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Dossier Werdinsel

Die Limmat auf dem Weg «zurück zur Natur»

18. März 2010 von

Foto: Bildmontage: Flussbau AG

Kiesinseln beim Oberengstringer Reitplatz Hardwiese.

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Online seit
18. März 2010

Printausgabe vom
18. März 2010
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Die Limmat zwischen dem Stauwehr Höngg und der Autobahnbrücke bei Oberengstringen soll renaturiert werden. Das Projekt «Limmat-Auenpark Werdhölzli» bringt einen besseren Hochwasserschutz, mehr natürliche Lebensräume und eine Aufwertung des Naherholungsgebiets. Die Behörden informierten.

Der Hochwasserschutz an der Limmat ist über 100 Jahre alt, stellenweise defekt, und genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr: Ein Unwetter wie im Mai 1999 kann zum Überströmen der Dämme führen, damals fehlten nur wenige Zentimeter. Die Konsequenzen wären speziell für das Klärwerk Werdhölzli – in dem sämtliche Abwässer der Stadt Zürich und des mittleren Glatttals gereinigt werden – und damit für das Gebiet limmatabwärs fatal, aber auch die Grünau in Altstetten und in Oberengstringen die Grundwasserfassungen Oberwerd sowie zahlreiche Wohn- und Gewerbebauten wären betroffen. Regierungsrat Markus Kägi machte dies an der Pressekonferenz mit den Worten deutlich: «Hätte sich das Unwetter, das vor fünf Jahren über der Innerschweiz niederging, in Zürich entladen, man hätte zum Einkaufen im Shop-Ville eine Taucherausrüstung gebraucht und der Schaden für das Klärwerk Werdhölzli wäre enorm gewesen.» Die Kosten des Projekts «Limmat-Auenpark Werdhölzli» seien im Vergleich dazu eine geringe, gut investierte Summe. Die Dämme aus dem 19. Jahrhundert sind nicht auf die immer häufiger und extremer auftretenden Hochwasser, die gemäss Kägi auch eine Folge des Klimawandels sind, ausgerichtet. Damals wurden die Flüsse begradigt und in ein enges Bett gezwängt. Wo ein Fluss vorher mäandrieren konnte, musste er jetzt möglichst schnell durchfliessen. Das Umland war vor Überflutungen geschützt und wurde für Landwirtschaft und Industrie nutzbar. Auf der Strecke blieb die Natur: Der Verlust der auentypischen Lebensräume bedeutete auch einen Artenverlust im Tier- und Pflanzenreich.

Neuer Lebensraum für die Natur

Nun führen Kanton und Stadt die Limmat «zurück zur Natur», ganz im Sinne des UNO-Jahres der Biodiversität. Die 1,8 Kilometer zwischen Stauwehr Werdhölzli und der Autobahnbrücke in Oberengstringen werden renaturiert. Dabei wird der bestehende Damm teilweise landeinwärts versetzt, die Uferböschung wird zum Flachufer, die Limmat erhält mehr Raum, im breiteren Flussbett werden vier Kiesbänke und damit wertvolle Lebensräume aufgeschüttet. Der bestehende Auenwald links der Limmat auf Höhe des Klärwerks soll wieder sporadisch unter Wasser stehen und so seine natürliche Funktion als Hochwasserausgleichsfläche und Biotop zurückerlangen.

Auch der Mensch profitiert

Wie Stadträtin Ruth Genner, Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt Zürich, weiter informierte, wird der Limmat damit auch ein höherer Stellenwert als Natur- und Erholungsraum für die Bevölkerung zugemessen. Während dies im Bereich zwischen Wipkingen und Werdinsel unter dem Stichwort «urban» bereits geschehen ist, wird es nun auf dem geplanten Abschnitt naturnah geschehen. Dazu gehören nebst den genannten Massnahmen auch ein hochwassersicherer Holzsteg durch den Auenpark, von dem aus sich Pflanzen- und Tierwelt beobachten lassen. Der Zugang zur Limmat wird überall frei gestaltet sein, Kiesbänke und Findlinge im Fluss laden zum Verweilen ein. Der «Fischerweg» links der Limmat wird um einen Meter auf 3,5 Meter verbreitert und dient als Fuss- und Veloweg. Im Gegenzug soll das Fahrverbot rechts der Limmat konsequent durchgesetzt werden. Ebenfalls wird die Verbindung vom alten ewz-Kraftwerk Höngg quer über die Werdinsel ans rechte Ufer verbreitert und zum Veloweg ausgebaut, wie es der kantonale Richtplan vorsieht.

Geteilte Kosten

Der Limmat-Auenpark Werdhölzli nimmt im «Landschaftsentwicklungskonzept Limmatraum Stadt Zürich» und im kantonalen «Massnahmenplan Wasser Limmat» eine zentrale Stellung ein. Die Umsetzung wird rund 7,4 Millionen Franken kosten und wird von Bund, Kanton und Stadt gemeinsam getragen. Zudem unterstützen der WWF in Kooperation mit der Zürcher Kantonalbank und das ewz, mit einem Beitrag aus seinem «naturemade star»-Fonds, das Projekt finanziell. Zustimmen müssen noch der Zürcher Stadt- und Kantonsrat. Der erste Spatenstich ist im Sommer 2011 geplant. Die Bauzeit beträgt ein gutes Jahr, so dass der Limmat-Auenpark Werdhölzli im Herbst 2012 eröffnet werden dürfte.

Frage aus der Bevölkerung

An der öffentlichen Informationsveranstaltung am selben Abend wurde von einer Anwohnerin der Winzerhalde die Frage nach möglichem Mehrverkehr – primär von Autos – im Zusammenhang mit dem neuen Erlebnisraum Auenpark aufgeworfen, wie Ueli Stahel, Präsident des Quartiervereins Höngg, berichtete. Die Referenten verwiesen auf die gute Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr via Werdhölzli, betonten, dass keine neuen Parkplätze im Umfeld des Auenparks geschaffen würden und, sollten dennoch Probleme auftauchen, diese unter Einbezug der Polizei gelöst werden müssten. Die Frage der Anwohnerin wurde dennoch im «Problemkatalog» der Behörden aufgenommen.

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