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Ratgeber

Bei einem der besten Inder der Stadt

11. April 2017 von

Foto: Höwi

Chicken Tikka Masala, mariniertes, im Ofen gegrilltes Poulet mit Beilagen.

Foto: Höwi

Vorspeise mit frittierten Zwiebeln und «Samosa» in Kichererbsen-Teig.

Foto: Höwi

Chicken Tikka Masala, mariniertes, im Ofen gegrilltes Poulet mit Beilagen.

Foto: Höwi

Kulfi, Glacé nach indischer Art, zubereitet aus eingekochter Milch.

Foto: Höwi

Pratiksha Patel, Gastgeberin, mit Dessert vor dem Banyan-Baum aus Styropor.

Foto: Höwi

Suresh Patel, der Gastgeber, mit seinem Küchenchef Goldie Harne.

Von

Online seit
11. April 2017

Printausgabe vom
13. April 2017
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Wo gehen wir essen? Beim Italiener? Mexikaner? Inder? Wer gerne «ännet dem Haag» isst, muss in Höngg nicht lange suchen. Und dass unser Inder zu den besten gehört, hat «Zürich geht aus» schon vor Jahren festgestellt. Auch den Fernsehleuten vom Leutschenbach sind die Qualitäten nicht entgangen: Im März war «die grosse Königin» – Maharani ist die weibliche Form von Maharadja – in der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» zu sehen. Ein perfektes Timing, denn in diesem Jahr feiert das Maharani sein 15-jähriges Jubiläum in Höngg.

Begonnen haben Suresh Patel und seine Frau Pratiksha vor 24 Jahren an der Weststrasse. Gerade mal acht Tische hatte das «Maharadscha», wie die beiden ihr Lokal damals nannten. Rasch wurde der folkloristisch aufgemachte Gourmettempel zum Geheimtipp, samt Kellner mit Turban und indischen Holzstühlen mit Glöckchen dran. Die «Schweizer Familie» widmete ihm 2002 sogar ganze acht Seiten. Auch für grosse indische Reisegruppen wurde das Lokal rasch zur Anlaufstelle – und deshalb bald zu klein, worauf die Patels nach Höngg wechselten.

Am Mittag von Höwis Besuchstag ist das Restaurant zunächst fast leer, doch dann rollen drei Busse vor, randvoll mit insgesamt 160 indischen Touristen. «Sie kommen in den Sommermonaten in die Schweiz, weil es dann in Indien unglaublich heiss ist», so Suresh Patel. Obwohl es hinter den Kulissen hektisch zu und hergeht, nimmt er sich Zeit für den «hohen Besuch» von der Quartierzeitung. Bevor er sich aufs Wirten verlegte, war Patel in jungen Jahren Elektroingenieur. Er hätte aber ebenso gut Journalist werden können: Wie es weiter gehe in der «Alten Trotte»? Ob etwas Neues komme im ehemaligen «Argentina»? Und was ist mit dem «Grüntal» in Wipkingen? Alles will er wissen, erzählt aber auch selber gerne, vor allem von seiner Familie. Dass er einen Sohn habe, der an der ETH Informatik studiere. Und eine Tochter, die in den USA den Bachelor in Wirtschaft mache. Und dass beide auf keinen Fall in die Gastronomie wollen. Zuviel Präsenzzeit, zu viel Unsicherheit und Konkurrenz – auch in Höngg. Suresh Patel lacht sein Lachen, bei dem man nicht anders kann als zurückzustrahlen: «Über die Nachfolge mache ich mir keine Sorgen, solange ich kann, werde ich hier weiter wirten, sagt der 60-Jährige». Was beruhigend ist, denn in dieser Lokalität haben es zuvor mindestens ein Dutzend Vorgänger versucht.

Nordindische Spezialitäten

Je heisser das Klima, desto schärfer wird in der indischen Küche gewürzt. Also setzt das Maharani auf die nordindische Küche, die milder ist als die Südindische und dem Geschmack der Schweizer besser entspricht. Viele Gerichte basieren auf Saucen mit Joghurt, Mandeln, Cashewnüssen, Curry und Rahm. So auch das Chicken Tikka Masala, das Höwi als Hauptgang geniesst. Das Pouletfleisch wird 24 Stunden mariniert, dann gegrillt und an einer würzigen Sauce serviert. «CTM», wie man es in England abgekürzt nennt, gehört zu den beliebtesten Spezialitäten. 2001 sorgte der damalige britische Aussenminister Robin Cook für Irritation, als er CTM sogar zum britischen Nationalgericht kürte. Dieses Etikett passt freilich fast so gut auch auf das verwandte «Tandoori Masala» mit gegrilltem Lamm- oder Pouletfleisch, bei dem Kreuzkümmel, Koriander und Safran zur Marinade kommen. Und häufig auch etwas Lebensmittelfarbe, damit das Ganze schön rot wird. Auch bei Höwis erstem Gang ist die Sauce eine wichtige Komponente. Es sind in Kichererbsenteig frittierte Zwiebeln und Gemüseteigtaschen. Tamarinde und Datteln verleihen dem flüssigen, dunkelbraunen Chutney eine süss-saure und angenehm pikante Note.

