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Begehrte Höngger Allmend

30. August 2017 von

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Online seit
30. August 2017

Printausgabe vom
31. August 2017
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Vom Leichtathletikplatz und einer Kunsteisbahn bis hin zum GC Trainingsplatz: Man hatte schon grosse Pläne für die Höngger Allmend. Nicht zuletzt der Verschönerungsverein Höngg (VVH) setzte sich aber vehement für die Erhaltung der beliebten Grünfläche ein.

Die Allmend Hönggerberg erstreckt sich vom Waldrand hinter dem 300-Meter-Zielhang des Schiessstandes zur Kappenbühlstrasse und in östlicher Richtung bis zur Höhe Gsteigstrasse. Heute finden der Turnverein, die Schiessplatzgenossenschaft, zwei Fussballfelder des SVH, der Findlingspark und Familiengärten auf dieser Fläche Platz. Wie in allen Erholungsgebieten rund um die Stadt beanspruchen auch Sportler, Spaziergänger und Hundehalter diesen Raum. Wahrscheinlich entstanden die Allmenden der Stadt bereits zu der Zeit der ersten Besiedlungen. Sie waren jeweils im gemeinsamen Besitz der Gemeinde und wurden entsprechend gemeinschaftlich genutzt und bewirtschaftet. Bis 1933 vergantete auch die damals noch selbständige Gemeinde Höngg jährlich das Heu und Gras dieser Fläche, so ist es in der Ortsgeschichte Höngg nachzulesen. Mit der Bauzonenordnung (BZO) von 1946 führte die Stadt die sogenannte Grünzone oder Freihaltungszone ein. Davor gab es, abgesehen von Wald und Gewässern, keine Zonen, auf denen nicht grundsätzlich hätte gebaut werden können. Angesichts der hohen Bautätigkeit in der Stadt wollte man sicherstellen, dass manche Flächen frei bleiben würden. Bei den Landbesitzern regte sich starker Widerstand, es ging bis vor das Bundesgericht, welches die Grünzonen als nicht gesetzeskonform bewertete. Erst musste das Kantonale Baugesetz geändert werden. In «Gerechter – Die Entwicklung der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich» ist dazu zu lesen: «Mit Freihaltezonen sollten das Orts- und Landschaftsbild oder Aussichtslagen geschützt werden; gleichzeitig dienten sie der Gliederung grösserer zusammenhängender Siedlungsgebiete und als Erholungsräume für die Bevölkerung. In der Freihaltezone waren nur Bauten zulässig, die für deren Bewirtschaftung nötig waren und sich mit dem angestrebten Zonenzweck vertrugen. Dabei dachte man – ausser an landwirtschaftliche Gebäude – vor allem an kleine Sportplatzbauten und an Häuschen in Schrebergärten». Erst 1969 konnten Freihaltezonen, die eigentlich bereits seit 1946 vorgesehen waren, in der BZO rechtlich umgesetzt werden. Für bestimmte Bereiche – wie den Hönggerberg, die Altstadt und die Bahnhofstrasse – wurden anfangs der 1960er Jahre Spezialbauordnungen erlassen.

«Olympikon» auf dem Hönggerberg

Bereits im Juni 1963 wurde eine neue Bauzonenordnung verabschiedet. Diese spiegelte den Bau-Grössenwahn der späten 50er und frühen 60er Jahre. Selbst die Stadt schreibt im oben erwähnten Bericht, dass die BZO 63 «aus heutiger Sicht zu grosse Kapazitäten und Ausnützungsreserven in den Bauzonen [schuf], ohne deren Sinn zu hinterfragen». Mit dieser Einsicht im Hinterkopf lässt sich vielleicht verstehen, wie es zu der Idee kommen konnte, auf der Allmend Höngg ein riesiges Sportzentrum entstehen zu lassen. Kurz zuvor hatte die Stadt das sogenannte «Raumprogramm» genehmigt: Nicht weniger als sieben Spielplätze für Fuss- und Handball, ein Leichtathletikplatz mit 400-Meter-Rundbahn, eine Schulspielwiese und Hockeyplatz, ein Hartplatz mit Beleuchtung, der im Winter als Eisbahn benützt werden kann, vier bis sechs Tennisplätze, eine Kunsteis- und Rollschuhbahn und 300 unterirdische Parkplätze waren angedacht – kurz: Magglingen hätte alt ausgesehen daneben. Der Stadtrat begründete die Idee damit, dass eine Kunsteisbahn auf dem Hönggerberg, aufgrund der gewachsenen Bevölkerung in den Quartieren Höngg, Altstetten, Wipkingen und Affoltern einem Bedürfnis entspräche. Just in dieser Zeit rückte allerdings die Zentrumsplanung Höngg stärker in den Vordergrund, sodass das Thema höchstens noch als Randnotiz in den Medien auftauchte. Erst mit dem Beginn des Ausbaus der Emil-Klöti-Strasse 1971 rückte der Hönggerberg schliesslich wieder ins Blickfeld und damit auch das geplante Sportzentrum.

