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Ein Höngger an Bord der Arche

17. Mai 2017 von

Foto: Dagmar Schräder

Der Höngger Rainer Fröhlich ist Fundraising- und Kommunikations-Beauftragter der Arche Zürich.

Von

Online seit
17. Mai 2017

Printausgabe vom
18. Mai 2017
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Der 49jährige Höngger Rainer Fröhlich ist Fundraising- und Kommunikations-Beauftragter der Arche Zürich, einer gemeinnützigen Organisation, die sich der Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen verschrieben hat. Ein Besuch an seinem Arbeitsplatz.

Im Arche Brockenhaus an der Hohlstrasse plätschert das Leben an diesem frühen Montagnachmittag gemütlich vor sich hin. Einige Besucher stöbern in den Regalen mit Schallplatten und CD`s nach einem Schnäppchen, andere durchforsten die Möbelabteilung auf der Suche nach einem besonderen Schmuckstück oder machen es sich im oberen Stock mit einem Buch auf einem der Sofas bequem. An den Tischen im Eingangsbereich des Brockenhauses nutzen diejenigen, die mit ihrer Einkaufsrunde schon fertig sind, die Gelegenheit, eine Pause einzulegen und mit Bekannten einen kurzen Schwatz abzuhalten, während sie gleichzeitig das Treiben im Laden von hier aus wunderbar beobachten können. Auch Rainer Fröhlich, der in Höngg wohnhafte Fundraising- und Kommunikations-Beauftragte der «Arche Zürich», nimmt sich die Zeit, sein an das Brockenhaus angrenzende Büro zu verlassen und der Schreibenden bei einer Tasse Kaffee die Arbeit des Vereins zu erklären. Was ist denn eigentlich die «Arche Zürich»?

Hilfe im Alltag

«Die Kernaufgabe der Arche Zürich ist es», so Fröhlich, «Menschen in schwierigen Lebenssituationen, sei es aufgrund von Arbeitsplatzverlust, Suchterkrankungen oder psychischen Problemen, zu unterstützen». Diese Unterstützung geschieht auf ganz verschiedenen Ebenen und an unterschiedlichen Orten in der Stadt und der Region Zürich. Während das Brockenhaus und das gleich danebenliegende Bistro in erster Linie Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose im Teillohn bieten und hier versucht wird, die Beschäftigten über kurz oder lang wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, stellt der Biohof in Uitikon-Waldegg eine geschützte Werkstatt dar, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Abhängigkeitserkrankungen Arbeit und Tagesstruktur finden. Auf dem landwirtschaftlichen Bio-Betrieb am Fusse des Üetlibergs wird Gemüse und Obst angebaut und an Detailhandel und Gastronomie sowie in Form von «Bio-Gemüse-Körben» auch an Private weiterverkauft. «Viele unserer Teillohnmitarbeitenden im Brockenhaus finden auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Stelle und erhalten bei uns die Möglichkeit, die stellenlose Zeit zu überbrücken, Struktur in ihren Alltag zu bringen und sich neue Kompetenzen anzueignen beziehungsweise Fähigkeiten auszubauen» erläutert Fröhlich die Besonderheiten des «Arbeitsplatzes Arche». Hilfe bei der Rehabilitation von einer Suchterkrankung sowie bei der Bewältigung des Alltags steht auch bei der Therapiestation in Bülach und den verschiedenen Wohnprojekten der Arche im Vordergrund. In der Therapiestation werden die Klientinnen und Klienten während neun bis zwölf Monaten in einem stationären Aufenthalt unterstützt, ihren persönlichen Weg aus der Sucht zu finden und sich sozial und beruflich wieder einzugliedern. Für Menschen mit Suchtproblemen und/oder psychischen Erkrankungen bietet die Arche zusätzlich an den Standorten Wipkingen, Altstetten, Enge und Wiedikon Wohnplätze mit Betreuung an.

Niederschwellige Beratung und freiwilliges Engagement

Niederschwellige Beratung bieten zudem die von der Arche betriebenen Fachstellen für Integration und die Einrichtung «Arche Kind und Familie», an die sich Hilfesuchende jederzeit gratis und unverbindlich wenden können. Eines der Programme schliesslich, das Fröhlich ganz besonders am Herzen liegt, ist die «Kinderbegleitung». Hier treffen sich Kinder und Jugendliche, zumeist mit Migrationshintergrund, einmal pro Woche mit einer freiwilligen Helferin oder einem freiwilligen Helfer. Dann werden gemeinsam Hausaufgaben gemacht, schulische Probleme gelöst oder einfach nur ganz alltägliche Herausforderungen gemeistert. «In diesem Projekt engagieren sich jährlich über 100 Begleiterinnen und Begleiter», erläutert Fröhlich nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme. «Diese Freiwilligen aus sämtlichen Altersgruppen verpflichten sich jeweils für mindestens ein Jahr und begleiten so ein oder auch mehrere Kinder über einen längeren Zeitraum hinweg durch die Schulzeit. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Beziehungen hierbei entstehen».

Besondere Umstände und spezielle Herausforderungen

Hinter all diesen verschiedenen Einrichtungen und Angeboten steht der Verein «Arche Zürich». Der seit 1980 existierende Verein ist in den 37 Jahren seines Bestehens von einer privaten Hilfsorganisation zu einem veritablen «sozialen Unternehmen» angewachsen und beschäftigt mittlerweile rund 60 Festangestellte, die für die die Betreuung der unterstützten Menschen und die Geschäftsführung verantwortlich sind. Finanziert wird der Verein durch Spenden von privaten Gönnern und Stiftungen, einen wesentlichen Teil der Kosten tragen Stadt und Kanton Zürich. Die wichtige Aufgabe des Fundraisings liegt dabei seit drei Jahren bei Fröhlich. Mittlerweile hat er sein Arbeitspensum von 50 auf 80 Prozent aufgestockt, um sich nun zusätzlich noch intensiver um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern zu können. Immer wieder mal hat er neue Ideen, wie er den Bekanntheitsgrad und den Wirkungskreis der Arche Zürich weiter ausbauen kann, muss jedoch manchmal auch erkennen, dass sich die Umsetzung schwieriger gestaltet als geplant. «Die Arche stellt eben kein ganz alltägliches Arbeitsumfeld dar und kann nicht wie ein marktwirtschaftliches Unternehmen funktionieren. Die besonderen Bedürfnisse unserer Teilnehmenden sowie auch der Klientinnen und Klienten stehen stets im Vordergrund». Doch das sind Herausforderungen, die das Archeteam gerne und mit grosser Motivation angeht. Fröhlich, der in seinem beruflichen Leben vor der Arche unter anderem bei der Swissair und im Kultursponsoring tätig war, weiss, wieso er seinen momentanen Job ganz besonders schätzt: «Ich bin sehr dankbar dafür, dass es mir persönlich gut geht und freue mich, etwas davon weitergeben zu können. Daher schätze ich es besonders, dass ich hier tagtäglich mit Leuten zusammenarbeite, denen es in ihrem Leben besser geht, weil es die Arche gibt. Wie sagte Erich Kästner doch einst so schön: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es».

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