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Fokus

Ein LEK für alle Fälle, Teil 2

13. September 2017 von

Foto: Fredy Haffner

Die Allmend Hönggerberg, im Hintergrund die Sportplätze des Turnvereins und des SVH.

Der Friedhof Hönggerberg, eine «zweckgebundene Erholungsfläche» mit schöner Aussicht.

Foto: Fredy Haffner

Blick auf den ökologisch wertvollen Obstgarten «Notzenschürli».

Die Regensdorferstrasse im Bereich Grünwald: Die Querung für das Wild sei sicherer zu gestalten…

… was diese Ringelnatter sicher gefreut hätte, die dort überfahren tot auf der Sicherheitslinie lag.

Von

Online seit
13. September 2017

Printausgabe vom
14. September 2017
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Im letzten «Höngger» startete das Fokusthema LEK Hönggerberg-Affoltern mit einem historischen Teil und einem einführenden Bericht. Das LEK beinhaltet zahlreiche Massnahmen, welche auf Höngger Gebiet möglichst umgesetzt werden sollen. Der «Höngger» machte sich über alte Flurnamen auf den Weg durch den Massnahmendschungel und wurde zum «Insekt». Hier der erste Teil der Expedition.

Fast 80 Projekte und Massnahmen wurden alleine für die Südflanke des LEK Hönggerberg-Affoltern, also den Raum Höngg, Hönggerberg und Käferberg, definiert. Von der Konzeptebene bis in die «Niederungen» der detailreichen Umsetzung. Wer sich in die Materie einarbeitet, fühlt sich bald wie ein hilfloses Insekt im Urwald. Und da man diesen ja nicht abholzen will, um dann auf Zeitungspapier im Detail über alles zu berichten, folgen hier zu den ausgesuchten Kapiteln jeweils nur Beispiele – was es besagtem «Insekt» natürlich nicht ersparte, sich durch alle Kapitel «durchzukrabbeln».

Aus dem Blätterdach…

Sozusagen im Dach des Urwalds angesiedelt sind die «Konzepte für Erholungslenkung und Landschaftsentwicklung». Vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums in Zürich – Stichwort verdichtetes Bauen – und Höngg, zum Beispiel durch den Ausbau der ETH Hönggerberg oder die kommende Überbauung im Rütihof, ehemals «Ringling»-Areal, ist der steigende Nutzungsdruck auf die angrenzenden Landschaftsräume absehbar. Natur- und Kulturlandschaften werden vermehrt als Erholungsraum beansprucht. In einer vertieften Planung, aus der Leitbilder und Nutzungskonzepte abgeleitet und mit allen Beteiligten Nutzergruppen erarbeitet werden, sollen für die Gebiete innerhalb des LEK die künftige Landschaftsnutzung und -gestaltung definiert sowie daraus Massnahmen abgeleitet werden.

… zu den Leitbildern

Ein solches Leitbild entsteht gerade zur Allmend Hönggerberg. Allerdings ist dieses nur ein internes Arbeitspapier, das vorwiegend der koordinierten Planung innerhalb der involvierten Dienstabteilungen dient. Es wird also nicht vom Stadtrat festgesetzt und auch nicht publiziert – nur die bereits im Prozess involvierten Vereine werden informiert. Das LEK verlangt innerhalb dieses Leitbildes unter anderem Antworten auf die Frage, welche zweckgebundenen Erholungsflächen, zum Bespiel für Sport, in diesem Landschaftsraum verträglich sind. Insbesondere sei zu prüfen, wo «der Bedarf nach einem zusätzlichen Fussballplatz» abgedeckt werden könne. Multifunktionale Erholungsflächen seien zu ergänzen und «ein attraktives Wegenetz mit Aufenthaltsbereichen» anzubieten. Der Raum soll ein breit gefächertes Erholungsangebot aufweisen. Abgestimmt auf die Ziele des Leitbildes, wurde bereits ein Fussballplatz mit einem Kunstrasen versehen, um die Nutzungsintensität zu erhöhen, sodass die Erstellung eines weiteren Fussballfelds vermieden werden konnte. Ebenfalls im Rahmen des Leitbildprozesses hat sich Grün Stadt Zürich in der Jury des Wettbewerbs für das neue Garderoben- und Clubgebäude des SVH für eine landschaftsverträgliche Lösung eingesetzt.

Später dann soll auch für die Allmend Käferberg ein Leitbild «für eine allmend- und parkartige Nutzung des Gebietes Käferberg Süd» erstellt werden. Doch dieses Leitbild ist abhängig von den Ausbauplänen der ETH und anderen Einzelmassnahmen, es soll aber «als einen der nächsten Schritte» angegangen werden. In zweiter und dritter Priorität sollen für das Gebiet nördliches Frankenbühl (beim Rütihof) sowie zum Raum Heizenholz ebenfalls Leitbilder und Konzepte entstehen.

