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Leitartikel

Brillanter Musiker mit frecher Maus

17. Mai 2016 von

Foto: Tobias Bäuerle

Charmant und mit viel Witz führte Martin O. durch sein leicht schräges, urkomisches und dann unverhofft auch mal ganz poetisches Bühnenprogramm.

Foto: Tobias Bäuerle

Martin O. in Aktion.

Foto: Fredy Haffner

Martin O. und Sponsor Lukas Staub (rechts) bei der Autogrammstunde nach dem Konzert.

Von

Online seit
17. Mai 2016

Printausgabe vom
19. Mai 2016
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Am Mittwoch, 11. Mai, begeisterte Martin O. mit seinem neuen Bühnenprogramm «Der Mausiker» das Publikum im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg.

Mit leichter Verspätung begrüsste Fredy Haffner, Verlagsleiter des «Hönggers» und Veranstalter des Konzerts im Rahmen von «Höngger KULTUR», an diesem Abend kurz nach 20 Uhr die rund 200 Gäste und entschuldigte sich gleich für die technischen Probleme, die zu der Verzögerung geführt hatten. Erleichtert stellte er fest, dass nun alles für die Show bereit sei und bedankte sich beim Sponsor Lukas Staub von «Velo Lukas» für die Ermöglichung des Konzerts. Nicht nur die Idee, den «Mausiker» nach Höngg einzuladen, sei von Staub gekommen, auch die Finanzierung des Abends sei durch ihn sichergestellt worden, erklärte Haffner dem Publikum in seinen kurzen Einführungsworten, bevor er die Bühne für Martin O. freigab.

Eine Stimme in vielfacher Ausführung

Jodelnd betrat dieser die Bühne, in der Hand das für seine Show wichtigste Utensil, das «Symphonium». Dieses Instrument, aus «bestem Appenzeller Holz» gefertigt, wie er augenzwinkernd erklärte, erinnert vom Aussehen her zwar an den Halsteil eines Cellos, ist in Wahrheit aber ein Aufnahmegerät. Betätigt O. die grossen blauen Tasten dieses magischen Geräts, kann er Gesang oder Geräusche in digitaler Tonqualität aufnehmen und anschliessend in endlosen Loops wieder abspielen. Mit jeder der sieben Tasten lässt sich eine eigene Tonspur aufnehmen, so dass mit ganz einfachen Mitteln unglaubliche Soundeffekte produziert werden können. Aus dem einfachen Jodel zur Begrüssung etwa wurde auf diese Weise ein mehrstimmiger Kanon, unterlegt mit Rhythmus und Basslinie, es entstand ein ganzes Orchester, bestehend aus nur einer Person.

Die Hausmaus als stete Begleiterin

Auf den Jodel folgte Reggae: Mit einem eigens auf Zürich und vor allem auf Höngg abgestimmten Song bedankte sich Martin O., der eigentlich Martin Ulrich heisst, auf seine ganz eigene Art für die Einladung nach Höngg und widmete gleich auch noch «Velo Lukas» den einen oder anderen, freundlichen Refrain. Dann wurde es Zeit, seine Freundin und Begleiterin vorzustellen, die in einem alten Geigenkasten lebende Hausmaus. Zu sehen bekam das Publikum die fiktive Freundin leider nie, doch machte sie sich stets durch das Heben des Deckels des Geigenkoffers bemerkbar, wenn sie wieder einmal gefüttert werden wollte. Die Maus, so erzählte er, habe schon seinen Urgrossonkel durch das ganze Leben begleitet und sei nun auch seine Freundin in allen Lebenslagen. Mit viel Humor schilderte er die Geschichte der Reise seines Urgrossonkels um die ganze Welt, mit Geige und Maus im Gepäck. In jedem Land und in allen möglichen Stilrichtungen habe sein Urgrossonkel seine musikalischen Spuren hinterlassen und so einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, das Appenzeller Kulturgut in die Welt zu tragen. Natürlich durften die Beispiele für diese Kulturübermittlung nicht fehlen, und so wechselte O. virtuos vom klassischen Violinkonzert über mittelalterliche Kirchenmusik zu Volksmusik, Country und Pop und flocht überall noch eine kleine Prise «Vogellisi» oder «Mir Senne hei‘s luschtig» ein. Dabei bewies er, dass er nicht nur ein exzellenter Sänger, Violinist und Beatboxer ist, sondern auch ein grosser Sprachen- und Geräuschimitator. Ob in Englisch, Französisch, Italienisch oder in einem afrikanischen Dialekt, seine Songs klangen immer authentisch, und erst bei genauerem Hinhören liess sich erkennen, dass es sich bei der gesungenen Sprache um ein Fantasieprodukt handelte. Eines der Highlights des Abends stellte zudem das Dudelsackkonzert dar, das er allein mit seiner Stimme und dem «Symphonium» produzierte. Hätte man es nicht besser gewusst, man wäre versucht gewesen, die Dudelsackspieler hinter dem Vorhang suchen zu gehen, so täuschend echt war das Klangerlebnis.

Witzig und spontan mit viel Spass an der Sache

Charmant und mit viel Witz führte O. durch sein leicht schräges, urkomisches und dann unverhofft auch mal ganz poetisches Bühnenprogramm und griff immer wieder spontan und mit viel Improvisationstalent all das auf, was am Konzertabend so alles passierte. So wurde nicht nur das Elektrovelo von «Velo Lukas» zu einem «running gag», sondern auch die technischen Probleme und das plaudernde Baby aus dem Publikum wurden gekonnt in die Show eingefügt. Interaktiv ging er zudem immer wieder auf «Stimmenfang» im Publikum und liess aus dem Gesammelten die verrücktesten Soundteppiche entstehen. Immer rasanter wurde die Show und immer verrückter die Geschichte mit der Maus, die den Musiker eingeschnappt verlässt, als er sich nicht an ihre Anweisungen hält. Glücklicherweise kulminierte alles schliesslich in einem grandiosen Happy End, in dem O. noch einmal nach Herzenslust alle Register seines Könnens ziehen konnte. Bei der Zugabe zum Abschluss des Abends wuchs er gar richtig über sich hinaus, als er seine Versionen alter Pop- und Rockhits zum Besten gab. Der tosende Applaus des Publikums zum Abschied bewies, dass dieses mindestens ebenso viel Spass an dem Konzertabend gehabt hatte wie O. selbst. «Don´t worry, be happy», sang er zum Abschied, und zumindest für diesen Abend stimmte der Text sicher für alle Anwesenden.

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