Weise Voraussicht des Verschönerungsvereins

Aus heutiger Sicht, da der Naherholungsraum immer stärker unter Druck gerät, kann man froh sein, bewies der inzwischen verstorbene, ehemalige Präsident des Verschönerungsvereins Höngg, Peter Trautvetter, Weitsicht. Er setzte sich vehement gegen das geplante Grossprojekt auf dem Hönggerberg ein. Unter dem Titel «Kampf um den Hönggerberg» publizierte der Vorstand des Vereins im Jahr 1971 mehrere Artikel im «Höngger» und machte sich für die Erhaltung des Hönggerbergs stark. Er appellierte nicht gegen die Sportanlage, sondern für eine «passive Erholung»: «(…) das Spazieren, das Sitzen auf einer Bank, das Betrachten der Natur». Entschleunigung war scheinbar schon damals ein Thema. Ein solches Erholungsgebiet müsse schön sein und leicht zu erreichen, der Hönggerberg erfülle eben diese Eigenschaften. Innert weniger Tage sammelte er 350 Unterschriften und zahlreiche Wortmeldungen aus der Bevölkerung. Im Rahmen der Zürcherischen Umweltschutzwoche liess der Verschönerungsverein den Artikel sämtlichen Stadträten und dem Stadtpräsidenten zukommen, doch nur Stadtrat Baur reagierte. Aus noch unerfindlichen Gründen verschwand dieses Thema jedoch plötzlich aus dem öffentlichen Blick, bis Redaktionsschluss konnte nicht herausgefunden werden, wie und wann die Stadt entschlossen hatte, die Idee eines Sportzentrums auf dem Hönggerberg fallen zu lassen. Gemäss Auskünften des Hochbaudepartements ging dieses Projekt nie über die Vorprojektphase hinaus.

Nichts gegen die Grasshoppers, aber …

Als Ende der 90er Jahre die Fussballer des GC Zürichs nach neuen Trainingsplätzen suchten, kam das Areal «Im Grund» auf dem Hönggerberg in den Fokus der Stadt. Das ist das Gebiet zwischen Turnplatz, Waldrand und Emil-Klöti-Strasse. Die Bau- und Zonenordnung 1998 hatte diese Ebene in die Erholungszone Zone E1 eingeteilt, welche auch Sportanlagen inklusive Garderoben und Verpflegungsstätten erlaubt. Geplant waren rund fünf Fussballfelder mit Flutlichtanlagen, Ballfangeinrichtungen und Garderoben. Die Vereine Hönggs, ein grosser Teil der Bevölkerung und Politiker von links bis rechts wehrten sich daraufhin so entschieden gegen die Idee, dem GC das Baurecht auf dem Höngger Berg abzutreten, dass die Neue Zürcher Zeitung das Verhalten der Höngger mit der Abwehrtaktik «Catenaccio» verglich: «Beim Catenaccio zieht sich die ganze Mannschaft vor dem Strafraum zusammen und verteidigt mit vereinten Kräften». In einem Leserbrief schrieb Trautvetter: «Nichts gegen den GC, aber Fussball spielen kann man auch anderswo». In einem offenen Schreiben im «Höngger» vom 30. April 1998 forderte der damalige Gemeinderat und Architekt Marcel Knörr die Bevölkerung auf, sich am Mitwirkungsverfahren der Stadt zu beteiligen und – seinem Beispiel folgend – der Stadt zu schreiben, dass das Gebiet «Im Grund» in eine Freihaltezone A (Allmend) eingeteilt werden solle. Knörr erinnert sich noch gut an eine «Kontradiktorische» Veranstaltung in der Mülihalde. Nationalrat Ueli Bremi moderierte die Diskussion, Ernst Cincera vertrat die Höngger Politik und der GC war durch Heinz Spross und Erich Vogel vertreten. Die Tendenzen im Saal seien sehr schnell klar gewesen, und bei einer Abstimmung unter den Anwesenden stimmte eine deutliche Mehrheit gegen die geplanten Plätze – darunter auch bekennende Fussballfans, erzählt Knörr. Der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) hatte ebenfalls einen Antrag auf Umzonung eingereicht mit der Argumentation, dass das Gebiet zusammen mit dem angrenzenden Wald und den bestehenden Obstgärten eine Einheit bilde, die insbesondere für die Tierwelt von grosser Bedeutung sei. Peter Trautvetter fand klare Worte, als er darauf aufmerksam machte, dass mit dem Bau dieser Sportplätze das Problem der mangelnden Fussballfelder in der Stadt nicht gelöst sei, denn diese kämen nicht der Öffentlichkeit zugute, sondern dürfen lediglich vom GC genutzt werden. Am Ende gingen 180 Schreiben mit rund 1000 Unterschriften beim Hochbaudepartement ein. Noch bevor es jedoch zu einer Abstimmung kommen konnte, lenkte die Stadt ein und liess von der Idee eines GC Campus auf dem Hönggerberg ab. Die Grasshoppers fanden stattdessen in Niederhasli ein Zuhause für ihr Trainings- und Ausbildungszentrum und konnten 2005 dort einziehen. Heute befindet sich an diesem Ort auch das Internat des GC Nachwuchs sowie die Geschäftsstelle der Neuen Grasshopper Fussball AG. In der neuen, revidierten Bauzonenordnung, die demnächst aufgelegt werden soll, ist das Gebiet «Im Grund» neu der Freihaltungszone zugeordnet und nicht mehr nur Erholungszone. Bis auf das Gebiet um den Schiessplatz und die Familiengärten ist auch die restliche Höngger Allmend der Freihaltungszone zugewiesen. Doch auch in diesen Räumen steht das Rad der Zeit nicht still – dass es sich nicht ziellos dreht, dafür soll das LEK Hönggerberg-Affoltern Leitplanken setzen. 

Quellen:
Sibler, Georg: Ortsgeschichte Höngg. Hrsg. Ortsgeschichtliche Kommission des Verschönerungsvereins, 1998.
Höngger Zeitungsarchiv. NZZ Archiv.
Amt für Städtebau der Stadt Zürich. «Gerechter. Die Entwicklung der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich.

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