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Ein Wagnis im Rampenlicht

28. März 2018 von

Foto: Foto: Wolfgang Meyer

Zum 125-Jahre-Jubiläum zeigte die Zücher Freizeitbühne das Stück „Lara’s Plan“.

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28. März 2018

Printausgabe vom
29. März 2018
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Zum 125-Jahre-Jubiläum der Zürcher Freizeit-Bühne wagt sich die Theatertruppe an die Kriminalkomödie «Lara’s Plan». Mit Höhen und Tiefen.

Das Stück will einfach nicht in Fahrt kommen. Es geht um Sex und Geld, Betrug und Eifersucht. Die zwei «schönsten Dinge des Lebens» treiben die Protagonisten im neuesten Stück der Zürcher Freizeit-Bühne ZFB zum Äussersten. Wer das eine hat, erschleicht sich damit das andere. Und wem beides fehlt, geifert giftig in der Ecke. Doch die Stimmung im Reformierten Kirchgemeindehaus bleibt bei der Premiere am 22. März eher verhalten. Weder Publikum noch Schauspieler scheinen begeistert genug, um das Gegenüber mitzureissen. Manchmal gelingt der Sprung und der Witz und die Spannung des Stücks fliessen ein paar Takte. Etwa wenn Vreni Jenni im Duo mit Claire Weyermann als Exfrau und Schwester des umworbenen Millionärs, die beiden «Hyänen», wie dieser sie gramvoll nennt, so richtig Dampf ablassen. Oder wenn der Regisseur Heinz Jenni in seiner liebevoll ausgeschmückten Nebenrolle als kauziger Butler durch die Szene schlurft. «Mir hat die Vorstellung sehr gut gefallen», meint die Besucherin Vera Baruffol nach dem Stück. Weyermann ist ihre Nachbarin und Baruffol erlebte einige ihrer Probestunden aus der Distanz mit, wenn sich diese zu Hause in Rage redete. «Seit letztem Jahr haben alle grosse Fortschritte gemacht und wurden professioneller». Zum Einstieg leitet Lajos Lüscher in der Rolle des Privatsekretärs fliessend vom vorangegangenen Risottoplausch in die Villa Hammerschmidt, in der sich Lara’s Plan zeigen soll. Für die charmante Verpackung von Begrüssung, Saalinfos und Aufruf zum Handyflugmodus erntet er vom Publikum prompt ein «Happy-Birthday» für die ZFB. Vor dem gelungenen selbstgebauten Bühnenbild entwickelt sich dann der überraschend wendungsreiche Plot des Stücks «Lara’s Plan», in der kaum einer das ist, was er zu sein vorgibt.

Hoher Besuch

Das verzwickte Stück stammt aus der Feder der Schweizer Autorin Claudia Gysler. «Im Vergleich zum Schwank oder Lustspiel ist eine Kriminalkomödie für die Darsteller eine grössere Herausforderung», so der Regisseur Jenni hinter der Bühne. «Es ist schwieriger, einfach mal zu improvisieren, wenn der Text gerade hängt. Denn hier liegt die Stärke des Plots im Detail. » Der Schwank ist bei den Schauspielern aber nicht etwa in Ungnade gefallen. «Ich spiele immer noch gerne einen guten Schwank», meint Vreni Jenni vergnügt. Die Freude am Spiel merkt man ihr auch hinter der Bühne noch an. Die Autorin Gysler werde die Dernière persönlich besuchen, weiss die Präsidentin des Vereins und wirkt auf einmal ein wenig aufgeregt. «Wir hoffen alle, dass ihr unsere Aufführung gefallen wird». Dieses Jahr feiert die Zürcher Freizeit-Bühne ihr 125-jähriges Bestehen. Als Dank für die jahrelange Unterstützung durch Freunde und Bekannte wartet der Verein an den vier Aufführungen mit verschiedenen kleinen Geschenken, Verlosungen und Vergünstigungen auf. «Neben den Proben und dem Bühnenbau fällt bei unserem Hobby allerlei Arbeit an», sagt Jenni. An der Bar, der Abendkasse, in der Werbung und der Organisation braucht es Leute, die das alles erst möglich machen. Gerade solche sucht die traditionsreiche Theatergruppe zurzeit. Helfer, aber auch Schauspieler sind herzlich willkommen, sich der ZFB anzuschliessen.

Geschichtsbewusst

«Uns ist es ein grosses Anliegen, dass der Verein weiterbesteht. Einen hundertfünfundzwanzigjährigen Verein zu führen, legt einem auch die Verantwortung seines Weiterbestehens in die Hände. Auch wer zuvor noch nie auf einer Bühne stand, ist gerne willkommen. Der erste Schritt brauche Mut», gesteht Jenni zu. «Aber anstatt nur zu sagen, das könnte ich nie, sollte man einfach mal über seinen Schatten springen und etwas wagen», legt er allen ans Herz. Die Fortschritte stellen sich dann von alleine ein und mit zunehmendem Vertrauen in sich selbst entwickle man seine Figuren immer lebendiger. Dafür sind Jenni und seine Frau ein gutes Beispiel. Sie haben sich «learning by doing» alles, was sie über Theater wissen, auf der Bühne beigebracht und zeigen heute nach über vierzig Jahren Theaterverein eine sehr lebendige Bühnenpräsenz. «Es ist wunderbar, wie unsere neusten Mitglieder in den letzten Jahren Fortschritte gemacht haben», sagt Heinz Jenni über seine neuesten Schauspieler. So etwa Sandy Vogelsanger, die in der undurchsichtigen Rolle des Dienstmädchens eine unschuldige Liebesgeschichte mit dem Notar, gespielt vom sattelfesten Bruno Niklaus, spinnt.

Zurzeit führt das Ortsmuseum Höngg eine Ausstellung zur Geschichte des Vereins. Alte Requisiten, Kostüme und Bilder von früheren Aufführungen sowie eine Chronik erzählen den Werdegang des ZFB nach.

Wer die Vorstellungen in Höngg verpasst hat, kann sie am Freitag, 6. April, um 19.30, und am Samstag, 7. April, um 14.30 Uhr im Zentrum Hauriweg, Hauriweg 17 in Wollishofen nachholen.

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