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Bis heute wurde nichts realisiert

12. April 2017 von

Foto: Fredy Haffner

(Zu Empfehlungen 5 und 6) Hier sollen Bus- und Tramstation zusammengelegt werden.

Foto: Fredy Haffner

(zu Empfehlung 4) Stauverlagerung: Nur hier, vor dem Zwielplatz stadteinwärts, könnte etwas verbessert werden, sagen die Experten.

Foto: Fredy Haffner

(Zu Empfehlung 11) Bäulistrasse: Keine der geprüften Varianten bringt Abhilfe. Es bleibt alles wie es ist. Eng und gefährlich.

Foto: Fredy Haffner

(Zu Empfehlung 1) Die Abklassierung der Achse Am Wasser/ Breitensteinstrasse ist abgelehnt worden und «Tempo 30 durchgehend» ist durch Einsprachen blockiert.

Foto: Fredy Haffner

(zu Empfehlung 7) Der Engpass vor dem Haus Am Wasser 108 bleibt noch einige Jahre. Sicher ist man als Fussgänger erst hangseitig, hinter der Stützmauer.

Foto: Fredy Haffner

(Zu Empfehlung 2) Ein Tunnel unter dem Rebberg? Chancenlos wie eh und je. Schon das «Cabaret Rotstift» besang einst sein Fehlen.

Von

Online seit
12. April 2017

Printausgabe vom
13. April 2017
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Der Verkehr in Höngg ist ein Dauerthema. Schon immer, doch insbesondere seit die Stadt 2010 etwas dagegen tun und am Meierhofplatz ein neues Verkehrskonzept testen wollte – Stichwort «Rechtsabbiegegebot» – und damit in Höngg einen mittleren Aufstand auslöste. Wo «steht» Höngg heute?

Etwas Gutes hatte die 2010 erfolgte Ausschreibung des Versuchs mit einem neuen Verkehrskonzept am Meierhofplatz: Man betrachtet seither die Situation nicht mehr punktuell, sondern im ganzen Kontext «Verkehr Kreis 10». Dies im Wissen darum, dass jede lokale Massnahme Auswirkungen an anderen Stellen zeitigt. Löst man hier ein Problem, ergibt sich – passt man nicht auf – anderswo ein neues. In der Folge wurde 2012 der «Mitwirkungsprozess Verkehr Kreis 10» initiiert. Dort sassen 30 Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien, Quartier- und Gewerbevereine, Interessengemeinschaften, Kirchgemeinden und Einzelpersonen aus Höngg und Wipkingen zusammen und erarbeiteten letztlich 17 Empfehlungen zuhanden des Stadtrats. Im Mai 2013 wurde der Schlussbericht zum Mitwirkungsprozess veröffentlicht und der «Höngger» berichtete über jene Empfehlungen, welche Höngg direkt betreffen (siehe Infobox). Danach überreichten Ende Januar 2014 die Gemeinderatsfraktionen der SP, Grünen und GLP ein Postulat und forderten den Stadtrat auf, dem Gemeinderat jeweils spätestens nach zwei und vier Jahren (gerechnet ab Mai 2013) Bericht über die Umsetzung der Empfehlungen zu erstatten. Der Stadtrat entsprach dieser Forderung in einer Weisung vom 17. Juni 2015. Der «Höngger» zeigt auf, wie die Antworten damals lauteten und was aktuell der Stand der Dinge ist.

Wird der Meierhofplatz zur Tempo-30-Zone?

(Zu Empfehlungen 5 und 6) Auch zum Thema der unbefriedigenden Situation im öV-Haltestellenbereich am Meierhofplatz waren Empfehlungen abgegeben worden. Die Stadt veranlasste eine Machbarkeitsstudie, die fünf Optimierungsvarianten definierte. Unterdessen wurde, so meldet die DAV aktuell, die Bestvariante definiert. Diese sieht vor, die stadtauswärtsführende 46er-Bushaltestelle mit der vor dem Polizeiposten liegenden 13er-Tramhaltestellen zusammenzulegen. Die Umsetzung muss aber bis mindestens 2021 warten: «Das Projekt wird koordiniert mit dem Bauprojekt Limmattal-/Hönggerstrasse, das von 2019 bis 2021 gebaut wird, direkt im Anschluss wird dann am Meierhofplatz weiter gebaut». Die Möglichkeit, diese gemeinsame Haltestelle auch gleich vor die Einmündung der Strasse «Gässli» zu verlegen scheint keine Option zu sein. Die Umsteigewege auf den 80-er Bus bleiben für die Fahrgäste stadtauswärts folglich schlecht, ihr traditioneller Spurt zwischen Polizeiposten und Post Höngg darf unter «im Sinne der Volksgesundheit» abgebucht werden. Tangiert ist auch die Empfehlung «Quartierzentrum (Meierhofplatz) aufwerten». Schon im November 2014 wurde vermeldet, dass im Rahmen der Strassenlärmsanierung auf der Regensdorferstrasse zwischen Wieslergasse und Gsteigstrasse Tempo 30 publiziert worden sei, dies aber durch Einsprachen blockiert wurde. 2015 heisst es in der Weisung dann, dass das Tempo-30-Regime künftig im ganzen Bereich des Quartierzentrums Meierhofplatz gelten solle. Eine verkehrstechnische Abklärung eines Ingenieurbüros hat bestätigt, dass Tempo 30 auf dem Meierhofplatz grundsätzlich machbar ist und den Verkehrsablauf von MIV und öV nur geringfügig beeinflusst. Mittlerweile ist Tempo 30 für den ganzen Quartierzentrumsbereich ausgeschrieben. «Diese Verkehrsvorschriften sind allerdings noch nicht rechtskräftig, da noch Rechtsmittel hängig sind», ergänzt Heiko Ciceri, Mediensprecher der DAV gegenüber dem «Höngger».