Abfall und Hunde betreffen alle Gebiete

Innerhalb solcher Leitbilder werden auch unter dem Kapitel «Massnahmen Gesamtraum» Themen konkretisiert, welche das ganze LEK übergreifend betreffen: Abfall-Entsorgung, Parkierungsmöglichkeiten oder die zu verbessernde Erreichbarkeit zu Fuss oder mit dem Velo. Nicht zuletzt soll mit dem gesamtstädtischen «Hundeprojekt» dafür gesorgt werden, dass eine «verantwortungsvolle Hundehaltung» gefördert und «Konflikte mit anderen Nutzergruppen sowie Störungen von empfindlichen Wildlebensräumen» vermindert werden: Angestrebt wird gemäss LEK «unter anderem ein Zonenplan für Hundehaltende, der die hundefreundlichen Zonen sowie die Zonen mit Leinengebot und mit Hundeverbot zeigt». Doch hier präzisiert Jürgen Faiss, verantwortlicher Projektleiter Freiraumplanung bei Grün Stadt Zürich, die damalige Ausgangslage: «Im Bereich Allmend Höngg wird es die hier erwähnten Restriktionen nicht geben, es gilt das kantonale Hundegesetz, das seit Januar 2010 in Kraft ist und die Hundehaltung regelt. Konkret: Auf Spiel- und Sportfeldern dürfen Hunde nicht mitgenommen werden.

Themenrouten für ein Miteinander

Mitunter auch um ein friedliches Miteinander auf «engem» Raum zu fördern, sind über den Hönggerberg zwei Themenrouten geplant. Einerseits die «Waldroute Käferberg-Hönggerberg», welche als informativer Weg im Schatten der Wälder vom Bucheggplatz über den Käferberg, Hönggerberg und weiter Richtung Gubrist führen soll. Angedacht ist, dass dieser Weg die «historische Entwicklung des Erholungswaldes» aufzeigen soll. Als wichtige Grundlage dafür wird derzeit das Archiv des Verschönerungsvereins Höngg (VVH) aufgearbeitet. In Betracht gezogen wird auch eine Panoramaroute Käferberg-Hönggerberg, als Verbindung vom Bucheggplatz über den Hönggerberg zum Rütihof, wie es heisst: «durch Kleingärten, Landwirtschaftsland und Obstgärten, zwischen Siedlung und Wald sowie mit Ausblick auf die Alpen». Sie führt über bereits bestehende Wege und Strassen wie zum Beispiel der Kappenbühlstrasse.

Entlang dieser Wege sind in Höngg auch zwei sogenannte «zweckgebundene Erholungsflächen» dargestellt. Eine davon ist der Friedhof Hönggerberg, an dessen unterem Rand entlang die Panoramaroute Käferberg-Hönggerberg hätte führen sollen, wo heute der schmale Ruggernweg verläuft. Um den Weg zu verbreitern, war vorgesehen, den Zaun zum Friedhof zu entfernen oder an den oberen Böschungsrand zu versetzen. Mit Entfernen wird nichts, denn sonst, so die Erkenntnis, hätten auch die Wildschweine freie Bahn in den Friedhof und eine Versetzung geht auch nicht, weil dort bereits Familiengräber angrenzen. Die Idee ist nun, den Panoramaweg direkt durch den Friedhof zu führen, was zum Vorteil hätte, dass von dort auch die Aussicht besser ist als vom Ruggernweg aus.
Die zweite solche Erholungsfläche ist das Areal des früheren Waidbad, hinter dem heutigen Restaurant Tessin Grotto (ehemals «Jägerhaus»), wo nebst der bestehenden Spiel- und Freizeitinfrastruktur «bei Bedarf Erholungsinfrastrukturen» geschaffen werden könnten. Die Planung wird Teil des Leitbilds Allmend Käferberg sein.

