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Die Singularität des Robert Kouba Junior

27. Juni 2018 von

Robert Kouba auf dem Set von «Singularity».
Foto: Privatbesitz Robert Kouba

Robert Kouba auf dem Set von «Singularity».

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Online seit
27. Juni 2018

Printausgabe vom
28. Juni 2018
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Das Leben von Robert Kouba Junior drehte sich schon immer um Drehbücher, Kameras und Filme. Nun hat der Höngger Jungregisseur mit «Singularity», in dem John Cusack die erste Nebenrolle spielt, einen Fuss in die Türen Hollywoods gesetzt.

Vor acht Jahren meldete sich der damals 18-jährige Robert Kouba beim «Höngger», weil er für die Dreharbeiten seines Films eine Sonderausgabe brauchte. Der «Höngger» machte mit, die Schlagzeile am 15. Juli 2010 hiess «Lottomillionär tot in seiner ehemaligen Firma aufgefunden» und erzählte auch die Geschichte des jungen Regisseurs, dessen grosses Vorbild schon damals der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Roland Emmerich («The Day After Tomorrow») war. Am 10. Mai 2013 titelte der «Höngger» dann bereits: «Jung-Regisseur hat Amerika vor der Linse»: Kouba hatte nach der KV-Ausbildung zwei Jahre die Filmschule SAE besucht – und nun drehte sich alles nur noch ums Filmemachen. Damals sammelte er bei privaten Investoren und via Crowdfunding gegen 100’000 Franken, um mit seinem Film «Aurora» starten zu können. Unterdessen ist der Film fertig, wurde nach Hollywood verkauft und erschien als «Singularity» auf DVD.

Was bisher geschah

Kouba Junior ist weiterhin in Amerika, doch im Garten seines Elternhauses an der Bäulistrasse erzählt dessen Vater, Robert Kouba Senior, wie aus «Aurora» «Singularity» wurde.
Als im Sommer 2013 die Finanzierung gesichert war, ging es rasant weiter: Mit einem Budget, mit dem andere gerade mal einen Trailer drehen, machte sich Kouba daran, einen ganzen Spielfilm zu realisieren, fürs Kino und auf Englisch. Und er tat es. Der begnadete und hartnäckige Netzwerker schaffte es erneut, Leute an Bord des Projekts «Aurora» zu holen, die gratis oder für wenig Geld mitmachten. Menschen sind das eine, doch wo und zu welchen Kosten drehen? Drehorte für die Endzeitgeschichte (siehe Infobox «zum Film») zu finden, war nicht einfach. Wo findet man in der Schweiz schon «Endzeitstimmung»? Und sind Unterkünfte für die Crew, doch gegen 20 Personen, bezahlbar? Die Wurzeln seiner Familie kamen Kouba zu Hilfe: Er versammelte sein Team in Černovice, einem kleinen Dorf in der südlichen Tschechei, wo seine Familie noch ein Haus besitzt. Man kennt sich im kleinen Dorf und so machte der Bürgermeister persönlich freudig den «Locationscout» und fuhr Kouba zu unberührten Landschaften, verfallenen Häusern und Kirchen – alles wie gemacht für Szenarien in düsterer, menschenleerer Zukunft. Abgesehen von der imposanten Burgruine alles Orte, die er sonst eigentlich nicht gerne zeige, habe der Bürgermeister einmal schmunzelnd bemerkt, denn er wolle ja positive Werbung für seine Gegend machen, nicht Endzeitstimmung vermitteln. Doch das war eben, was Kouba für seinen Film brauchte und in Černovice fand er kostenlos, inklusive Requisiten, wofür er in der Schweiz ganze Sets teuer hätte aufbauen müssen.

Visuelle Effekte sind bei Filmen ebenfalls Kostentreiber. Doch ohne lässt sich eine Geschichte um Roboter, welche darauf programmiert sind, die grösste Plage der Erde auszurotten – die Menschheit – kaum als Film erzählen. Hier fand Kouba über das Internet Hilfe bei polnischen Freelancern, die erstaunlich gute digitale Effekte innerhalb seines Budgets realisierten. Fünf Wochen dauerte der Aussendreh. Die Crew lagerte in und ums Haus der Koubas. Robert Junior organisierte und koordinierte alle Arbeiten, führte Regie und dolmetschte für die international zusammengesetzte Crew, auch auf Tschechisch. «Ich glaube, er hat in diesen Wochen fünf Kilo abgenommen», erinnert sich sein Vater. Nach Abschluss der Dreharbeiten, im Sommer 2013, ging es zurück nach Höngg, wo ein weiteres Jahr für die Nachproduktion verwendet wurde. Schnitt, Ton, Effekte: alles wurde am heimischen Computer realisiert. Vom fertigen Produkt war Kouba so überzeugt, dass er es 2015 an den Filmfestspielen Cannes anmelden wollte. Leider kam seine Bewerbung zu spät, doch auf verschlungenen Wegen fand die DVD zur renommierten amerikanischen Produktionsfirma Voltage Pictures, wo man vom Engagement des jungen Regisseurs fasziniert war und ihm den Film abkaufte – was Kouba in die Lage versetzte, wenigstens den Investoren wieder ihr Geld zurückzuerstatten.

