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Dorfleben

Der Ton macht die Musik

28. Juni 2017 von

Foto: Patricia Senn

Ein einziges "Miau" sagt alles.

Foto: Patricia Senn

Bei "Ich woll' ich wär' ein Huhn" kamen gekochte Eier zum Einsatz.

Von

Online seit
28. Juni 2017

Printausgabe vom
29. Juni 2017
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Das «Sommerkonzert» machte seinem Namen alle Ehre an diesem späten Nachmittag bei gefühlten 40 Grad im Schatten. Doch das A-Capella Ensemble «Voicesix» liess sich nichts anmerken und gab einen Einblick in ein beeindruckend breites Repertoire.

«Voicesix» besteht für gewöhnlich aus sechs Sängerinnen und Sänger. An diesem Sommerkonzert jedoch fehlte die Alt-Stimme, Peter Aisslinger (Bass), der humorvoll durch die Aufführung leitete, versprach aber, dass sie am Adventskonzert wieder mit dabei sein würde. Doch auch als Quintett lässt sich A-Capella singen, wie das Ensemble in der kommenden Stunde unter Beweis stellte. Auf den Auftakt «Sing we and chant it», folgte das frühlingshafte «Now is the month of Maying», ein Stück aus dem 16. Jahrhundert. Nachdem die grosse Liebe in «A red, red rose» beschworen und versprochen wurde, holte einem die Realität am «Loch Lomond» wieder ein, wo die beiden Liebenden verschiedene Strassen eingeschlagen hatten und ihre Wege sich deshalb nie mehr kreuzen würden. Ein kleiner Sprung über den Ozean, schon kam ein Lebemann über den Missouri, um die Tochter des Häuptlings Shenandoah zu entführen. Die im Holzfäller Stil gekleideten Sängerinnen und Sänger und der nostalgische «touch» der Lieder versetzten einen innert Sekunden erst in die amerikanische Wildnis, dann blickte man sehnsüchtig über die See, und schliesslich führte die Reise zurück auf den alten Kontinent. Besonders berührend war die Interpretation des vermeintlichen Schlafliedes «Dorma Bain» von Nuot Vonmoss. Die Übersetzung aus dem Rätoromanischen, die Aisslinger vortrug, enthüllte nämlich, dass es sich vielmehr um ein Liebeslied handelte, wenn auch um ein eher trauriges. Gut, welche guten Liebeslieder sind denn nicht traurig?

Von Grillen und schwarzen Schafen

Der zweite Teil des Konzertes, das ganz ohne Pause auskam – was bei der stauenden Hitze im Speisesaal des Tertianums alleine schon eine Meisterleistung war – widmete sich den Tieren und begann mit einer «Capricciata/Contrapunto bestiale al mente», einer, zumindest aus Laiensicht, grossen gesanglichen Herausforderung für fünf Personen. Selbst in den Tierstimmen-Imitationen, die die A-Capella-Gruppe zum Besten gaben, zeigte sich das grosse Gesangstalent der Freizeit-Sängerinnen und Sänger noch. Ein persönlicher Höhepunkt bildete aber das Stück «Katzenduett» von Gioachino Rossini aus dem 19. Jahrhundert: Mit einem einzigen Wort – «Miau» – war alles gesagt, alleine durch die Intonation und vielleicht auch ein wenig durch die Gestik der Sopran- und Mezzo-Sopran-Sängerinnen. Wie sagt man noch? «C’est le ton qui fait la musique», und in dieser kurzen Nachmittagsstunde wurde der Ton perfekt getroffen. Nach dem der Löwe sich zum Schluss schlafen gelegt hatte, bedankte sich Beat Schmid, Geschäftsführer der Tertianum Residenz Im Brühl, herzlich für den Auftritt und bekannte sich als Fan, denn er habe trotz der heissen Temperaturen eine Gänsehaut vom Zuhören bekommen. Ein grösseres Kompliment gibt es nicht.

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