Höngger.ch

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Frank Frei

Absolut sinnlos

16. Mai 2018 von

Von

Online seit
16. Mai 2018

Printausgabe vom
17. Mai 2018
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Das hatte ja so kommen müssen. Ich meine, bei der ganzen Vorgeschichte war das ja absehbar. Oder hätte es, für vernunftbegabte Geister, zumindest sein müssen. Man hatte das ja noch nie so gemacht, sondern seit hundert Jahren immer gleich, nämlich diametral anders. Die Vehemenz, mit welcher das Vorhaben nun scheiterte, war dann aber doch überraschend. Wie eine Herde Rinder zum ersten Mal auf der Weide hatte man sich benommen und war ungestüm unterwegs wie Lemminge. Kopf voran, Ziel Wand. Sie wird schon dünner sein als allgemein angenommen, diese Wand. Und war es dann eben doch nicht. Ja ja, früher, da wurde eben noch für die Ewigkeit gebaut. Also wenigstens sprichwörtlich, denn von steinzerfressender Luftverschmutzung hatte noch niemand etwas gehört. Doch mit dem heutigen Wissen? Eben, man hatte es irgendwie kommen sehen. Dass man dann mit einem blauen Auge davonkam? Ich weiss nicht, ob man sich da freuen soll. Vielleicht wäre ein doppelter Beinbruch mit ein paar Monaten Stillstand in der Rehabilitation letztlich hilfreicher gewesen. In Krise und Zäsur liegt bekanntlich die Chance der Wiedergeburt. Doch so? Wie schnell ist man auf einem eben noch blauen Auge wieder gleich blind wie zuvor? Ja, es war gut gemeint, doch gut gemeint ist oft zu wenig gut. Speziell dann nicht, wenn die Rechte nicht weiss, was die Linke tut. Da kann man dann nicht im Nachhinein versuchen, alles schön zu reden. Ins Schulzeugnis schrieb ja auch nie ein Lehrer ernsthaft «hat sich Mühe gegeben». Dieses Gewinde und Gejammer nun ist einfach nur infantil. Oh Mann, das regt mich sowas von auf! Wie oft hatte man vor einem solchen Vorgehen gewarnt? Aber fand man Gehör? Nein, natürlich nicht. Man steckte den Kopf in den Sand. Und dann wundert man sich, wenn man mit Sand im Schnabel aufwacht. Bäh, das knirscht jetzt aber eklig. Warum hat einem das denn niemand früher gesagt? Hat man doch, aber mit Scheuklappen sollte man eben nicht wilde Sprünge machen, grosse schon gar nicht. Abgesehen davon wirken solche Klappen an den Seiten des Kopfes wie Trichter: Das kann nur ins Auge gehen, und wer wie in diesem Fall gleichzeitig den Schnabel noch weit aufreisst, bekommt dann eben den Sand auch bis tief ins Getriebe geschoben.
Und doch, bei aller Kritik, eines muss man anerkennen: Mut wurde bewiesen. Bleibt zu hoffen, das im Scheitern auch die Kraft zum Weitermachen gefunden wird.

Es grüsst, letztlich aufmunternd
Frank Frei

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