«Make it bigger»

Um mehr Zugkraft zu generieren, beschloss Voltage Pictures, den Film nachträglich mit einem bekannten Schauspieler noch «etwas grösser» zu machen. Kouba wurde, keine Selbstverständlichkeit, zugestanden, auch bei diesem Nachdreh Regie zu führen. So stand der junge Höngger plötzlich mitten in Hollywood, in den Händen eine Liste von bekannten Namen wie Nicolas Cage und John Cusack. Schon ein spezielles Gefühl sei das gewesen. Letztlich sagte Cusack zu, das Drehbuch wurde entsprechend der neuen Szenen angepasst und diese in zwei Tagen gedreht. Für Kouba ein grossartiges Erlebnis, auch weil Cusack keinerlei Starallüren ihm, dem jungen Regisseur, gegenüber gezeigt habe. Die neuen Szenen, alle vor dem «Green Screen» gedreht, brauchten weitere visuelle Effekte. Doch was das Studio erarbeitete, war nicht nach Koubas Vorstellung. Letztlich setzte er sich durch und die polnischen Freelancer kamen erneut zum Zug.

Wie der Film, so sein Macher

2017 war der Film fertig und dann geschah – erstmals nichts. In Höngg fragte man sich schon, ob der Film jemals irgendwo zu sehen sein wird. Doch dann nahm plötzlich alles Fahrt auf: Nach einzelnen Vorstellungen in amerikanischen Kinos erschien der Film – was der Mehrheit der produzierten Filme widerfährt – für den englischen Raum direkt auf DVD. Und weil auch Kanada abgedeckt wurde, war bereits eine französische Synchronisation vorhanden. Seither wurde «Singularity» schrittweise in andere Sprachregionen verkauft und in diesen Tagen erscheint auch die deutsche Fassung. Im Internet tauchten Trailer und Film, von der Bäulistrasse aus mit Interesse beobachtet, plötzlich überall auf. Sogar eine Version mit tschechischen Untertiteln kursiert im Internet, von der niemand genau weiss, woher sie stammt.
Robert Kouba selbst schreibt längst zusammen mit einem erfahrenen Autor an einem neuen Drehbuch, erneut in «seinem», dem Science-Fiction-Genre. Was seine eigene, echte Zukunft bringt, weiss er nicht. «Es braucht nebst Beharrlichkeit auch Glück im Leben und die richtigen Begegnungen», sagt sein Vater, der fest an den Junior glaubt und ihn auch finanziell unterstützt – wohl nicht zuletzt, weil mit dem Traum des Sohnes auch ein eigener Kindheitstraum in Erfüllung gehen könnte, denn auch Kouba Senior filmte früher und staunt, welche Fortschritte die Technik seit seinen Super-8-Zeiten gemacht hat: «Selbst in den letzten fünf Jahren wurden die Kameras kleiner und Drohnen und technische Effekte plötzlich erschwinglich». Für seinen Sohn indes war der erste grosse Film auf DVD nur ein erster Schritt. Das grosse Ziel bleibt ein Kinofilm nach eigenem Drehbuch. Die Studios jedoch geben Jungregisseuren kaum je die Chance, gleich ein eigenes Drehbuch zu verfilmen, sondern lassen sie, um auf sicherzugehen, ihre Sporen an Fortsetzungen von Kassenschlagern abverdienen. Erst wer sich da bewiesen hat, bekommt weitere Chancen und Drehbücher angeboten – oder findet Produzenten für die eigenen Geschichten. Bei der Besessenheit von Robert Kouba Junior – sein Vater nennt es schmunzelnd Sturheit – kommt man nicht umhin zu vermuten, dass er da eine Abkürzung findet, die einer «Singularity» gleichkommt.

Zum Film
Im Jahr 2020 stellt Elias van Dorne (John Cusack) den Super-Computer Kronos vor, darauf programmiert, die Kriege der Welt zu beenden. Als Kronos aktiviert wird, erkennt er bald die Wurzel allen Übels: Den Menschen selbst. Kronos und seine Roboter beginnen, die «Infektion» zu bekämpfen und die Menschheit auszurotten. Was ihnen fast gelingt. 97 Jahre später sind nur wenige Menschen übrig und auf der Flucht vor den Robotern. Der Teenager Andrew (Julian Schaffner) erwacht eines Tages orientierungslos wie aus langem Schlaf. Er trifft auf Calia (Jeannine Wacker), die auf dem Weg nach «Aurora» ist, dem letzten sicheren Zufluchtsort der Menschheit. Nach einem Kampf mit Vagabundierenden entdeckt Calia das Geheimnis von Julian – und van Dorne beobachtet alles, fasziniert und in der Hoffnung, von den Teenagern ungewollt nach «Aurora» geführt zu werden, damit Kronos auch dorthin vordringen könnte. Doch existiert diese Welt und leben die beiden lange genug, um sie zu finden?

 
Trailer unter: https://www.youtube.com/watch?v=uADuTN4K8VQ

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