen vor der sich ausbreitenden Schneedecke. Und wirklich: Nur fünf Meter hohe Stangen in weiten Abständen zeigten noch die ungefähre Wanderrichtung an. Glücklicherweise hielt das gute Profil der Bergschuhe im Pulverschnee. Fast 700 Höhenmeter mussten überwunden werden, bis endlich nach über drei Stunden anstrengenden Aufstiegs die Leglerhütte plötzlich auftauchte. Eine neue, funktional perfekt eingerichtete Hütte empfing die sichtlich erleichterte Gruppe mit Wärme und Gastlichkeit. Spielend und schwatzend verbrachten die Frauen den Rest des Tages im Aufenthaltsraum, hin und wieder bangend, ob wohl der Schneefall endlich aufhören würde. Eiszapfen am Dachkennel und Schneekristalle an den Fenstern erinnerten an den bevorstehenden Winter. Am andern Morgen waren keine Fussspuren vom Vortag mehr zu erkennen und leider auch nichts von der versprochenen Fernsicht auf die Gipfel. Die Hönggerinnen waren froh, dass die Hüttenwartin den Rückweg durch 35 Zentimeter Schnee vorspurte. Vorsicht beim Gehen war angesagt. Rutschen konnte gefährlich werden. Sichtlich erleichtert waren alle, als man zurück auf der Mettmenalp ankam und sich an Zigerhörnli oder Glarner Schüblig gütlich tun konnte. Der Abstieg hatte viel Konzentration erfordert. Unterdessen hatte sich der Wolkenhimmel gelichtet und die Sonne zeigte die felsige, steile, verzuckerte Glarner Alpenwelt. Zufrieden kehrten die Höngger Frauen am Sonntagabend heim, unfallfrei die Strapazen der nicht erwarteten Schneewanderung geschafft zu haben.

Eingesandt von Vreni Noli-Aisslinger

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