Stauverlagerung nur in der Limmattalstrasse stadtauswärts möglich

(Zu Empfehlung 4) Angeregt hatten die Workshop-Teilnehmer 2012, die Rückstauerscheinungen auf der Limmattalstrasse, die infolge des Lichtsignals am Meierhofplatz entstehen, seien auf Strecken vorzuverlagern, auf denen vom Tramtrassee unabhängige Spuren für den motorisierten Individualverkehr zur Verfügung stehen. Schon der Zwischenbericht 2014 hatte gezeigt, dass bei den Knoten Regensdorfer-/Frankentalerstrasse und Emil-Klöti-/Gsteigstrasse kein weiteres Optimierungspotential möglich ist, und auf der Limmattalstrasse zwischen Schwert und Meierhofplatz wird eine Dosierung nicht empfohlen. Einzig eine Dosierung am Zwielplatz in Richtung Meierhofplatz wurde für prüfenswert gehalten. Dies wolle die DAV testen, hiess es 2015, dazu müsse man jedoch die im Strassenbelag eingelassenen Detektoren verschieben, was idealerweise anlässlich der geplanten Bauarbeiten im Rahmen des Bauprojekts Limmattalstrasse ausgeführt wird. Vorausgesehen war dies ebenfalls für 2015, die Sanierungsarbeiten sind seither jedoch durch Einsprachen von 37 Anwohnern blockiert (siehe «Höngger» vom 7. Juli 2016). Aktuell meldet die DAV jedoch vorsichtig, man sehe vor, die «Stauverlagerung Limmattalstrasse West noch in diesem Jahr umzusetzen». Denn man könne, wenn auch nicht so effizient, den Test auch mit den bestehenden Detektoren durchführen und müsse nicht zwingend auf die Strassensanierung warten.

Kein Tunnel ab Europabrücke

(Zu Empfehlung 2) Im November 2014 hatte die Stadt informiert, dass verschiedene Tunnelvarianten zur Entlastung von Höngg schon geprüft worden seien. Gezeigt habe sich, dass nur Tunnelvarianten zwischen der Europabrücke und dem Hönggerberg, beziehungsweise bis nach Affoltern an die Wehntalerstrasse grössere Wirkung entfalten könnten – diese wolle man durch ein Ingenieurbüro vertieft untersuchen. Der Weisung des Stadtrates vom 17. Juni 2015 ist zu entnehmen, dass diese Untersuchungen gezeigt haben, dass der Meierhofplatz durch einen Tunnel zum Teil erheblich entlastet werden könnte. Negative Folge: Deutlicher Mehrverkehr bei den Tunnelportalen – und grobe Schätzungen nannten Baukosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich. «Bei erzielbaren Tunnelauslastungen von 15’000 bis 20’000 Fahrzeugen pro Tag stehen diese Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen und den zu erwartenden negativen räumlichen Auswirkungen eines solchen Tunnels», heisst es in der stadträtlichen Weisung. Und der Tunnel werde deshalb nicht weiter verfolgt, die Abklärungen zu dieser Empfehlung seien damit abgeschlossen. Somit ist auch die im eingangs erwähnten Postulat gemachte Forderung, man solle die Empfehlung «nicht weiterverfolgen», erfüllt. Im Nachhinein möge die Frage erlaubt sein, mit welcher Rechtfertigung die Postulanten die Streichung einer Anregung gefordert hatten, die in einem Mitwirkungsprozess erarbeitet und überwiesen worden war? Immerhin waren alle Parteien an dem Prozess beteiligt, und so scheint es sonderbar, zu einer Empfehlung, der man offenbar nicht wohlgesonnen war, im Nachhinein in einem Postulat eine Streichungs-Empfehlung abzugeben.

Am Wasser/Breitensteinstrasse bleibt eine Verbindungsstrasse

(Zu Empfehlung 1) Aus der Anregung, die Strasse abzuklassieren, wird wie schon im Zwischenbericht 2014 angekündigt, nun definitiv nichts. Die Weisung dazu: «Im Rahmen der Gesamtrevision des regionalen Richtplans aus dem Jahr 2000 hat die Stadt Zürich die Klassierung der überkommunalen Strassenabschnitte beurteilt. Für die Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse ist im Einvernehmen mit dem Kanton vorgesehen, die regionale Klassierung als Verbindungsstrasse zu belassen, da keine gleich leistungsfähigen Alternativrouten bestehen. Die Abklärungen zu dieser Empfehlung sind damit abgeschlossen.»