Glace auf indische Art

Mit Kulfi, einer Eiscréme nach indischer Art, beschliesst Höwi seine kulinarische Reise bei der «grossen Königin». Optisch gleicht das Glacé einem Semifreddo, zubereitet wird es jedoch aus Milch, die so lange eingekocht wird, bis nur noch «Khoa», eine dicke Masse, übrigbleibt. Mindestens so beliebt ist «Khir», ein Milchreispudding, erklärt Pratiksha. Oder «Gulab Jamun», ein Gebäck aus Khoa mit Sirup. Pratiksha muss es wissen, denn sie ist es, welche die Gäste charmant und am Abend in traditioneller indischer Kleidung bedient. Höwis Eindruck: Interessant wird die indische Küche, wenn man sich auch mal die Landkarte vor Augen hält, wo jede Region ihre Spezialitäten hat, ihre eigenen Gewürze und Brote, bei denen vor allem Fladenbrote auf den Tisch kommen. Höwis Liebling ist «Paratha», die mehrlagige, in Butter gebratene Variante, die man in Nordindien auch zum Frühstück isst.

Und vegi?

Das ist bei der indischen Küche kein Problem, wie sich im Maharani zeigt: Ein Dutzend vegetarische Gerichte stehen auf der Menükarte, darunter «Paneer Makhani». Das ist gebratener Frischkäse an Tomaten-Buttersauce mit Kernen von Cashewnüssen. Höwi hat kurz einen Blick in die Küche geworfen, wo Goldie Harne eben daran war, eine riesige Schüssel davon zuzubereiten. Der Frischkäse wird vom Koch täglich frisch zubereitet. Ein Restaurant auch als Käserei! Wo gibt es das sonst noch?

Sonntag 11. Juni, Mango-Fest

Sporadisch führt das Maharani «Festivals» durch. Das Letzte war das «Fest der Farben» im März, bei dem unter anderem ein kühles Milchgetränk mit Anis und Kardamon serviert wurde, sowie typischer indischer Streetfood. Das nächste findet am Sonntag 11. Juni statt und ist der Mango gewidmet. Geniessen kann man zum Beispiel pürierten Mangosaft und als Hauptgang indischen Gemüseeintopf mit Mango.

Kritik

Schade, dass das Menüangebot auf der Website nicht mit Fotos angereichert ist. Das Auge isst mit, und mancher Gast könnte sich so schon im Voraus für den einen oder anderen «Kandidaten» entscheiden. Dann der Baum! Der wächst gleich nach dem Eingang in den Himmel. Keine Reportage, bei der dieser «Banyan» nicht auf einem Foto erscheint, notabene auch bei Höwi nicht! Aber schön ist anders, denn er ist aus Styropor und nicht gerade «täuschend echt» bemalt. Klar konnte man da keinen echten Ficus benghalensis eintopfen. In der freien Natur wird der bis zu 30 Meter hoch, zudem wachsen an seinen Ästen überall Luftwurzeln, die sich am Boden verdicken, sodass ein Mangroven-ähnliches Gebilde entsteht, das Dutzende von Quadratmetern einnehmen kann. Die Vorstellung, dass das ganze Restaurant zum Dschungel würde, ist freilich reizvoll. Und solche Informationen sollte man den Gästen liefern – zum Beispiel auf der ersten Seite der Menükarte. Etwas «Naturkunde» kann spannend sein.

Restaurant Maharani
Limmattalstrasse 252, 8049 Zürich-Höngg
Telefon 043 300 45 55
www.maharani.ch
Dienstag bis Freitag 11 bis 14 Uhr und 18 bis 23 Uhr
Samstag und Sonntag 18 bis 23 Uhr
Montag Ruhetag

Zum Autor
Er nennt sich Höwi, ist ein stadtbekannter Gastrokritiker und Buchautor und schaut den kochlöffelschwingenden Profis im Kreis 10 in die Töpfe. Die Gastrokolumne erscheint monatlich im Höngger und alle drei Monate im Wipkinger.

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