Landschaften erleben

Gleich an zehn Orten sind auf Höngger Gebiet Massnahmen in «landschaftlich geprägten Aufenthaltsbereichen» vorgesehen. Diese Erholungsflächen sollen sich gut in die Landschaft eingliedern, öffentlich zugänglich sein und je nach Bedarf Sitzgelegenheiten, Feuerstellen sowie Spiel- und Liegewiesen bieten. Einheimische Pflanzenarten und natürliche Baumaterialen, die auch als «Strukturen für kreatives Kinderspiel» dienen können, sollen zur Anwendung kommen. Der Bereich Oberleewiesen, so heissen Wiese und Waldrand hinter dem Restaurant Grünwald, ist zum Beispiel als solches Gebiet vorgesehen. Dort könnte gemäss LEK die Waldbewirtschaftung auf die Ansprüche der Erholungssuchenden abgestimmt werden und neue Infrastruktur wie Sitzgelegenheiten, Feuerstellen oder «Strukturen für kreative Kinderspiele» realisiert werden. Dies in Abstimmung mit dem Kanton, dem der angrenzende Wald gehört – der Verschönerungsverein Höngg kümmert sich bereits um die Feuerstellen und Sitzbänke (siehe «Höngger» vom 17. August, «Dumpfer Vandalismus»). Konkretisiert werden soll die Idee im Zusammenhang mit dem Nutzungskonzept Heizenholz.

Interessant dürfte die Ausgestaltung des «Aufenthaltsbereich Huberwiesen» werden. So wird das Gebiet entlang dem Waldrand hinter dem Schützenhaus Hönggerberg, Teile des angrenzenden Waldes und die Wiese hinter dem 300-Meter-Zielhang genannt. Das LEK sieht dort noch eine «potenzielle Fläche für zusätzliche kleinere Aufenthaltsbereiche» und will das Gebiet zu Gunsten der Erholungsnutzung – unter Berücksichtigung des Wildaustrittes – aufwerten.
Unterdessen heisst es seitens GSZ, dass die Aufwertung des Waldrandes als «ökologisch und gestalterisch aufwertende Massnahme» in Abstimmung mit dem Betriebsplan und der Eichenförderung des Kantons Zürich angedacht und keine Erholungsinfrastruktur geplant sei. Der Schiessbetrieb werde «mittelfristig bestehen bleiben».

Auch zu erwähnen ist die «Waldfläche Frankenbühl», das ist der Wald oberhalb des Rebbergs des Obsthauses Wegmann, wo das LEK «Potenzial für kleinere Aufenthaltsbereiche» sieht. Allerdings ist dies ein Privatwald, das LEK hat hier keine rechtlich bindende Wirkung. Selbiges gilt für die Waldfläche «Giblen», die kleine Waldfläche unterhalb der Giblenstrasse.

Pflanzen und Tiere gehen vor – oder über ein Dach?

15 und damit am meisten Massnahmen sind im Bereich «Lebensräume für Tiere und Pflanzen» vorgesehen, wurden bereits umgesetzt oder werden im Rahmen normaler Pflegearbeiten laufend realisiert. Grundsätzlich sollen unter diesem Oberbegriff «vorhandene wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten und bei Bedarf gezielt aufgewertet werden». Herausgegriffen sei hier der «Obstgarten Notzenschürli» am Ruggernweg, der vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg (NVV) bewirtschaftet wird. Dort sollten – und werden dank dem NVV auch – die ökologisch wertvollen Kleinstrukturen erhalten bleiben und absterbende Bäume ersetzt werden. Im Fokus hat das LEK auch den Holderbach, der in seinem Tobel aus dem Hönggerwald nach Affoltern fliesst. Der «weitgehend unverbaute Holderbach» sei in seiner Eigenart und Naturnähe zu erhalten. Gezielte Massnahmen für das Naturerlebnis seien zwar denkbar, sagt das LEK, «jedoch mit grosser Zurückhaltung bezüglich weiterer Erholungsinfrastrukturen». Fraglich mag sein, wie lange dieses bei Pfadis, Familien und Bikern beliebte Gebiet dem Nutzungsdruck standhalten kann.

Interessant klingt, was das LEK zum Thema «Wildwechsel Regensdorferstrasse» festhält: die Querung für das Wild sei sicherer zu gestalten. Herkömmlich beispielsweise durch die Entfernung von Sträuchern oder die Installation eines Warnsystems. Es sei aber auch die Kombination mit einem sicheren Übergang für Fussgänger und Velofahrer zu prüfen und, dies aber nur langfristig, ob ein Teil der Strasse überdeckt werden könnte. Damals dachte man noch, dies alles im Zusammenhang mit dem Bauprojekt «Ringling» und den damit zusammenhängenden Strassenbaumassnahmen vorzubereiten. Weil das Bundesgericht die Baubewilligung für die geplante Siedlung aufgehoben hat, existiert dafür momentan kein konkreter Zeitplan mehr.

Um ökologische Vernetzung, Fuss- und Radwege und vieles mehr geht es im letzten Teil dieses Fokus-Themas im «Höngger» vom 12. Oktober.

Im Fokus bereits erschienen:
31. August 2017: «Ein LEK für alle Fälle» (Teil 1)
31. August: «Begehrte Höngger Allmend» (historische Betrachtung)

 

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