Tempo 30 Am Wasser/Breitensteinstrasse ist blockiert

(Zu Empfehlung 9) Der «Mitwirkungsprozess Verkehr Kreis 10» empfahl 2012 auch, auf der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse nachts Tempo 30 zu signalisieren. Die Stadt schrieb dazu im Sommer 2014 einen Pilotversuch aus, der aber seither durch Einsprachen der Automobilverbände blockiert ist. Mittlerweile liegt der Fall beim Verwaltungsgericht. Doch unterdessen ist für die ganze Achse ein permanentes Tempo 30 ausgeschrieben. «Ziel ist es», so DAV-Mediensprecher Heiko Ciceri, «nach dem Pilotversuch mit ˂Tempo 30 nachts˃ für die ganze Achse ˂T30 permanent˃ umzusetzen» – und fügt ein vorsichtiges «sofern diese Verkehrsvorschrift irgendwann rechtskräftig wird» an.

Engpass bleibt mindestens bis 2023

(Zu Empfehlung 7) Etwas getan hat sich bekanntlich zwischenzeitlich am Engpass im Bereich Am Wasser 108: Hangseits wurde Mitte Dezember 2015 die Trottoirlücke geschlossen, der neue Gehweg verläuft hinter einer Stützmauer. Wenigstens dort sind die Fussgänger seither sicher. Doch der Engpass bleibt gefährlich: Talseitig besteht das «Trottoir» noch immer aus einer schmalen, gelben Strassenmarkierung. Aktuell sei keine Verbesserung geplant, lässt die DAV nach Rücksprache mit dem Tiefbauamt verlauten. Gelöst werde das Problem wohl erst mit dem Neubau der ganzen Strasse, voraussichtlich 2023. Das ist elf Jahre später als erstmals angekündigt: am 3. Dezember 2009 konnte der «Höngger» berichten, dass der gesamte Abschnitt zwischen Hardturmsteg und Europabrücke bereits 2012 neu gebaut und umgestaltet werden soll.

Bäulistrasse: es bleibt alles wie gehabt

(Zu Empfehlung 11). Sieben Anregungen hatten sich 2012 ergeben, um den «Schleichverkehr» durch die Bäulistrasse zu verringern. Alle wurden mit der Anwohnerschaft besprochen, geprüft und der Verkehr gemessen. Die Weisung des Stadtrates von 2015 hält unmissverständlich fest, dass «keine der untersuchten Varianten Aussicht auf Akzeptanz hat, da die einzelnen Bedürfnisse zu verschieden und die Räumlichkeiten zu begrenzt sind. Die Abklärungen zu dieser Empfehlung sind damit abgeschlossen».

Das Letzte ist das Erste

Etwas, das sich erst letztes Jahr als Verbesserungsmöglichkeit ergab, steht indes möglicherweise kurz vor der Realisierung: Der Fussgängerübergang an der Limmattalstrasse, bei der Einmündung der Bauherrenstrasse, soll sicherer werden, wie sich dies engagierte Eltern gewünscht hatten («Höngger vom 24. November 2016). Die DAV empfahl damals, stadteinwärts und talseitig des Übergangs den Randstein zu korrigieren und somit die Fahrspur leicht zu verschmälern, um die zweite Fahrspur stadteinwärts erst nach dem Fussgängerstreifen freizugeben. Der Fussgängerübergang wird dadurch verkürzt und die Sichtverhältnisse verbessert. Nun läuft, da die Limmattalstrasse eine überkommunale ist, ein Bewilligungsverfahren beim Kanton. Das Tiefbauamt der Stadt Zürich (TAZ) rechnet damit, dass die Massnahme im Herbst 2017 realisiert werden kann.

Eine magere Ausbeute

Total acht Empfehlungen des Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10 betrafen Höngg unmittelbar. Drei davon wurden nach weiteren Abklärungen abgeschlossen, ohne dass sich etwas ändern wird. Drei werden ganz oder teilweise weiterverfolgt, werden aber aktuell noch durch andere Vorhaben «verzögert», und die beiden restlichen sind durch Einsprachen blockiert. Realisiert wurde nichts. Das scheint eine magere Ausbeute hinsichtlich all des Engagements, das alle Beteiligten einbrachten, um Verbesserungen zu erzielen. Von den Mitwirkenden damals über die involvierten städtischen Amtsstellen bis hin zu den externen Experten. Oder wie Wolf Biermann einst sang: «Das kann doch nicht alles gewesen sein…»

Der «Höngger» konzentrierte sich in allen Berichten auf die Auswertung der für Höngg direkt relevanten Themen – auch wenn dies nicht im Sinne des Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10 ist, der berechtigterweise davon ausgeht, dass die Thematik quartierübergreifend betrachtet werden muss, da Veränderungen am einen Ort immer auch Auswirkungen auf andere Orte haben.

Wie sich alles entwickelte? Nachlesen im Dossier «Verkehr Höngg/Kreis 10» unter http://hoengger.ch/dossiers

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