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Politik / Im Blickfeld

Ein Epochenjahr – auch für Zürich

28. Juni 2017 von

Foto: zvg

Sylvie F. Matter, Kantonsrätin SP

Von

Online seit
28. Juni 2017

Printausgabe vom
29. Juni 2017
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1917 gilt als Epochenjahr: Die Russischen Revolutionen und der Kriegseintritt der USA sind Zäsuren – die Welt hat sich durch sie verändert. Auch für Zürich war 1917 ein wichtiges Jahr, das grosse Veränderungen brachte.

Seit der Gründung des Bundesstaates 1848 wurde das Zürcher Parlament im Majorz-Verfahren gewählt. Dieses System bevorzugt die wählerstarken Parteien, die Liberalen hatten so die Mehrheit im Kantonsrat. Die fehlende Vertretung der Minderheiten löste immer wieder Diskussionen aus, die Einführung des Proporz wurde gefordert, zum Beispiel von den Vertretern des Konsumvereins Johann Jakob Treichler und Karl Bürkli. Besonders Bürkli setzte sich vehement für den Proporz ein, wie auch Otto Lang, ein Gründer der SP, oder der spätere Zürcher Stadtpräsident Emil Klöti (SP).

Erst im zweiten Anlauf

Doch Kantonsrat und Volk hatten kein Gehör. Eine erste Initiative wurde im April 1911 abgelehnt, obwohl andere Kantone den Proporz bereits eingeführt hatten. Besonders die Liberalen bekämpften die Initiative. Wie auch heute so oft, waren die Städte offener für Veränderungen als der Kanton: In Zürich wurde der Proporz 1913 eingeführt – DER Anstoss für eine neue Initiative im Kanton. Dieses Mal klappt es: Am 10. Dezember 1916 sagte das Volk JA. Dank Zürich und Winterthur, denn die Landgemeinden hatten den Proporz abgelehnt. Jetzt, wo auch Minderheiten eine Chance hatten, wurden neue Parteien gegründet, um bei den ersten Proporzwahlen dabei zu sein: Die Bauernpartei – heute SVP – feiert dieses Jahr ihr hundertjähriges Bestehen, ebenso die EVP. Der Proporz brachte grosse Veränderungen: Die SP konnte ihre Sitze fast verdoppeln und wurde mit 82 Sitzen zur stärksten Fraktion – etwas, das wir in zwei Jahren gerne wiederholen können – die Liberalen schrumpften von 98 auf 44 Sitze und die Bauernpartei holte gleich im ersten Anlauf 38 Sitze.

Ein Grund zu feiern

Die Veränderung beeinflussten den Kantonsrat und somit die Politik in und für diesen Kanton. Das 100 Jahre Jubiläum ist ein Grund zu feiern. Das macht der Kantonsrat am 7. Juli in Winterthur in der Halle 53 des Sulzer Areals. Mit einer Ausstellung, einer öffentlichen Sitzung der Kommission für Staat und Gemeinden – eine absolute Premiere! – und einer öffentlichen Ratssitzung von 14.30 bis 17 Uhr. Für einmal muss man nicht früh aufstehen, um uns zu besuchen und kann danach bei einem Umtrunk mit den Mitgliedern des Kantonsrates anstossen und diskutieren. Alle Infos zum Festanlass finden Sie auf: 100jahreproporz.ch

Sylvie F. Matter, SP, Kantonsrätin

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